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Lieber Phil Geld

15. Januar 2013 12:00; Akt: 15.01.2013 12:09 Print

Muss meine Kündigung begründet werden?

Philipp (28) wurde gekündigt. Der Chef wollte aber keinen konkreten Grund für den Rauswurf nennen. Ist die Kündigung rechtsgültig?

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Philipps Kündigung muss begründet werden. (Bild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Meine Firma hat mir gekündigt. Für mich ist das extrem frustrierend, denn ich dachte, meine Arbeit hier würde geschätzt. Obwohl ich meinen Chef mehrmals danach gefragt habe, weigert er sich beharrlich, eine Begründung zu nennen. Steht mir keine anständige Erklärung zu?

Lieber Philipp

In der Schweiz herrscht im Bereich des Arbeitsvertragsrechts die sogenannte Kündigungsfreiheit. Sie ist im Obligationenrecht festgelegt (vgl. OR Art. 335 ff). Demnach ist eine Kündigung innerhalb der vertraglich und gesetzlich vorgegebenen Kündigungsfrist grundsätzlich immer möglich – und das auch ohne gleich einen konkreten Grund nennen zu müssen. Dein Arbeitgeber war auch nicht dazu verpflichtet, dich vorzuwarnen, denn es gibt keine Anhörungspflicht.

Dass dir dein Chef die Auskunft verweigert, ist hingegen nicht rechtens. Denn das oben genannte Gesetz sieht auch vor, dass der Kündigende die Kündigung schriftlich begründen muss, sofern die andere Partei (also du) das verlangt. Umgekehrt müsste auch ein Arbeitnehmer seine Kündigung begründen, sofern das Unternehmen danach fragt.

Mit Hinweis auf das Obligationenrecht kannst du also deinen Chef noch einmal auffordern, dir einen Grund für die Kündigung zu nennen. Erhoffe dir aber nicht zu viel: Denn Arbeitgeber können beispielsweise ganz einfach «wirtschaftliche Gründe» als Ursache vorschieben. Und: Die Kündigung bleibt auch dann gültig, wenn der genannte Grund nicht zutrifft oder wenn du hinter der Kündigung diskriminierende Umstände vermutest. In solchen Fällen könnte aber eine missbräuchliche Kündigung vorliegen (vgl. OR Art. 336). In diesem Fall wärst du zu einem Schadenersatz berechtigt. Dieser beträgt bis zu sechs Monatslöhne. Allerdings müsstest du die Missbräuchlichkeit beweisen, was in der Praxis schwierig ist.

Um eine Entschädigung verlangen zu können, musst du unbedingt bis zum Ende der Kündigungsfrist beim Arbeitgeber schriftlich Einsprache gegen die Kündigung erheben und bis spätestens 180 Tage nach dem Ende des Arbeitsverhältnises beim Arbeitsgericht Klage einreichen.


Freundlich grüsst

Phil Geld

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Passiert am 15.01.2013 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mira

    Mir wurde letztes Jahr mit dem tollen Grund "Personelle Umstrukturierungen" gekündigt. Toller Grund, nicht? Aber ich habe schnell eine viel bessere Stelle gefunden mit der ich viel glücklicher bin :) Nur Mut und Kopf hoch.

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  • DaniAchermann am 15.01.2013 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    So hart es ist....

    mir ist es ähnlich ergangen, mein Chef wollte mich auch loswerden und hat mir gekündigt aus Wirdschaftlichen gründen. Eine Monat vor der Kündigung hat er bei mir noch gross erzählt wie unglaublich gut das Geschäft läuft und was wir für einen Bomben Umsatz wir gemacht haben... HA HA HA.... Habe schnell wider was gefunden und das ist eine 100 mal bessere Arbeitsstelle. Kopf hoch es kommt was besseres..

  • Dr. Andreas Arni am 15.01.2013 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich frech !!!

    Leider ist das immer öfter so in der Schweiz. Lange arbeiten und auf einmal ist aus. Bumm! Und man steht da und kann zusehen wie man seine Familie ernährt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Winnie, Basel am 15.01.2013 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ausranchieren von älteren Mitarbeitern

    Da es in der Schweiz praktisch keinen Kündigungsschutz gibt, sind die Arbeitnehmer der Willkür der Unternehmen ausgeliefert. Diese Situation wird gerne ausgenutzt, um ältere Mitarbeiter loszuwerden. Diese haben dann kaum noch eine Chance, eine neue Stelle zu finden und werden nach Ablauf des Leistungsanspruches bei der RAV ausgesteuert. Soziale Verantwortung ist offenbar für viele Unternehmen nur eine leere Worthülse.

