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Lieber Phil Geld

11. November 2017 11:10; Akt: 11.11.2017 11:10 Print

Muss ich einen längeren Arbeitsweg akzeptieren?

Didiers (32) Arbeitsweg wird sich durch eine Standortverlegung der Firma auf eineinhalb Stunden erhöhen. Muss er sich das gefallen lassen?

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Je nach Umständen muss man eine Versetzung an einen neuen Arbeitsort hinnehmen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Mein Chef hat mir verkündet, dass unsere Firma in absehbarer Zeit den Standort wechselt. Mein Arbeitsweg wird sich durch die Standortverlegung auf eineinhalb Stunden erhöhen. Muss ich mir das gefallen lassen? Mir ist das zu weit.

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Mussten Sie schon einmal einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen?

Lieber Didier

Die dauernde Verlegung des Arbeitsplatzes an einen anderen Arbeitsort fällt grundsätzlich unter das Weisungsrecht des Arbeitsgebers im Sinne von Art. 321d OR. Eine im Rahmen des Weisungsrechts angeordnete Verlegung des Arbeitsplatzes ist jedoch nur dann zulässig, wenn sie für den Arbeitnehmer zumutbar ist. Die Zumutbarkeit hängt dabei von verschiedenen Kriterien, wie zum Beispiel dem Arbeitsweg und der Dauer der Verlegung, ab. Die Beurteilung der Zumutbarkeit hängt aber auch von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Als unzumutbar wird regelmässig eine Distanz von mehr als zwei Stunden von Tür zu Tür zwischen Wohn- und Arbeitsort erachtet.

Wurde der Arbeitsort jedoch im Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer klar festgelegt, kann dieser nicht durch eine einseitige Weisung des Arbeitgebers verlegt werden. Vielmehr ist die Zustimmung des Arbeitnehmers erforderlich. Nur ausnahmsweise, bei Vorliegen dringlicher betrieblicher Umstände, kann eine Verlegung des Arbeitsortes auch ohne Zustimmung des Arbeitnehmers erlaubt sein. Voraussetzung ist allerdings, dass die Verlegung zeitlich beschränkt und für den Arbeitnehmenden zumutbar ist.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Arbeitsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen grundsätzlich jederzeit abändern. Ist der Arbeitnehmer jedoch mit der Vertragsänderung nicht einverstanden, muss der Arbeitgeber eine sogenannte Änderungskündigung aussprechen. Das heisst, der bestehende Arbeitsvertrag wird ordentlich unter Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst. Zugleich wird aber dem Arbeitnehmer mit der Kündigung ein neuer Arbeitsvertrag mit geänderten Bedingungen angeboten.

Dem Arbeitnehmer steht es sodann frei, den neuen Vertrag anzunehmen oder nicht. Ist der Arbeitnehmer mit dem neuen Arbeitsvertrag nicht einverstanden, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung. Das Arbeitsverhältnis wird sodann nach Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst. Der Arbeitnehmer verliert seine Stelle. Erklärt sich der Arbeitnehmer mit der Änderungskündigung einverstanden, ändert sich der Arbeitsvertrag entsprechend.

Je nach den konkreten Umständen sowie den vertraglichen Vereinbarungen zwischen dir und deinem Arbeitgeber, lieber Didier, musst du eine Versetzung an einen neuen Arbeitsort also hinnehmen. Im Falle einer Änderungskündigung kannst du den neuen Vertrag ablehnen und nach Ablauf der Kündigungsfrist das Unternehmen verlassen. Das Arbeitsverhältnis endet sodann mit Ablauf der Kündigungsfrist.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(phd/sto)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mia am 11.11.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlich ist das nicht

    Ich fahre seit nun einem Jahr 2.05h einmal mit dem Zug hin und einmal 2.5h zurück. Ja es raubt mir viel Freizeit aber beim RAV sein ist noch gestrafter. Zum Glück lassen es meine Umstände zu und ich kann im neuen Jahr da hin ziehen. Lange Rede kurzer Sinn: Sei froh, dass du in heutigen Zeit noch einen Job hast.

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  • Herr Max Bünzlig am 11.11.2017 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    laut Gesetz, muss man vermutlich schon 1.5 h pro Weg in Kauf nehmen

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  • Te Rasse am 11.11.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit wird kommen

    Da freuen wir uns über Arbeit und Stelle und ärgern uns nicht über den Arbeitsweg!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Benno am 15.11.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Arbeit

    Ein weiterer Hinweis darauf, dass mit unserer Gesellschaft etwas falsch läuft. Bei meinem Arbeitsvertrag mit 8.4 Stunden arbeiten und 1.5 Stunden Mittagspause, würden bei einem "zumutbaren" Arbeitsweg von 4 Stunden und 8 Stunden Schlaf noch ca. 2 Stunden Zeit verbleiben für Aufstehen, Frühstück, Abendessen und "Freizeit". Das 5 Tage die Woche. Und dann soll man noch froh sein, einen Job zu haben. Wer das freiwillig mitmacht soll das tun, man sollte jedoch nicht (faktisch) von RAV oder Arbeitgeber zu so etwas gezwungen werden dürfen.

  • Arbeit am 15.11.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele haben keine

    Man sollte froh sein über einen Job und nicht jammern über den Arbeitsweg!

  • Peter am 13.11.2017 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das mit der Zeit ...

    ... ist immer relativ. Ich hatte auch lange einen Arbeitsweg von durchschnittlich einer Stunde - dabei waren es nur 30 km und davon wiederum 27 auf der Autobahn. An einem anderen Ort eine Sache von 30 Minuten, aber nicht, wenn wann immer quer durch Basel muss ...

  • Bärlinchen am 13.11.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nehme sofort deine Stelle

    Kündige doch, ich übernehme dann gerne deinen Arbeitsplatz. Leider kann ich es mir Ü50 nicht leisten, ein Jobangebot auszuschlagen, selbst wenn der Arbeitsweg dann 2 Stunden pro Weg dauert! Luxusprobleme habt Ihr Jungen, die hätte ich auch gerne.

    • andi am 13.11.2017 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bärlinchen

      damit, dass du dir die "jungen mit den luxusproblemen" zum feindbild machst, anstatt die neoliberale wirtschaftspolitik, unterstützst du die strukturen, die dich erst in deine lage gebracht haben

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  • Sepp am 13.11.2017 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Umständliche antwort!

    Er kann mitgehen oder künden. Er hat anrecht auf die korrekte kündigungsfrist, mehr nicht.

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