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Lieber Phil Geld

04. Juli 2017 08:26; Akt: 04.07.2017 08:42 Print

Was erwartet mich bei einer Lohnpfändung?

Yvonne (39) wird von mehreren Personen betrieben. Ihr droht eine Lohnpfändung. Was heisst das für sie?

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Besonders unangenehm an der Lohnpfändung ist die Anzeige an den Arbeitgeber. (Bild: iStock)

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Lieber Phil Geld
Ich wurde von mehreren Personen betrieben, weil ich meine Rechnungen nicht bezahlt habe. Nun droht mir eine Lohnpfändung. Was kommt da auf mich zu? Wird mein Chef von der Lohnpfändung erfahren oder kann ich ihm das verheimlichen?

Umfrage
Wurde Ihr Lohn schon einmal gepfändet?
19 %
23 %
58 %
Insgesamt 908 Teilnehmer

Liebe Yvonne

Wer seine Rechnungen trotz Mahnungen nicht begleicht, muss damit rechnen, dass früher oder später eine Betreibung gegen ihn eingeleitet wird. Kommt es zur Lohnpfändung, muss der Betriebene auf seinem Existenzminimum ausharren.

Als pfändbares Einkommen gilt grundsätzlich Erwerbseinkommen jeder Art, Nutzniessungen und ihre Erträge, Leibrenten sowie Unterhaltsbeiträge oder Pensionen. Also Leistungen jeder Art, die einen Erwerbsausfall oder Unterhaltsanspruch abgelten sowie Renten und Kapitalabfindungen aus beruflicher Vorsorge (vgl. Art. 93 Abs. 1 SchKG).

Bei einer Lohnpfändung berechnet das Betreibungsamt das sogenannte betreibungsrechtliche Existenzminimum. Dieses setzt sich einerseits aus einem Grundbetrag – ca. 1200 Franken/Monat für Alleinstehende und ca. 1700 Franken/Monat für Verheiratete beziehungsweise in einer eingetragenen Partnerschaft lebenden Personen zusammen. Andererseits zählen auch individuelle Zuschläge, wie unter anderem der effektive monatliche Mietzins, Sozialbeiträge (soweit diese nicht bereits vom Lohn abgezogen werden) oder besondere Berufsauslagen dazu. Mögliche Zuschläge werden jedoch nur berücksichtigt, wenn sie vor der Pfändung auch tatsächlich bezahlt wurden und geschuldet sind. Der oder die Betriebene hat die Auslagen mit Quittungen zu beweisen, ansonsten werden die Zuschläge nicht in den Grundbedarf aufgenommen. Die pfändbare Quote berechnet sich aus der Differenz zwischen betreibungsrechtlichem Existenzminimum und Gesamteinkommen des Schuldners.

Eine Lohnpfändung kann gemäss Art. 93 Abs. 2 SchKG längstens für die Dauer eines Jahres verlangt werden. Wenn der Betriebene aber von mehreren Gläubigern betrieben wird, kann sich eine Lohnpfändung jedoch auch über Jahre hinziehen. Reicht das gepfändete Einkommen nicht, um den Gläubiger vollumfänglich zu befriedigen, stellt das Betreibungsamt dem Gläubiger nach Ablauf dieses Jahres einen Verlustschein aus.

Besonders unangenehm an der Lohnpfändung ist jedoch die Anzeige an den Arbeitgeber. Letzterer wird vom Betreibungsamt in Kenntnis gesetzt, wie viel es vom Monatslohn des Schuldners als pfändbare Quote abziehen wird. Nur ausnahmsweise kann davon abgesehen werden und es kommt zu einer stillen Lohnpfändung. Einem Begehren des Schuldners auf stille Lohnpfändung wird allerdings nur in Einzelfällen stattgegeben: Und zwar wenn der Gläubiger glaubhaft verspricht, den gepfändeten Monatsbetrag regelmässig selbst abzuliefern und zudem die Einwilligung sämtlicher Gläubiger beibringt, dass diese mit der Selbstablieferung einverstanden sind. Bleibt eine versprochene Zahlung aus, wird dem Arbeitgeber die Lohnpfändung unverzüglich angezeigt.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gill Bates am 04.07.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwärtsspirale

    Na toll, da hat einer finanzielle Schwierigkeiten und die Arbeitgeber lassen einen fallen. Einer meiner Mitarbeiter hatte 20'000 Fr. Schulden und wurde gepfändet, statt ihn zu kündigen habe ich die Schulden und seine Steuern für ihn bezahlt und ziehe ihm monatlich einen Betrag vom Lohn ab. Ich habe es vorallem getan weil er Familienvater ist und seine Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, in solchen Situationen begehen Menschen Suizid. Durch Betreibungen entstehen nur noch mehr Kosten und man kommt nicht mehr raus.

