Kultautos
Youngtimer

Countach, Capri, Commodore: Nach Jahren in der Versenkung gewinnen die Autos der jüngeren Vergangenheit an Status unter Liebhabern. In Zusammenarbeit mit Zwischengas präsentiert 20 Minuten die spannendsten Typen.

Lamborghini Diablo VT

15. April 2017 10:06; Akt: 15.04.2017 10:06 Print

Der Sportwagenmassstab der 1990er-Jahre

von Bruno von Rotz - 1991 präsentierte Lamborghini den Nachfolger von Miura und Countach, die zuvor den Sportwagen-Himmel auf den Kopf gestellt hatten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lamborghini konnte 1990 bei der Vorstellung des Diablos bereits auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurückblicken. Von Ferruccio Lamborghini gegründet, hatte sich die Firma mit den Typen 350 GT, 400 GT und insbesondere Miura in wenigen Jahren in den Supersportwagen-Olymp katapultiert. Mit dem kantigen Countach hatte man 1971 einen weiteren Meilenstein präsentiert, der immerhin fast 20 Jahre in Produktion blieb.

In den 1970er-Jahren aber geriet die Firma in finanzielle Turbulenzen und wechselte mehrmals den Besitzer, bis sie 1980 in den Händen des Kaufmanns Patrick Mimran landete. In diese Zeit fiel dann auch der Startschuss für das Projekt P132, den Nachfolger des Countach. Und fast zeitgleich ging Lamborghini nochmals an einen neuen Besitzer: Chrysler.

Weiterentwicklung des Countach

Technisch baute der Diablo auf dem Countach S auf, der Radstand war allerdings gewachsen und der 5,7-Liter-Motor mit 492 PS war von Grund auf neu konstruiert worden.

Geblieben waren die nach vorne und oben öffnenden Türen, die Einbaulage des Motors und die Architektur der Aufhängungen. Mit über zwei Metern Breite und 4,46 Metern Länge war der neue Sportwagen deutlich gewachsen, mit zusätzlichen 200 kg aber vor allem schwerer geworden, trotz Einsatz leichtgewichtiger Materialien beim Karosseriebau. Dies konnte aber den Fahrleistungen, die keinen Vergleich scheuen mussten, kaum schaden. Die Zeitschrift Auto Motor Sport notierte 1992 4,5 Sekunden für die Beschleunigung von 0 bis 100 km/h und 325 km/h Spitze.

Wird man das Monster bändigen können?

Kaum einen Betrachter lässt der Diablo kalt. Breit steht er da, riesige Einlässe kühlen die heissblütige Mechanik. Die Scherentüren sind Showcar-würdig. Ehrfurcht erscheint angebracht.

Der Einstieg geht leichter als erwartet. Gegenüber dem Vorgänger Countach sind die Türausschnitte tiefer, was das Besteigen des Supersportwagens fast zum Kinderspiel werden lässt. Im Innern wird man von einer Symphonie aus Leder empfangen. Das Zündschloss sitzt rechts auf der Lenksäule, wie bei jedem VW Golf. Vor sich hat der Pilot sechs Runduhren, in der Mitte Tacho und Drehzahlmesser. Lenkrad und Instrumententräger sind verstellbar.

Die Schaltkulisse liegt offen da, der erste Gang des Fünfganggetriebes wird links hinten eingelegt. Aber ächz, zuerst einmal will die Kupplung durch eine hoffentlich gut trainierte Beinmuskulatur betätigt werden.

Nomen est omen

Ansonsten aber verläuft eine Fahrt im Countach viel weniger beängstigend und anspruchsvoll, als man vermuten könnte – zumindest solange man nicht die oberen Drehzahlregionen und Grenzbereiche aufsucht. Spätestens dann zeigt der Diablo, dass er seinen Namen zu Recht trägt: Er wird laut, es wird warm und die Strassen scheinen umgekehrt proportional zur Geschwindigkeitszunahme zu schrumpfen.

Übersichtlich war schon der Vorgänger Countach nicht, der Diablo kann es aber kaum besser. Schräge Einfahrten werden am besten mithilfe eines Beifahrers gemeistert; Parkieren will geübt sein.

Doch spätestens, wenn man am Ziel ankommt, den Motor nochmals kurz und heiser aufbrüllen und die Türe nach oben gleiten lässt, sind angesichts der uneingeschränkten Bewunderung der Passanten allfällige Mühen schnell vergessen. Und sowieso: Im Vergleich zu seinen Vorgängern kann der Diablo VT als geradezu handzahm beschrieben werden. Eigentlich möchte man sofort wieder einsteigen, weiterfahren.

Weitere Informationen, Bilder sowie Tonmuster gibt es auf Zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chenior_ am 15.04.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein wunderschöner Anblick

    Perfektion in Form eines italienischen Sportwagens, mit so viel Liebe gemacht, erscheint Er so zeitlos.

    einklappen einklappen
  • Zürich 1986 am 15.04.2017 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diablo

    Für mich der schönste Lamborghini der jemals gebaut wurde...

    einklappen einklappen
  • Cecil am 15.04.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forza

    der letzte wirklich gelungene Lambo finde ich. Alles was danach kam hat irgendwie an Charme und Charakter eingebüsst. Rede hier vom Design, nicht von der Technik :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berufsherumsteher am 16.04.2017 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnell in der Schlange

    Schnell? - Ich sehe immer nur Stau ohne Ende.

  • Alteisenmann am 16.04.2017 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Früher hot, heute Shrott

    Früher unabhägig, eigenständig und grundehrlich ohne dass der grosse Konzernvater dreingeredet hat. Heute: Egal ob Porsche, Lambo und co, alles der gleiche VW-Audi-Quatsch resp. Schrott!

  • Monika Kramer am 16.04.2017 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    Einlösung

    Warum sind die meisten dieser Superrennfahrzeuge auf Firmen eingelöst, da sie ja hauptsächlich einem privaten Zweck dienen?

    • FernLeser am 16.04.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

      MWST

      Wir ein Fahrzeug von einer Firma erworben, fällt keine Mehrwertsteur an, dürfte in solch einem Fall durchaus ins gewicht fallen.

    • autosammler am 16.04.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monika Kramer

      Da man das bei der Steuer abziehen kann. Auch keine Mehrwertsteuer. Meine wagen laufen alle Über eine extra dafür eingerichtete Firma.

    einklappen einklappen
  • Raffi am 16.04.2017 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Rückspiegel ... ?

    Über zwei Meter breit (auch ohne Rückspiegel) ??? Da sind wohl eher die SEITENspiegel gemeint.

    • Mario M. am 16.04.2017 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Raffi

      Ajajaj Raffi, dein Kommentar ist ja gut gemeint, aber auch die Seitenspiegel sind Rückspiegel. Man unterscheidet zwischen Innenspiegel und Aussenspiegel. Aber alles. Sind Rückspiegel. Also im Artikel völlig korrekt beschrieben. Das wäre wie wenn Du sagen würdest Turnschuhe sind keine Schuhe

    einklappen einklappen
  • Praktiker am 15.04.2017 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Kindersitzli

    Kein Vergleich zu einem 911er! Die sind einfach viel familienfreundlicher.

    • Jean am 15.04.2017 23:22 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt....

      ...der Lambo diablo ist schon 2- 3 Kategorien ob dem 911er anzusiedeln. Wer Kinder will, kauft 911 - wer aber Auto will, kauft natürlich diablo!

    einklappen einklappen