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Lieber Phil Geld

17. September 2016 10:09; Akt: 17.09.2016 10:09 Print

Darf der Arbeitgeber die Arbeitszeit erhöhen?

Andreas (36) Arbeitgeber möchte die derzeit wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöhen. Darf er das?

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Innerhalb der gesetzlichen Grenzen darf der Arbeitgeber die Arbeitszeit grundsätzlich beliebig verändern. (Bild: unsplash.com)

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Lieber Phil Geld
Mein Chef möchte die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden auf 43 Stunden die Woche erhöhen. Falls ich damit nicht einverstanden bin beziehungsweise unterzeichne, wird mir gekündigt. Ist das erlaubt?

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Liebe Andrea

Grundsätzlich gilt, was in deinem Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Er ist sowohl für dich als auch für deinen Arbeitgeber verbindlich. Der Arbeitsvertrag ist aber ein Dauervertrag. Darum kann er im Laufe der Zeit abgeändert werden – sowohl zu Gunsten als auch zu Ungunsten des Arbeitnehmers.

Für eine Abweichung vom bisherigen Arbeitsvertrag bedarf es einer Vertragsänderung. Eine Vertragsänderung ist allerdings nur dann möglich, wenn beide Parteien der Vertragsänderung zustimmen. Können sich die Vertragsparteien aber nicht über die zu ändernden Tatsachen einigen, kann der Arbeitgeber versuchen, eine Änderungskündigung durchzusetzen.

Bei einer Änderungskündigung wird der bestehende Arbeitsvertrag ordentlich unter Einhaltung der Kündigungsfristen aufgelöst. Zugleich wird mit der Kündigung ein neuer Arbeitsvertrag mit geänderten Bedingungen angeboten. Der neue Vertrag kann erst nach Ablauf der Kündigungsfrist des bisher geltenden Vertrages in Kraft treten.

Dem Arbeitnehmer steht es frei, den neuen Vertrag anzunehmen oder nicht. Ist der Arbeitnehmer mit dem neuen Arbeitsvertrag nicht einverstanden, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung. Das Arbeitsverhältnis wird nach Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst. Der Arbeitnehmer verliert seine Stelle.

Solche Änderungskündigungen sind durchaus zulässig – auch wenn sie zu Ungunsten des Arbeitnehmers ausfallen. Eine missbräuchliche oder zumindest problematische Änderungskündigung liegt nur vor, wenn keine sachlichen beziehungsweise betrieblichen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründe für eine Änderungskündigung vorliegen. Auch ist eine Änderungskündigung missbräuchlich, wenn die Kündigung als Druckmittel verwendet wird, um eine für den Arbeitnehmer belastende Vertragsänderung herbeizuführen, die sich sachlich nicht rechtfertigen lässt.

Zu prüfen wäre auch, ob dein Arbeitsverhältnis einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) untersteht. Denn in gewissen Branchen oder Unternehmen gibt es GAV, die einen «Krisenartikel» enthalten und regeln, unter welchen Voraussetzungen die Erhöhung der Arbeitszeit zulässig ist.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass aufgrund der im Schweizerischen Arbeitsrecht geltenden Vertragsfreiheit die Arbeitszeit grundsätzlich – innerhalb der durch das Arbeitsgesetz definierten Grenzen (vgl. Art. 9 ArG) – frei vereinbart beziehungsweise verändert werden kann. Bist du mit der Erhöhung der Arbeitszeit nicht einverstanden, kann dein Arbeitgeber diese mit einer korrekt durchgeführten Änderungskündigung dennoch durchsetzen. Du bist zwar nicht verpflichtet, den neuen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Allerdings kann dir dann dein Arbeitgeber wirksam kündigen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Pope am 17.09.2016 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitnehmer

    Manchmal zu Gunsten des Arbeitnehmers.... Der war wirklich gut.

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  • Mama am 17.09.2016 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei!

    Ohja er kann! Habe ich selbst erlebt. Mein Chef wollte eine andere Mitarbeiterin von 80 auf 100% aufstocken, weswegen ich dafür von 80 auf 60% abgeben sollte. Da ich alleinerziehende Mutter bin (die andere ist jung, gutaussehend und unfähig), willigte ich natürlich nicht ein. Da drohte er mir mit dieser Änderungskündigung. Na was hatte ich da noch für eine Wahl?! 60% Job oder gar nic mehr. Sauerei sowas!

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  • Claudia am 17.09.2016 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RAV

    Nimmt man bei einer Änderungskündigung den neuen Vertrag nicht an, wird man auf dem RAV sanktioniert! Besser ist, den neuen Vertrag zu unterzeichnen und nebenbei eine neue Stelle zu suchen. Ausser, man kann es sich leisten, zwei bis drei Monate kein Geld zu erhalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Melanie am 19.09.2016 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeutung ahoi

    Und wieder einmal steht in der Antwort im Wesentlichen, dass sich Arbeitgeber alles, Arbeitnehmer aber gar nichts erlauben dürfen...

  • DA_WA am 18.09.2016 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Musste ich schon drei mal unterschreiben

    war aber nie zu meinen Gunsten, REKA Checks verloren,10% weniger Lohn, eine Woche Ferien verloren und von 40 zu 42 Stunden hochgeschraubt.Die Zitrone ist ausgepresst aber man kann noch die Schale abraffeln.Arbeite in einer Dienstleistungsfirma mit weltweit 550'000 Mitarbeitern

  • U.M. am 18.09.2016 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er oder Sie

    Ist es jetzt der Andreas oder die Andrea?

    • Bohrer am 18.09.2016 18:18 Report Diesen Beitrag melden

      Andrea.

      Der Genitiv von Andrea ist Andreas. Der Genitiv von Andreas ist Andreas'. Andreas Arbeitgeber ist also der Arbeitgeber von Andrea.

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  • Zurückgezogen am 18.09.2016 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hab mich

    Ich musste in meiner Arbeitsstelle als Serviertochter plötzlich eine Stunde länger arbeiten. Als ich meinen Chef gefragt habe ob ich eine Stunde länger Zimmerstunde hätte oder ich mehr Lohn bekämen hat er mich nur böse angeschnauzt und das wars dann.

    • Kalbermatten1 am 18.09.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zurückgezogen

      So läuft es in der Gastro. Lassen sie die Stundenblätter ausfüllen und wöchentlich vom Chef unterschreiben. So wie es der GAV vorsieht. Nix gefallen lassen. Wer arbeitet soll angemessen entlöhnt werden.

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  • Hermes am 18.09.2016 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    wer nicht zahlt, mus gut versichert sein

    jeder secunde den ich arbeite wirs bezahlt, wenn ich ein mail lesen muss in die freizeit, muss das betahlt werden, ruft der chef in meiner freizeit an, muss er dies bezahlen, wir sind lohnempfänger keinen leibeigene, rühre ich auch nur ein finger für den betrieb, soll das bezahlt werden.

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