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Lieber Phil Geld

20. Januar 2015 10:33; Akt: 20.01.2015 10:33 Print

Der Chef hat Dezemberlohn noch nicht ausbezahlt

Simona (37) wurde per sofort freigestellt. Ihr Chef wirft ihr Diebstahl vor. Zudem hat sie ihren Lohn vom Dezember noch nicht erhalten. Was kann sie tun?

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Bis zum Ablauf der Kündigung ist der mündlich vereinbarte Lohn auf jeden Fall geschuldet. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Mein Arbeitgeber bezichtigt mich des Diebstahls und hat mich per sofort freigestellt. Vier Wochen vorher hat er meine Arbeitskollegin auf dieselbe Weise entlassen. Ausserdem hat er uns bis heute unseren Dezemberlohn nicht ausbezahlt. Ich frage mich nun: Kann ich meinen Lohn mittels Betreibung einfordern? Zu erwähnen ist, dass zwischen meinem Arbeitgeber und mir nie ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen wurde. Kann ich trotzdem etwas tun?

Liebe Simona

Prüfe zuerst, ob die Kündigung rechtmässig erfolgt ist. Eine fristlose Kündigung wäre wohl ungerechtfertigt und könnte dazu führen, dass der Arbeitgeber eine Strafanzeige gemäss Art. 337c OR leisten muss. Verdachtskündigungen sind nämlich regelmässig ungerechtfertigt. Falls bei dir eine fristlose Kündigung zutrifft: Widerspreche der fristlosen Kündigung unverzüglich per Einschreiben.

Da du nur von einer Freistellung schreibst, gehe ich aber davon aus, dass das Arbeitsverhältnis noch besteht und allenfalls ordentlich gekündet wurde. Das bedeutet, dass der mündlich vereinbarte Lohn noch bis zum Ablauf der Kündigung geschuldet ist.

In diesem Fall musst du prüfen, ob die ordentliche Kündigung möglicherweise gemäss Art. 336 OR missbräuchlich ist. Dann kannst du beim Arbeitgeber noch vor Ablauf der Kündigungsfrist schriftlich Einsprache gegen die Kündigung erheben (336b OR).

Der Dezemberlohn scheint mir in jedem Fall geschuldet zu sein. Da dieser spätestens am 31.12.2014 zur Zahlung fällig war (323 I OR), kann er grundsätzlich betrieben werden. Eine Betreibung nützt dir allerdings wenig, wenn dein Arbeitgeber Rechtsvorschlag erhebt. Da kein schriftlicher Arbeitsvertrag vorhanden ist, gelingt eine sogenannte Rechtsöffnung (eine Beseitigung des Rechtsvorschlags) nicht. Das Betreibungsverfahren kann bei Rechtsvorschlag erst fortgesetzt werden, wenn ein Gerichtsurteil oder ein rechtskräftiger Vergleich vorliegt.

Daher rate ich dir, zuerst den arbeitsgerichtlichen Weg einzuschlagen. Dass kein schriftlicher Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde, ist nicht weiter tragisch. Aufgrund früherer Lohnzahlungen (oder auch AHV-Anmeldung, Lohnausweis und -abrechnungen, etc.) kannst du ohne Weiteres belegen, dass ein Arbeitsverhältnis bestand und welcher Lohn mündlich vereinbart wurde.

Zu diesem Zweck musst du bei der Schlichtungsstelle (je nach Kanton: Friedensrichter, Vermittleramt etc.) am Sitz des Arbeitgebers ein Schlichtungsgesuch einreichen. Soweit die Forderung unter 30'000 Franken liegt, ist das arbeitsrechtliche Schlichtungsverfahren in allen Kantonen kostenlos (113 ZPO).


Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick A am 20.01.2015 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Du meine Güte

    Was lernen wir hier: NIE einen mündlichen Arbeitsvertrag abschliessen! Und falls du tatsächlich nichts gestohlen hast, würde ich deinen ehemaligen Chef anzeigen (wegen übler Nachrede/Verleumdung).

