Trump trifft Silicon Valley

15. Dezember 2016 02:38; Akt: 15.12.2016 08:04 Print

«Ich bin da, damit es euch gut geht»

Der künftige US-Präsident Donald Trump umschmeichelte die Spitzenvertreter der Internet- und Technologieunternehmen.

Versöhnungsangebot im Trump Tower: Donald Trump empfing die Chefs der wichtigsten digitalen US-Unternehmen. Video: Tamedia/AFP
Fehler gesehen?

Der künftige US-Präsident hat sich im Rahmen eines Gipfeltreffens um eine Aussöhnung mit den Internet- und Technologieunternehmen des Silicon Valley bemüht. «Ich bin da, um Euch Leuten zu helfen, damit es euch gut geht», sagte Trump am Mittwoch bei der Begegnung mit rund einem Dutzend Spitzenvertretern der Branche. Während des Wahlkampfs hatte sich das Silicon Valley fast geschlossen mit Trumps Rivalin Hillary Clinton solidarisiert.

Trump empfängt Silicon Valley

Er werde dafür sorgen, dass die Branche ihre «unglaublichen» Innovationen fortsetzen könne, versicherte der designierte Präsident. «Wir werden für Euch da sein.» Trump umschmeichelte die versammelten Branchenvertreter zu Beginn des Treffens, indem er sie als «wirklich unglaubliche Gruppe von Leuten» bezeichnete und schwärmte: «Es gibt niemanden wie Euch auf der Welt.»

Der grösste Teil des Gesprächs fand dann hinter verschlossenen Türen statt. Zu den Teilnehmern gehörten die Unternehmenschefs Jeff Bezos (Amazon), Tim Cook (Apple), Satya Nadella (Microsoft), Larry Page und Eric Schmidt (Alphabet/Google) sowie Sheryl Sandberg (Facebook).

Thematisiert worden seien etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen, Steuersenkungen und das Verhältnis zu China, hiess es in einer Mitteilung von Trumps Übergangsteam. Grössere Streitthemen wie Einwanderung oder Datenschutz seien vermieden worden.

Ein «ganz besonderer Kerl»

Auch dabei war der aus Deutschland stammende Milliardär Peter Thiel, Mitbegründer des Online-Bezahldienstes PayPal und ein früherer Investor bei Facebook. Während des Wahlkampfs war er im kalifornischen Silicon Valley eine einsame Ausnahme, indem er Trump unterstützte. Der Immobilienmogul dankte Thiel zum Auftakt des Treffens und pries ihn als einen «ganz besonderen Kerl».

(Video: Youtube/CNN)

Im Zuge seiner Charmeoffensive ernannte Trump auch den Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla sowie des Raumfahrtunternehmens SpaceX, Elon Musk, sowie den Vorsitzenden des Fahrdienstes Uber, Travis Kalanick, zu seinen Beratern. Sie wurden formell in das «Strategische Forum» aufgenommen, das Trump für seine Wirtschaftspolitik konsultieren will. Musk und Kalanick nahmen auch an dem Gipfeltreffen teil.

Bei dem Gespräch hinter verschlossenen Türen war offenbar die Schaffung von Arbeitsplätzen innerhalb der USA ein Schwerpunkt. Trump hat dies zu seiner Priorität erklärt. Er äusserte etwa den Wunsch, dass Apple, das seine Smartphones in China produzieren lässt, eine «sehr grosse Fabrik» in den USA eröffnet. Am Vorabend des Treffens sagte der Technologiekonzern IBM zu, innerhalb der nächsten vier Jahr 25'000 Arbeitsplätze im Land zu schaffen.

Keine formelle Befehlskette

Trump bot den Managern an, für sie erreichbar zu sein. «Sie rufen meine Leute an, Sie rufen mich an. Das macht keinen Unterschied. Wir haben keine formelle Befehlskette.» Von seiner Seite nahmen Vize-Präsident Mike Pence sowie seine drei erwachsenen Kinder Donald Jr., Eric und Ivanka teil.

Trump hatte die Branche im Wahlkampf scharf kritisiert. So rief er seine Unterstützer zu einem Boykott von Apple auf, weil der Konzern bei FBI-Ermittlungen zum Anschlag in San Bernardino nicht bei der Entschlüsselung eines iPhones helfen wollte.

Zudem forderte er, gegen Amazon.com kartellrechtlich vorzugehen. Immer wieder verlangt Trump auch, dass amerikanische Konzerne ihre Produkte in den USA herstellen sollten. Es wird weithin erwartet, dass Trump die Technologiekonzerne härter anfassen wird als Obama.

Ungewisse Auswirkungen

Die Auswirkungen der Trump-Präsidentschaft für die Branche sind ungewiss. Von der angekündigten massiven Senkung der Unternehmenssteuer würden sie natürlich profitieren. Allerdings könnte der High-Tech- und Internetsektor durch protektionistische Massnahmen und einen Handelskrieg mit China massiven Schaden nehmen. Auch eine restriktive Einwanderungspolitik wäre für die Branche potenziell schädlich, da viele ausländische Fachkräfte im Silicon Valley arbeiten.

Trump sicherte den Unternehmern zu Beginn des Treffens zu, dass er ihnen mittels «fairer» Handelsverträge bei ihren grenzübergreifenden Geschäften helfen wolle. Details nannte er nicht.

Trump setzte am Mittwoch auch die Serie seiner Nominierungen für Regierungsposten fort. Energieminister soll der frühere texanische Gouverneur Rick Perry werden. Der 66-Jährige ist ein Freund der Ölbranche und hat wie Trump den menschengemachten Klimawandel angezweifelt. Perry hatte vor einigen Jahren die Abschaffung des Ministeriums gefordert, das er nun übernehmen soll.

(chk/sda/afp)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.