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Lieber Phil Geld

15. Juli 2017 09:58; Akt: 15.07.2017 09:58 Print

Befristeter Arbeitsvertrag – kann ich früher gehen?

Marc (29) befindet sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Kann er frühzeitig aussteigen?

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Grundsätzlich ist es nicht möglich, frühzeitig aus einem befristeten Vertrag auszusteigen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite seit zwei Jahren in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Das Arbeitsverhältnis soll so lange dauern, bis das Projekt, an dem ich arbeite, abgeschlossen ist. Voraussichtlich wird das noch einige Jahre dauern. Ich weiss, dass befristete Arbeitsverhältnisse nicht kündbar sind. Dennoch würde ich nun aber gern kündigen, weil ich ein besseres Angebot erhalten habe. Habe ich wirklich keine Möglichkeiten, um aus dem Arbeitsvertrag rauszukommen?

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Wollten Sie schon einmal einen befristeten Arbeitsvertrag kündigen?
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Insgesamt 158 Teilnehmer


Lieber Marc

Ein befristetes Arbeitsverhältnis im Sinn von Art. 334 OR liegt vor, wenn es nach dem Gesetz oder nach dem Willen der Vertragsparteien für eine bestimmte Zeit eingegangen wurde. Das heisst, wenn das Arbeitsverhältnis während einer bestimmten Frist oder bis zu einem bestimmten Termin dauern soll, ohne dass eine Kündigung erforderlich ist. Oft ist der Fristenlauf den Parteien im Voraus bekannt. Das Ende des Arbeitsvertrages kann aber auch – so wie in deinem Fall – von einem künftigen Ereignis abhängig gemacht werden, von dem der Zeitpunkt des Eintritts ungewiss ist.

Das befristete Arbeitsverhältnis endet folglich im Normalfall automatisch durch Zeitablauf und ohne Kündigung. Wurde allerdings eine Probezeit vereinbart, kann das Arbeitsverhältnis während der Probezeit ordentlich mit einer Frist von sieben Tagen gekündigt werden (Art. 335b OR analog). Ebenfalls ordentlich gekündigt werden kann ein befristetes Arbeitsverhältnis nach zehnjähriger Vertragsdauer. Nach Ablauf von zehn Jahren besteht für beide Parteien von Gesetzes wegen das Recht, das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten auf das Ende eines Monats zu kündigen (Art. 334 Abs. 3 OR). Nur ausnahmsweise kann ein befristetes Arbeitsverhältnis ausserordentlich gekündigt werden. Und zwar dann, wenn ein wichtiger Grund im Sinn von Art. 337 OR vorliegt. Ein wichtiger Grund, der zur ausserordentlichen Kündigung berechtigt, liegt allerdings nur bei einem schwerwiegenden Vertragsbruch (Betrug, Tätlichkeiten) durch eine Vertragspartei vor. Ansonsten ist eine vorzeitige Vertragsauflösung nur noch in gegenseitigem Einvernehmen möglich.

Zusammenfassend ist es dir ohne ausdrückliche Vereinbarung einer vorzeitigen Kündigungsmöglichkeit grundsätzlich tatsächlich nicht möglich, frühzeitig aus dem befristeten Arbeitsverhältnis auszusteigen. Es sei denn, es liegt ein wichtiger Grund im Sinn von Art. 337 ff. OR vor, der dich zur ausserordentlichen Kündigung berechtigt.

Ich rate dir daher, das Gespräch mit deinem Vorgesetzten zu suchen, um mit ihm über eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsvertrages zu verhandeln. Verlässt du die Stelle vorzeitig und gegen seinen Willen, kann er von dir ein Viertel eines Monatslohns als Entschädigung verlangen. Ausserdem hat er Anspruch auf weiteren Schadenersatz, sofern er den Schaden beweisen kann.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(phd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hellvetia am 15.07.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der letzte..

    Absatz hätte als Antwort gereicht..

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  • Reto am 15.07.2017 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auflösung im gegenseitigem Einverständnis

    Der AN sollte mit dem AG über eine Auflösung des Vertrages im gegenseitigen Einverständnis verhandeln. Ein vernünftiger AG lässt den AN auch gehen, denn für den AG, gerade bei Projektarbeiten, wäre es wohl nichts Schlimmeres, als wenn dann ein unmotivierter AN lustlos und halbherzig die Projektarbeit fortführt.

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  • Francesco am 15.07.2017 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man nur?

    Einen befristeten Arbeitsvertrag ohne Kündigungsmöglichkeit unterschreiben?? Ich hatte im 1. Jahr einen Monat und in den folgenden Jahren 3 Monate Kündigungsfrist bei einem befristeten Vertrag verlangt. Klappt besser, wenn man solche Sachen im Voraus und nicht im Nachhinein bespricht....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Private_Nade am 16.07.2017 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzgeber?

    Gehe einfach 3 Tage nicht auf Arbeit und du fliegst. Warum so kompliziert? Ein befristeter Arbeitsvertrag ist auch nur ein Arbeitsvertrag. Wer Mist macht, fliegt. So einfach ist das.

  • Wm Oz am 16.07.2017 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die unzufriedenen hier

    Schon mal daran gedacht das die lange Antwort mit der kompletten Gesetzgebung evtl. auch Sinn hat? Wie viele Leute/Chefs gibt es die sofort sagen; "Wo steht das?". Es soll auch für andere sein, damit sie wissen auf welcher gesetzlichen Grundlage die Antwort/Behauptung basiert, um damit argumentieren zu können...

  • Blond am 15.07.2017 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so kompliziert?

    Kann mir Jemand sagen ob dieser Phil Geld ein Politiker ist? 95% von dem was er als Antwort geschrieben hat ist überflüssig, genau wie bei den Politiker die reden und reden für nichts. Zwei Sätze hätten gereicht

    • anerom am 16.07.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Blond

      Aber anscheinend haben Sie doch alles gelesen, dann kann es ja nicht so schlimm sein ;-) Braun grüsst blond

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  • Sepp Trub am 15.07.2017 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bloede Frage

    So eine bloede Frage....mal vielleicht den Vertrag lesen, auch die Kleinschrift.....doch steht es dann drinnen, was Du darfst oder nicht.

    • Narnia am 16.07.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp Trub

      Noch blöder ist deine Antwort! Schon mal einen Arbeitsvertrag mit Kleingedrucktem gesehen? Zudem muss ein Vertrag nicht zwingend alle gesetzlichen Punkte in einem Personalhandbuch auflisten, das OR ArG wird als Gesetzesgrundlage definiert & somit kann alles entsprechend nachgelesen werden. Immer diese angreifende Klug....erei, bei einer berechtigten Nachfrage wie hier!

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  • die Mutter am 15.07.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Um den Brei

    Da fragt man etwas und es wird so um den Brei geredet...es wird zuerst alles was NICHT die Frage war gesagt erst am Ende kommt die Antwort weit ausgeholt...Mühsam wirklich...

    • Garfield am 15.07.2017 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @die Mutter

      Man müsste halt auch über den (Brei)teller hinausschauen können...

    • Amina123 am 16.07.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @die Mutter

      verstehe deinen unmut nicht... finds in ordnung,dass in der antwort alles drinne steht.kann eventuell jemand anderem auch von nutzen sein;) es werden alle gründe angesprochen,insofern voll ok die antwort von phil geld

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