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Lieber Phil Geld

14. Januar 2017 09:22; Akt: 14.01.2017 09:22 Print

Kann mir mein Chef einen Nebenjob verbieten?

Laura (34) möchte neben ihrer aktuellen Teilzeitstelle einen zweiten Job annehmen. Darf sie zwei Arbeitsverhältnisse eingehen?

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Arbeitnehmer mit mehreren Jobs dürfen die gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschreiten. (Bild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite 60 Prozent und würde gerne etwas mehr arbeiten. Leider kann mir mein Chef keine Vollzeitstelle anbieten. Deshalb frage ich mich, ob ich eine zweite Stelle als Nebenjob annehmen darf. Kann mir mein Chef verbieten, woanders zu arbeiten? Was muss ich beachten?

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Insgesamt 1589 Teilnehmer

Liebe Laura

Wenn es keine anderslautenden kollektiven oder einzelvertraglichen Regelungen gibt, ist es einem Arbeitnehmer durchaus erlaubt, ausserhalb der Arbeitszeit weiteren Arbeiten nachzugehen. Denn der Arbeitnehmer hat sich seinem Arbeitgeber gegenüber grundsätzlich lediglich für die Dauer der vereinbarten Arbeitszeit zu Dienstleistungen verpflichtet. Folglich ist es dir durchaus erlaubt, einen zweiten Job als Nebenerwerbstätigkeit aufzunehmen. Eine Nebenerwerbstätigkeit kann allerdings unter Umständen verboten sein, wenn sie gegen die sogenannte Treuepflicht (Art. 321a OR) verstösst.

Dem Arbeitnehmer ist es grundsätzlich verboten, Nebenbeschäftigungen nachzugehen, die den Arbeitgeber konkurrieren oder die sonstwie gegen seine berechtigten Interessen verstossen. Weiter darf die Nebenbeschäftigung nicht einen solchen Umfang annehmen, dass der Arbeitnehmer dadurch in seiner eigenen Leistungsfähigkeit derart herabgesetzt wird, dass er ausserstande ist, seine Arbeitspflicht gegenüber seinem Hauptarbeitgeber voll zu erfüllen. Auch darf der Arbeitnehmer das Ansehen seines Arbeitgebers durch seine Nebenbeschäftigung nicht schädigen.

Neben der Einschränkung bezüglich der Wahl der Nebenbeschäftigung sind unter anderem die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen wöchentlichen Höchstarbeitszeiten einzuhalten. Bei industriellen Betrieben sowie für Büropersonal und andere Angestellte, mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben des Detailhandels, beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit 45 Stunden. Für alle übrigen Arbeitnehmer beträgt sie 50 Stunden (Art. 9 ArG).

Die Arbeitszeit beider Jobs zusammen darf demnach diese vorgeschriebene Höchstarbeitszeit nicht überschreiten. Zudem muss eine tägliche Ruhezeit von mindestens elf aufeinander folgenden Stunden eingehalten werden (15a ArG).

Konkurrierst du mit deiner Nebenerwerbstätigkeit nicht deinen Arbeitgeber und übst du sie in einem solchem Umfang aus, dass deine Leistung am Arbeitsplatz nicht darunter leidet, so kann dir dein Hauptarbeitgeber die Ausübung einer Nebenerwerbstätigkeit grundsätzlich nicht verbieten.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meyer am 14.01.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz muss dringend geändert werden

    Da wird ein generelles Problem angesprochen. Hier muss der Gesetzgeber endlich etwas unternehmen. Es kann doch nicht angehen, dass man sich für einen Teilzeitjob bewerben kann, aber 100% flexibel sein muss. Es würde sinnvoll sein, dass Teilzeitjobs so gelegt werden müssen, dass die restliche Zeit ebenfalls gearbeitet werden darf/kann um sich das Leben finanzieren zu können!

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  • Reto am 14.01.2017 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort nicht ganz korrekt

    1. Bei einem Teilzeitjob kann auch kein Kollektivvertrag oder irgend etwas anderes die Annahme eines zweiten Jobs verbieten. 2. Bei einem Vollzeitjob kann hingegen immer davon ausgegangen werden, dass der Arbeitgeber jegliche andere Tätigkeit ohne Einverständnis ablehnt. Der Grund ist einfach. Bereits das geringste Überschreiten der 100% Arbeitszeit kann als Nachteil ausgelegt werden auf die Leistungsfähigkeit im Arbeitsverhältnis des ersten 100% Arbeitgebers.

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  • Frank am 14.01.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Juristendeutsch

    Hmm, sonst hat Phil Geld jeweils etwas verständlicher geschrieben. Die Aussage "Konkurrierst du mit deiner Nebenerwerbstätigkeit nicht deinen Arbeitgeber..." bedeutet nämlich je nach Auslegung durchaus "wenn Du im Restaurant X arbeitest, darfst Du nicht abends noch in der Bar Y arbeiten".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel K. am 18.01.2017 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weniger ist mehr

    Der letzte Abschnitt reicht wiedermal vollkommen aus.

  • RheintalerBote am 18.01.2017 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    PunktBasta

    Gesetze sind da um gebrochen zu werden.

  • Trübeli am 18.01.2017 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin eine

    sogenannte Springerin, heisst, überall wo Not an der Frau ist, springe ich - Teilzeit arbeitend - ein. Finanziell natürlich sehr lukrativ, aber auch anstrengend. Zwischendurch arbeitete ich an 3 Orten gleichzeitig. Das geht aber nur, wenn der eigene Chef mit macht und der Partner dahinter steht und hilft, sei es im Haushalt, Einkauf, mich von A nach B fährt u.v.m. Mein Chef weiss davon und ist einverstanden.

    • Bartli am 18.01.2017 06:36 Report Diesen Beitrag melden

      So vielleicht

      Die Zeiten haben sich verändert. Viele Menschen müssen sehen wie sie mit den jeweiligen Löhnen noch durchkommen. Also müssen die Gesetze auch für Angestellte dementsprechend Spielraum einräumen. Wer einen guten Lohn und eine 100% Arbeitstelle hat, dem kann der Arbeitgeber einen Nebenarbeit durchaus verbieten. Für allen anderen aber muss mehr Spielraum her. Jedoch darf eine Zweitanstellung nicht zur totalen Übermüdung führen, weil sonst eventuell Umfallgefahr droht oder es zu unkonzentriertem Arbeiten führt.

    • Trübeli am 18.01.2017 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bartli

      Natürlich darf resp sollte die "richtige" Arbeit(stelle) nie darunter leiden, wenn man noch einen Nebenjob hat. Das ist auch bei mir so, die reguläre Arbeit(stelle) hat immer oberste Priorität. Und mein Chef kann und soll dies auch erwarten.

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  • Igel am 18.01.2017 04:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Habe mich nie darum gekümmert. War jedoch immer pünktlich am jeweiligen Arbeitsplatz und habe meine Arbeit zu vollster Zufriedenheit entrichtet. Nach acht Std. zum nächsten Betrieb noch mal fünf Std. vor x Jahren.

  • Reinsch Heist am 17.01.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Gesellschaft

    An der Überschrift sieht man schon das wir nicht mehr Herr unserer selbst sind. Dann soll der Chef seine Mitarbeiter so gut bezahlen das man auf keinen Nebenjob angewiesen ist. Wenn er es nicht kann, kann er keine Leute einstellen. Das ist aber das Problem, wir haben verlernt zu Teilen. Ellenbogengesellschaft. Jeder ist sich selbst der nächste, im kleinem wie im grossen. Arme Gesellschaft.

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