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Lieber Phil Geld

30. September 2016 17:36; Akt: 30.09.2016 17:36 Print

Gilt bei Mehrarbeit Entschädigungspflicht?

Sonia (39) arbeitet regelmässig mehr als 45 Stunden pro Woche. Gelten diese Stunden als Überstunden oder Überzeit? Wie sind sie zu vergüten?

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Die Entschädigung von Überstunden kann vertraglich wegbedungen werden. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite regelmässig mehr als 45 Stunden die Woche. Laut meinem Arbeitsvertrag müsste ich aber nur 40 Stunden arbeiten. Für diese zu viel geleisteten Arbeitsstunden erhalte ich von meinem Arbeitgeber kein Geld. Daher meine Frage: Müsste mir mein Arbeitgeber diese Stunden, die ich mehr leiste, nicht vergüten? Gelten diese Stunden als Überstunden oder Überzeit?

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Werden Ihnen Überstunden finanziell entschädigt?
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Insgesamt 808 Teilnehmer

Liebe Sonia

Ob ein Anspruch aus Überstunden oder Überzeit besteht, hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab; unter anderem von deinem Arbeitsvertrag. Denn grundsätzlich gilt, was in deinem Arbeitsvertrag vereinbart wurde.

Vorweg ist es wichtig, zu unterscheiden zwischen «Überstunden» gemäss Obligationenrecht (OR) und «Überzeit» gemäss Arbeitsgesetz (ArG).

Von Überstunden spricht man, wenn länger gearbeitet wird, als vertraglich verabredet oder üblich ist oder durch Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag festgelegt wurde (vgl. Art. 321c OR). Beträgt dein vertragliches Pensum 40 Stunden pro Woche und arbeitest du beispielsweise 43 Stunden, so hast du drei Überstunden geleistet. Überstunden sind im Verhältnis zur Normalarbeitszeit Mehrarbeit.

Übersteigt allerdings die Überstundenzahl die arbeitsgesetzliche Höchstarbeitszeit, spricht man von Überzeit. Gemäss Art. 9 ArG beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit je nach Branche 45 respektive 50 Stunden. Die 45 Stunden gelten grundsätzlich in der Industrie, in Bürobetrieben und in grossen Verkaufsgeschäften. Die 50 Stunden gelten in den übrigen Betrieben, namentlich in Gewerbebetrieben sowie in den Gesundheitsbranchen, insofern diese dem ArG unterstellt sind.

Die Unterscheidung von Überstunden und Überzeit ist auch bei der Frage der Entschädigungspflicht von Bedeutung. Gemäss Art. 321c OR sind Überstunden grundsätzlich mit einem Zuschlag von mindestens 25 Prozent zum Grundlohn zu entschädigen. Mit einer schriftlichen Vereinbarung kann sowohl auf die Überstundenentschädigung als auch auf den Überstundenzuschlag verzichtet werden. Nicht möglich ist dies aber bei der Überzeit gemäss ArG. Denn gemäss Art. 13 ArG hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für Überzeitarbeit zwingend einen Lohnzuschlag von wenigstens 25 Prozent zu entrichten. Aber aufgepasst: Eine gesetzliche Entschädigungspflicht besteht für Büropersonal sowie technische und andere Angestellte nur, wenn die Überzeitarbeit mehr als 60 Stunden im Jahr ausmacht.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Narnia am 30.09.2016 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überstunden

    Was noch sehr wichtig ist, sind die Mehrstunden angeordnet worden oder "freiwillig". Auf jeden Fall sollte man das mit dem Vorgesetzten besprechen& schriftlich vereinbaren. Ansonsten ist der Beweisstand sehr schwierig, unter dem Motto, sie musste nicht, es bestand keine Notwendigkeit usw.

  • Marc am 01.10.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrollen der Behörden nötig

    Unser Arbeitgeber gibt mir die Überstunden nicht welche über 20 Stunden sind, weil wir selbst plan ist man hier selbst verantwortlich, nur Interessant wen der Team Chef keinen Freien Tag gewährt im gleichen Monat, gehen die schönen Stunden einfach verloren. Und da die Pflicht Zeit so geregelt ist das man zwischen 08:00 - 17:00Uhr verfügbar sein muss ist nicht mal eine Kompensation möglich. Die Arbeitgeber werden viel zu wenig Kontrolliert.

  • Stundenlohn am 30.09.2016 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Kann mir nicht passieren, arbeite nur noch im Stundenlohn.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kristijan am 01.10.2016 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch

    Wenn es dich tröstet, ich arbeite schon 19 Tage am stück und das nur Nachtschicht ohne einen Tag frei und weiss eigentlich nicht einmal ob das legal ist.

    • Zekjiri Fadilj am 01.10.2016 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kristijan

      in der schweiz ist es legal solange die firmen sagen es ist sonder einsatz dass ist das problem dass wir keine gewerkschaften haben

    einklappen einklappen
  • Diegito am 01.10.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklaven

    Bei uns im Vertrag stehen 40 Stunden, Überzeit wird aber nicht ausbezahlt, dafür wird ein höherer Lohn angeboten. Vor 8 Jahren war dieser klitzekleine Lohn ganz nett, dafür gabs aber keine Erhöhung mehr.

  • Marc am 01.10.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrollen der Behörden nötig

    Unser Arbeitgeber gibt mir die Überstunden nicht welche über 20 Stunden sind, weil wir selbst plan ist man hier selbst verantwortlich, nur Interessant wen der Team Chef keinen Freien Tag gewährt im gleichen Monat, gehen die schönen Stunden einfach verloren. Und da die Pflicht Zeit so geregelt ist das man zwischen 08:00 - 17:00Uhr verfügbar sein muss ist nicht mal eine Kompensation möglich. Die Arbeitgeber werden viel zu wenig Kontrolliert.

  • Chris Sydakat List am 01.10.2016 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kopf runter und arbeiten!

    Fordern Sie ja keine Vergütungen für die Überstunden, sonst werden Sie auf kurz oder lang von einem Roboter abgelöst - die Schweizer Post macht es vor!

  • Lulu am 01.10.2016 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mehrarbeit

    100% angestellt und 80% arbeiten sind denn die 20% Mehrarbeit ?

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