    • Nala71 am 16.01.2013 06:50 Report Diesen Beitrag melden

      Mit 28?

      Mit 28 ist Philipp sicher noch nicht ein älterer Mitarbeiter und damit ausrangiert worden. Dass es Firmen gibt, die sowas machen, kenn ich leider auch. Würde da jetzt aber nicht auf die Firma des Fragers schliessen.

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  • Julius Läppler am 15.01.2013 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Das Positive sehen..

    Eine Kündigung ohne Nennung von Gründen hat den netten Nebeneffekt, dass ein affälliges Konkurenzverbot vom Tisch ist!

  • röbi am 15.01.2013 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    10 Jahre später versteht man's dann

    Es ist nicht selten so, dass nach dem grossen Frust und manchmal, ein bisschen wie bei Eile mit Weile auf dem RAF "Bänkli" sitzen müssen, dann ein Job gefunden wird der der einem viel mehr Spass macht und einem wirklich im Leben weiter birngt. Man denkt dann manchmal später daran zurück und sagt sich "wäre mir das damals nicht passiert, wäre ich heute nicht da wo ich bin und könnte nicht was ich heute kann".

  • bruno tschanz am 15.01.2013 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    kündigung

    ist mir auch so ergangen,vier monate vor der pensionierung,entweder fristlos oder unbezahlter urlaub!die genauen gründe habe ich nie erfahren

    • Geronimo am 15.01.2013 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Naja...

      falls sie nicht irgendeinen groben Unfug gemacht haben ist so eine Kündigung nicht rechtens. Da braucht es nicht viel Aufwand um die vier Monate ausbezahlt zu bekommen.

    • kim kim am 15.01.2013 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      das ist unmöglich...

      bei fristloser Kündigung MUSS ein Grund angegeben werden.

    • Marcus Severus am 15.01.2013 16:06 Report Diesen Beitrag melden

      4 Monate vor Pensionierung

      Wenn es 4 Jahre vor der Pensionierung gewesen wäre dann würde ich mich aufregen, 4 Monate vorher würde ich mich aber über die Frühpensionierung freuen und die restliche Zeit einen Teil vom Arbeitslosengeld beziehen dass du dein Leben lang einbezahlt hast ;-)

    • Arbeiter am 15.01.2013 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      Fristlos?

      für einen Fristlosen muss also schon einiges Vorgefallen sein, ansonsten rechtlich nicht durchsetzbar. Freistellung hingegen ist etwas anderes, da der Lohn weiterbezahlt wird bis zum Ende der Kündigungsfrist.

    • hans muster am 15.01.2013 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      so traurig es ist..

      4 monate vor pensionierung? da würd ich noch gemütlich 4 moante stempeln und lachen...

    • Mr. Justizia am 15.01.2013 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      @bruno tschanz

      Eine fristlose Kündigung ist nur aus wichtigem Grund zulässig, entweder haben sie was verpasst in den knapp 50 Jahren Arbeitszeit, oder sie haben wirklich was verbockt!

    • Papa Schlumpf am 15.01.2013 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      @bruno

      Fristlos ist nicht das gleiche! Da gelten nochmals strengere Regeln. Und gerade fristlos muss zwingend begründet werden, da ein grobes Vergehen vorliegt.

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  • Hans Wurst am 15.01.2013 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Grösste Vorsicht geboten

    Mir ist das gleiche passiert, nur kam bei mir dann noch dazu, dass die Firma auf der Arbeitgeber Bescheinigung als Kündigungsgrund "Manglende Motivation" aufgeführt hat. Sowas sofort anfechten, sonst kann die Arbeitslosenkasse die bis zu 60 Sperrtage geben, d.h. 3 monate keine Geld.

    • Nala71 am 16.01.2013 06:53 Report Diesen Beitrag melden

      da würd ich mich fragen, was ich machte..

      Na und wenn der Arbeitgeber recht hatte und sie wirklich mangelnde Motivation hatten? Vielleicht auch mal vor der eigenen Türe kehren. Klar kann das als Grund angeführt werden, weil der AN "unangenehm" wurde. Normal ist so eine Begründung aber wohl nicht

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