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  • Siegfried am 20.01.2015 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht das problem

    Der nicht vorhandene vertrag ist nicht das problem, ihr kommentarhelden. Eher ist zu prüfen ob der arbeitgeber einen ausweg mittels ungerechtfertigten kündigungen sucht.

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  • Y. K. am 20.01.2015 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit

    Ein schriftlicher Arbeitsvertrag sollte Pflicht werden! Und dieser Arbeitgeber sollte gerichtlich verfolgt werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 1d1ot am 21.01.2015 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen - Ultra Epochal Wichtig!

    Bei einem solchen Arbeitgeber UNBEDINGT nachprüfen ob er die AHV Beiträge bezahlt hat. Google: Ausgleichkasse + Kanton -> Anrufen und AHV Nummer bereithalten.

  • ronny am 20.01.2015 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rechtsweg

    hey simona...ich hoffe nur das er deine Sozialleistungen abgerechnet.hat.... wünsche dir alles gute und schlag undbedingt den Rechtsweg ein...

    • mariannen broennimann am 21.01.2015 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Was nützt das noch????

      Wenn der Arbeitgeber pleite ist, nützt alles nichts mehr!

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  • OR?! am 20.01.2015 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nina

    Habt ihr Kommentarhelden eigentlich schon mal was vom OR gehört? Wohl kaum! Beim Arbeitsvertrag herrscht Vertragsfreiheit, er ist auch mündlich gültig. Der Arbeitnehmer ist durch die gesetzlichen Bestimmungen genauso geschützt. Also nichts von wegen 'unseriös' und 'dubios', sondern ganz normaler Arbeitsalltag!

    • Susan am 20.01.2015 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Beweisbarkeit

      Selbstverständlich ist ein mündlicher Arbeitsvertrag gültig. Das Problem mit mündlichen Verträgen ist die Beweisbarkeit. Du müsstest schon einen Zeugen des mündlichen Abschlusses haben sonst läuft's auf "Aussage gegen Aussage" raus.

    • Fabian am 20.01.2015 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Beweislage klar

      @Susan: Wenn Lohnzahlungen stattgefunden haben, ist die Beweislage absolut klar.

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  • patrick am 20.01.2015 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitgeber

    ich stelle selber leute ein ...diese leisten 4-6h "gratis arbeit"...probe arbeiten halt..sollte die chemie für beide stimmen erhalten diese direkt nach dem probetag...einen arbeitsvertrag. und ich beschäftige derzeit nur 10 mitarbeiter leiste mir es aber den vertrag beglaubigen zu lassen( prüfen ob ich fehler oder so drinnen habe..bin ja kein jurist )...ein arbeitgeber der keinen vertrag ausstellt ist schlicht unseriös.

    • Fabian am 20.01.2015 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      DU bist unseriös

      In welcher Form ein Arbeitsvertrag besteht, hat nichts mit Seriosität zu tun. Leute gratis probearbeiten zu lassen wiederum, ist absolut unseriös. Jegliche Arbeit ist zu entschädigen! Also zuerst mal in den Spiegel schauen!

    • Moni am 20.01.2015 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      Warum gratis?

      Du weisst aber schon das Probearbeit nach Gesetz zu vergüten ist? Diese muss bezahlt werden, egal ob man danach eingestellt wird oder nicht. Viele bezeichnen Probearbeiten auch fälschlicherweise als Schnuppern. Nun der unterschied ist folgender: Beim Schnuppern guckt man in den Arbeitsalltag rein, bei der Probearbeit leistet man aber bereits schon Arbeit.

    • Thomas am 20.01.2015 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wieso underiös?

      schon mal was von gav gehört? ich wurde auch vor 13 jahren mündlich eingestellt. monat für monat den lohn erhalten inkl. 13. also beweis genug dass ein arbeitsverhältnis besteht.

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  • Marie am 20.01.2015 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Vertrag zeigt Respekt und Anstand

    Ich persönlich würde mich IMMER besser und ehrlicher fühlen mit einem Vertrag, egal ob als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Genau WEIL ich meinem Angestellten Respekt zeigen möchte, bin ich absolut für einen Vertrag! Komisch, der Kommentar, der Selbständigen, welche Jahrzehnte ohne Verträge wurstelt!

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