Eskalation im Nahen Osten

10. Mai 2018 13:06; Akt: 10.05.2018 17:11 Print

Droht jetzt ein Krieg zwischen Israel und Iran?

von Mareike Rehberg - Der Iran und Israel haben sich an der syrisch-israelischen Grenze heftig bekämpft. Eskaliert der Konflikt weiter? Ein Überblick.

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Im Konflikt zwischen dem Iran und Israel ist es in der Nacht auf Donnerstag zu den schwersten Angriffen seit Jahrzehnten gekommen. Wieso hat sich die Situation so zugespitzt? Und was hat der Atom-Deal damit zu tun? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist passiert?
Die israelische Armee hat dutzende iranische Ziele in Syrien attackiert, darunter Raketenabschussvorrichtungen, Munitionslager und Radaranlagen. Bei den Angriffen kamen nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 23 Kämpfer ums Leben. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman erklärte, die Armee habe «nahezu die gesamte iranische Infrastruktur» beschossen.

Warum jetzt?
Israel reagierte mit den Angriffen nach eigenen Angaben darauf, dass der Iran kurz zuvor rund 20 Geschosse auf israelische Stellungen auf den von Israel kontrollierten Golanhöhen abgefeuert habe. Israel hatte in der Vergangenheit aber schon öfter iranische Ziele in Syrien angegriffen. In den vergangenen Wochen wurden dabei mehr als 20 iranische Militärs getötet.

Eskaliert die Situation?
Der Iran nahm die Golanhöhen ins Visier. Deren Status ist nicht international anerkannt und sie werden auch von Syrien beansprucht. Zudem richtete sich der iranische Angriff nicht gegen Zivilisten, und es kamen nicht die modernsten Raketen zum Einsatz, die dem Iran in Syrien zur Verfügung stehen. Das spricht nach Ansicht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» dafür, dass der Iran keine weitere Eskalation will. Auch Lieberman betonte, man habe «kein Interesse an einer Eskalation». Dennoch: «Das Ausmass der Angriffe zeigt, dass der bereits brennende Nahe Osten ein neues Gefahrenlevel erreicht hat», sagt Nahost-Kenner Vicken Cheterian von der Webster-Universität in Genf zu 20 Minuten.

Was will Israel?
Israel fühlt sich durch die Präsenz des Iran im Nachbarland Syrien massiv bedroht. Der Abschuss von rund 70 Raketen auf iranische Stellungen in Syrien ist als deutliche Warnung zu verstehen. Sicherheitsexperten sehen laut der deutschen «Tagesschau» eine akute Gefahr darin, dass beide Länder in eine Eskalationsspirale geraten.

Was will der Iran?
Wie Israel will der Iran die Situation unter Kontrolle behalten, berichtet das SRF. Beide Länder beschränkten sich momentan auf Angriffe gegen militärische Ziele, heisst es. Innerhalb des Iran habe sich der Konflikt zwischen den Moderaten, die für den Atom-Deal waren, und den Hardlinern, die ihn bekämpften, verschärft. Den Hardlinern könne es nützen, den Konflikt mit Israel anzuheizen.

Warum Syrien als Schauplatz des Konflikts?
«Syrien als Staat ist implodiert», ist Cheterian überzeugt. Das Vakuum werde gefüllt – unter anderem durch iranische Truppen und ihre Verbündeten. Diese Konfrontation werde sich fortsetzen, bis der Iran und Israel eine Übereinkunft innerhalb Syriens finden, so der Experte.

Welche Rolle spielt das Atomabkommen?
Einen Zusammenhang mit dem von den USA gebrochenen Atomabkommen mit dem Iran gibt es gemäss FAZ eher indirekt. Teheran habe eine Beantwortung der israelischen Luftschläge schon vor Wochen angekündigt. Allerdings habe sich der Iran bis zur Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zum Atom-Deal zurückgehalten, um ihm keine Begründung für seinen Entscheid zu liefern. Politologe Cheterian glaubt indes nicht, dass der Zeitpunkt der Angriffe direkt mit dem Atomabkommen zusammenhängt. Vielmehr zeige sich, dass die militärische Eskalation zwischen Israel und dem Iran einer «Zug um Zug»-Logik folge. «Doch die US-Politik giesst Öl ins Feuer im Nahen Osten», sagt Cheterian. Der einseitige Rückzug aus dem Nuklear-Abkommen erhöhe die Unsicherheit.

Wie steht Russland zum Konflikt?
Russland habe gute Beziehungen sowohl mit dem Iran als auch mit Israel, betont der Nahost-Experte. Es versuche, zu vermitteln. Im Moment nicht sehr erfolgreich, aber die russische Rolle sei wichtig, um eine Übereinkunft zwischen dem Iran und Israel innerhalb Syriens zu finden. Russland brachte am Donnerstag seine «Besorgnis» über die Gefechte in Syrien zum Ausdruck. Allerdings liess Moskau, das am Mittwoch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu empfing, israelische Angriffe auf iranische Stellungen in Syrien bisher geschehen. Das, obwohl sowohl Russland als auch der Iran Verbündete von Syriens Machthaber Bashar al-Assad sind. Auch über die jüngsten israelischen Angriffe soll Moskau von Tel Aviv vorher informiert worden sein. Andererseits will Russland Syrien mit modernen Luftabwehrraketen ausstatten.


(Video: Tamedia/AFP)