Shanghai Motor Show

20. April 2017 03:07; Akt: 20.04.2017 03:44 Print

Status, Strom und SUV –aus Europa für China

von Thomas Geiger - Auf der Motorshow in Shanghai erlebt die PS-Branche die Konsolidierung im einstigen Kuriositäten-Kabinett.

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Die Absätze auf Rekordniveau, die Auftragsbücher dick gefüllt und der Hunger nach immer neuen Modellen noch lange nicht gestillt – China bleibt für die Automanager das Land des Lächelns und vor allem die PS-Bosse aus Deutschland kommen aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Denn nirgendwo verkaufen sie besser als im Reich von Maos Erben, das sich aufschwingt, der grösste Automarkt der Welt zu werden.

Doch beim Rundgang über die Motorshow in Shanghai dürfte so manchem von ihnen das Lachen vergehen, denn die chinesischen Hersteller holen mit grossen Schritten auf. Noch allerdings können sich die Europäer auf der grossen Bühne bestens behaupten. Schliesslich adressieren sie mit ihren Premieren genau jene drei Themen, die den chinesischen Markt im Augenblick definieren: Status, Strom und SUV. So hat Mercedes nicht umsonst in Shanghai die überarbeitete Auflage der S-Klasse enthüllt, selbst wenn den Chinesen die neue Motorengeneration wahrscheinlich herzlich egal ist und sie nur von den neuen Wellness-Funktionen schwärmen. Aber schliesslich verkaufen die Schwaben hier über ein Drittel ihrer Luxuslimousinen, und im Stau von Shanghai kommt es mehr auf Entschleunigung an als auf Beschleunigung. Und damit auch der Nachwuchs bei der Stange bleibt davon hat, machen sie mit einer seriennahen Studie schon jetzt Lust auf einen neuen Baby-Benz, der innert zwei Jahren in Gestalt einer A-Klasse mit Stufenheck durchstartet.
 
Während Mercedes die Status-Karte spielt, setzt der VW-Konzern in diesem Jahr vor allem auf Stromer – schliesslich entwickelt sich China zusehends zum Motor der elektrischen Revolution. Da wollen die Deutschen ordentlich mit dran drehen und zeigen deshalb gleich drei neue Akku-Autos: Audi lässt mit einer spektakulären Studie zwischen Q7 und A7 das Tesla Model X noch hässlicher aussehen und verspricht, dass das SUV-Coupé 2019 nahezu unverändert in Serie geht. VW zeigt mit dem ID Crozz, dass die neue Elektroarchitektur auch eine Klasse darunter ganz ansehnliche SUV mit schrägem Abschluss hergibt, und selbst Skoda bekennt sich jetzt zum Strom. Denn mit der – wie einfallsreich – ebenfalls als SUV-Coupé gezeichneten Studie Vision E läuten die Tschechen eine späte Akku-Offensive ein und kündigen bis 2025 fünf reine Elektrofahrzeuge an.
 
Mercedes ganz fest auf dem Boden der Tatsachen und der VW-Konzern auf einem guten Weg in die Zukunft – dagegen wirkt der BMW-Auftritt in den riesigen Messehallen fast ein wenig verloren. Denn so vielversprechend der extrascharfe M4 CS sein mag, so viel Spass man mit dem Mini Countryman John Cooper Works haben kann und so wichtig für die verwöhnten Business-Kunden in Beijing der Fünfer mit langem Radstand auch ist, macht das wenig Eindruck. Da überrascht selbst Citroën mehr, denn die Franzosen feiern mit dem C5 Aircross – da wäre dann auch das dritte S – die Premiere ihres ersten selbst entwickelten und nicht nur zugekauften SUV.
 
Die Neuheiten aus dem Westen mögen zwar wichtig sein, aber die Überraschungen findet man in Shanghai auf den Ständen der Chinesen. Denn als wäre es nicht schon ungewöhnlich genug, dass seit der letzten Messe in Peking über ein Dutzend heimischer Marken neu hinzugekommen sind und sich in den acht Hallen nicht minder repräsentativ präsentieren wie VW oder Toyota. Nein, sie zeigen durch die Bank auch noch sehr solide Autos, die man sich gut anschauen kann. Natürlich blitzen dazwischen noch eine ganze Reihe Plagiate und Kopien hervor – vom Range Rover Evoque als Landwind X7 über den Peugeot 3008 als Leopard CS9 oder den Ford S-Max als Lifan M7 bis hin zum G-Klasse-Nachbau oder dem i8-Klon bei BAIC. Und selbstredend gibt es wieder ein paar peinliche Panzerwagen wie den General Patton und seine Begleitflotte. Aber im Grossen und Ganzen haben die Chinesen nicht zuletzt mit der Hilfe vieler Exil-Europäer mittlerweile eine eigene Designsprache gefunden und sehr ansehnliche Autos wie den Haval H6, den MG3 oder den Cherry 5 auf die Räder gestellt. Und wenn man nicht ganz so genau hinschaut und erst recht nichts anfasst, sehen mittlerweile sogar viele Innenräume überraschend liebevoll und hochwertig aus.
 
Aber vor allem stehen die Chinesen unter Strom: Es gibt kaum eine heimische Marke, die kein Akku-Auto auf der Bühne hat, und dafür eine ganze Menge Firmen, die nichts anderes anbietet. Manche davon wirken eher skurril wie die elektrischen Kleinwagen von Yudo, der Batteriebus von Iconiq oder die Steckdosen-SUV von Singulato. Doch andere, wie das vom Internet-Milliardär William Le gegründete Start-Up Nio, sind ausgesprochen seriös. Und viele rollen die Stromer als Serienfahrzeuge an den Start. Da dürften die Europäer neidisch werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Käser am 20.04.2017 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Dreck für alle!?

    Weder die Politik noch die Autoindustrie setzen sich für die Umwelt ein. Es werden munter weiter SUVs und PS Dreckschleudern produziert für ebenso miese Konsumenten.

  • Zwänzg Frank am 20.04.2017 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    Mercedes, Mercedes und Mercedes, ich rieche Paid Post.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Käser am 20.04.2017 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Dreck für alle!?

    Weder die Politik noch die Autoindustrie setzen sich für die Umwelt ein. Es werden munter weiter SUVs und PS Dreckschleudern produziert für ebenso miese Konsumenten.

  • Zwänzg Frank am 20.04.2017 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    • Bernereidgenosse am 20.04.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      Ignorieren ist eine schlechte Strategie

      Chinesen:"Und viele rollen die Stromer als Serienfahrzeuge an den Start. Da dürften die Europäer neidisch werden" Und die Deutschen zeige wie immer Studien und Konzepte. In dieser Sparte sind die Europäer spitze !

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