Olympische Winterspiele

06. Februar 2018 07:34; Akt: 06.02.2018 07:34 Print

Das ist der mächtigste Mann hinter Kim Jong-un

Der Funktionär, der Nordkorea an den Olympischen Winterspielen vertritt, gilt als hochintelligent. Kim Yong-nam (90) ist der Einzige, der nicht von Sanktionen betroffen ist.

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Dass Nordkorea eine Delegation an die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang schickt, werten viele Beobachter als Anzeichen für das Tauwetter zwischen den verfeindeten Ländern. Machthaber Kim Jong-un wird selbst nicht zu den Spielen reisen. Dafür schickt er Kim Yong-nam, der die Delegation anführen wird.

Wer ist der 90-Jährige, der zum ersten Mal in seinem Leben nach Südkorea reist? Kim Yong-nam gilt als der zweitmächtigste Mann in Nordkorea. Als Vorsitzender des Präsidiums der Obersten Volksversammlung ist Kim protokollarisches Staatsoberhaupt Nordkoreas und seit Jahren der ranghöchste Vertreter seines Landes, der nach Südkorea reist.

«Kim macht keine Fehler»

Kim Yong-nam gehört laut «The Korea Herald» zum oberen Führungskreis um Kim Jong-un. Er begrüsst ausländische Staatsgäste in Nordkorea und vertritt sein Land auch häufiger bei Anlässen im Ausland. Ihn als repräsentativen «Grüssonkel» abzustempeln, sei aber voreilig, schreibt «Die Welt» (Bezahlartikel). Schliesslich halte sich der Funktionär schon so lange an der Spitze wie sonst kaum jemand.

«Kim Yong-nam macht keine Fehler», sagt ein nordkoreanischer Überläufer, der anonym bleiben will, der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. «Deshalb konnte er seinen hochrangigen Posten in einem Land behalten, in dem politische Säuberungen üblich sind.»

Kim Yong-nam, der nicht mit Kim Jong-uns ermordetem Halbbruder Kim Jong-nam verwechselt werden sollte, ist ein entfernter Verwandter innerhalb der Kim-Herrscherfamilie. Er wurde am 4. Februar 1928 in Pyongyang geboren, das damals wie ganz Korea noch zum Japanischen Kaiserreich gehörte.

Intelligent und freundlich

Schon zu Zeiten von Kim Jong-uns Vater, Kim Jong-il, galt Kim Yong-nam als Nummer zwei im Staat. Seit 1980 ist er Mitglied im Politbüro, seit 1998 protokollarisches Staatsoberhaupt. Der US-Autor und Journalist Don Oberdorfer beschrieb Kim in seinem Buch «The Two Koreas: A Contemporary History» einst als hochintelligent und schillernd. In seiner offiziellen Rolle verhalte er sich oft steif, sei ansonsten aber eine freundliche, angenehme Person.

Als Parlamentspräsident hat Kim Yong-nam auf die Innenpolitik seines Landes zwar kaum Einfluss, doch «Nordkoreas Gipfeldiplomatie mit Dritte-Welt-Ländern wurde von Kim betrieben», zitiert der «Herald» Cheong Seong-chang vom südkoreanischen Sejong-Institut. Der Entscheid für Kim Yong-nam dürfte aber auch praktische Gründe haben: Er ist der Einzige aus dem inneren Kreis um Kim Jong-un, gegen den der UNO-Sicherheitsrat noch keine Sanktionen verhängt hat.

Kim reist nicht allein

Den Funktionär, der auch schon die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking und 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi besuchte, sollen noch zwei weitere Spitzenfunktionäre sowie 18 weitere Delegationsmitglieder begleiten. Spekuliert wird, dass Choe Ryong-hae, Kim Jong-uns Vize in der kommunistischen Partei, mitfährt. Er gilt laut «Welt» als Mann für heikle aussenpolitische Missionen, ist aber von UNO-Sanktionen betroffen. Zudem käme dem «Herald» zufolge der Ex-Aussenminister Ri Su-yong infrage, der das parlamentarische Komitee für auswärtige Angelegenheiten leitet.