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  • Geldsorgen am 04.07.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reden

    auch ich bin in einer schlechten finanziellen Lage. Habe mit den Gläubigern Kontakt aufgenommen und haben eine gemeinsame Lösung gefunden. Zum Glück habe ich per 01.08. einen Job und hoffe dass ich bis Ende Jahr aus dieser misslichen Lage bin. Habe eins gelernt: Lebe nicht über deine Verhältnisse

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  • Dark Archon am 04.07.2017 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern nicht einberechnet

    WICHTIG! Bei einer Lohnpfändung werden Steuern NICHT miteinberechnet. Das bedeutet, dass man keine Rücklagen für Steuern machen kann. Dauert eine Pfändung länger als ein Jahr, wirst Du die nächsten Steuern nicht zahlen können und wirst auch da dann betrieben und evt. gepfändet. Wenn das geschieht, dann bleibt Dir nur noch der Weg zu einer Schuldenberatung!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • von Lohnpfändung betroffen am 05.07.2017 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Teufelskreis ohne Ende

    Leider sind meine Gläubiger nicht sehr rücksichtsvoll und bestanden auf eine Lohnpfändung, seit 10 Monaten lebe ich monatlich von knapp 1'200.00 Fr. und es dauert gemäss Abzahlungsplan noch 14 Monate bis ich es weg habe. Wenn man Mal im Teufelskreis der Lohnpfändung steckt, kommt man fast nimmer raus und macht zum Beispiel bei den Steuern gleichzeitig weitere Schulden. Ich habe kürzlich eine fast zugesagte Stelle nicht erhalten nachdem der zukünftige Arbeitgeber von der Lohnpfändung (nicht vertrauenswürdig) erfahren hat.

  • stefan.fischer am 05.07.2017 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frage

    ich habe gehört das man jegliche lohnpfändung abwehren kann,wen man monatlich 40 -50 fr bezahlt, an den gläubiger zahlt. stimmt es? oder nicht?

    • RC1020 am 05.07.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Anrufen, vereinbaren, zahlen.

      Ratenzahlungen sollten in jedem Fall vorher mit dem Gläubiger vereinbart werden, da zufällige Akontozahlungen eine Betreibung nicht ausschliessen. Dem Gläubiger steht es ab 30 Tagen Fälligkeit einer Forderung nähmlich jederzeit frei, diese einzuleiten.

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  • ExMitarbeiterBA am 05.07.2017 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Stille Lohnpfändung

    Stille Lohnpfändung ist einzig Goodwill des jeweiligen Betreibungsamtes. Dafür besteht kein Rechtsanspruch. Es gibt Ämter, welche darauf generell nicht eingehen. Stellensuche wird durch anstehende Lohnpfändung erschwert. Kenne Fälle, bei denen das für Ablehnung ausschlaggebend war.

  • Gill Bates am 04.07.2017 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Yvonne

    Ruf sofort jeden Gläubiger an und vereinbare eine monatliche Abzahlung. Somit gibt es keine Lohnpfändung und der Gläubiger ist im nachhinein eher bereit den Betreibungseintrag zu löschen, da er sieht das du gewillt bist deine Schulden zu bezahlen. Wichtig ist die Rate immer pünktlich zu bezahlen, deshalb rate ich dir immer den ersten des Monats zu vereinbaren falls dein Lohn mal später ausbezahlt wird. Am besten du machst bei deiner Bank Daueraufträge. Alles Gute Yvonne

    • M.B am 05.07.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gill Bates

      Bei einem Gläubiger wie Intrum Justitia nützt das herzlich wenig... mit diesen kann man nicht verhandeln...

    • Selina am 05.07.2017 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Apropos Intrum

      Ich hatte auch mal ein Dossier bei Intrum, die haben mir bis jetzt immer eine stille Lohnpfändung gewährt. Sehr freundliche Leute am tel.. Nie schlechte erfahrungen.

    • Gabriela am 05.07.2017 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      @ Gill Bates

      Absulut Falsch! Ich hatte schon mehrmals eine Lohnpfändung. Intrum Justitia hat IMMER einer stillen Lohnpänfung zugestimmt! Man lästert immer über diese Firma, hört auf damit! Die Mitarbeiter dort sind freundlich und immer hilfsbereit, sie versuchen immer zu helfen wo sie nur können. Und nicht nur ich hatte diese Erfahrung sondern auch bekannte von mir.

    • Küsche am 05.07.2017 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      wieviel

      Und wieviel geht in die Tasche der Intrum Justitia?

    • Marion am 05.07.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      tja...

      bezahlt eure Rechnungen pünktlich, dann kommt ihr mit solchen Firmen gar nicht in Kontakt.

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  • Rolf Behrend am 04.07.2017 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ändern

    Wenn die Schweiz das Steuersysten ändert und das wird geändert ist eine Frage der Zeit wo die Steuern Direkt vom Lohn Abgezogen werden gibt es auch fast keine Lohnpfändungen mehr.

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