«Wir können nicht ausschliessen, dass Nordkorea weitere Berater von Kim Jong-un entsendet», sagt Cho Han-bum vom Korea Institute for National Unification. Aber wer geschickt werde, hänge davon ab, welche US-Vertreter nach Südkorea reisen. «Die Welt» spekuliert gar über ein mögliches Treffen von Delegationsleiter Kim Yong-nam mit US-Vizepräsident Mike Pence.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Background X am 06.02.2018 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das muss nun gesagt werden

    Kim Yong-nam hat schon einige sehr heikle politische Situationen entspannt. Er agiert geschickt im Hintergrund und sein Interesse besteht darin, verfahrene Eskalationen möglichst zu vermeiden. Klug wie er ist hat er in Anbetracht seines hohen Alters seine Nachfolge bereits geregelt. Wir verdanken diesem intelligenten und weitsichtigen Mann mehr, als wir im Westen ahnen.

  • Onkel Dagobert am 06.02.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hochintelligent wie sein Chef

    Auch wenn in den Massenmedien das Gegenteil propagiert wird, ist auch Kim Jong-un hochintelligent. Er hat jedenfalls begriffen, was mit Regierungen geschieht, die vor den USA nicht kuschen. Seine Atomwaffen sind reiner Eigenschutz.

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  • Maler50 am 06.02.2018 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viele Fragezeichen

    Viele Spekulationen über diesen Mann y wenig gesicherte Tatsachen so scheint mir!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Armin am 06.02.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Widersprüchlich ...

    ... im Artikel steht einerseits, dass er zum ersten Mal nach Südkorea reist, und wenige Zeilen später: ...eas und seit Jahren der ranghöchste Vertreter seines Landes, der nach Südkorea reist. Was Nun? Oder verstehe ich etwas falsch?

    • onkel von armin am 06.02.2018 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Armin

      armin, lies es doch nochmals laut fuer dich vor.

    • koreo graf am 07.02.2018 00:45 Report Diesen Beitrag melden

      @onkel armin

      kannst du es vielleicht auch noch zeichnen, singen und tanzen?

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  • Peter Silie am 06.02.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal

    ein junges, frisches Gesicht an einer Sportolympiade...

  • Mon Dieu am 06.02.2018 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja sou...

    Das ist also noch der letzte Hardliner und hängengebliebene nach dem Tod vom Herrscher. Kim ist harmlos. Hab mich schon gewundert, echt. Ihr werdet sehn, ist der Alte weg, normalisiert sich wieder alles dort. Und 90...

  • Onkel Dagobert am 06.02.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hochintelligent wie sein Chef

    Auch wenn in den Massenmedien das Gegenteil propagiert wird, ist auch Kim Jong-un hochintelligent. Er hat jedenfalls begriffen, was mit Regierungen geschieht, die vor den USA nicht kuschen. Seine Atomwaffen sind reiner Eigenschutz.

    • G.V. am 06.02.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Onkel Dagobert

      Kim Jong-Un ist mit seinem Amt völlig überfordert.

    • peter laufmann am 07.02.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

      Die Schuld liegt eher bei den Rebs.

      Unter Clinton wurden Verträge ausgehandelt, die, die heutigen Probleme eliminiert hätten, aber die nur noch die Unterschrift das US Präsidenten brauchte. Doch Clinton überliess dies Bush um ihn nicht vor seinem Amtsantritt zu dieser Politik zu nötigen. Bush leiss den Vertrag vertauben und wählte die Politik, die zur heutigen Problematik führte. Das weiss natürlich auch der NK Machthaber, dass die USA nie eine Atommacht angegriffen haben.

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  • Boris am 06.02.2018 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ?

    Können dort Länder mitmachen deren Machthaber ihre eigenen Völker dermassen unterdrücken ? Nordkorea gehört völlig isoliert und abgeschottet, bis die Diktatur gestürzt ist und das sollte bald passieren sonst leidet das Volk immer mehr. Alles andere ist eine Aufschiebung des Problems und dieses wird mit der Zeit immer grösser und gefährlicher. Wozu haben denn die starken Länder, wie China, Russland und Amerika ihre Geneimdienste und Spezialtruppen ?

    • Maler50 am 06.02.2018 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Boris

      Auch Russland oder Spanien, Nazi-Deutschland oder alle ehemaligen Oststaaten durften an den Olympischen Spielen Mitmachen!

    • java am 06.02.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Boris

      China und Russland hauptsächlich um die USA abzuwehren. Ist auch vernünftig.

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