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Lieber Phil Geld

25. März 2017 09:13; Akt: 27.03.2017 12:31 Print

Kann der Vermieter ohne Begründung kündigen?

Werners (34) Vermieter hat das Mietverhältnis ohne Angabe von Gründen gekündigt. Kann Werner sich dagegen wehren?

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Auch wer eine Erstreckung des Mietverhältnisses beantragt, sollte umgehend nach einer neuen Wohnung suchen. (Bild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Mir wurde grundlos gekündigt. Und dies, obwohl ich seit Jahren pünktlich meine Miete überweise. Welche Möglichkeiten beziehungsweise Rechte habe ich als Mieter, wenn die Verwaltung das Mietverhältnis ohne Nennung von Gründen kündigt und ich dadurch in eine Notsituation gerate? Kann ich eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangen?

Umfrage
Hat Ihnen der Vermieter schon einmal das Mietverhältnis gekündigt?
10 %
7 %
83 %
Insgesamt 1282 Teilnehmer

Lieber Werner

Aufgrund der im schweizerischen Mietrecht geltenden Kündigungsfreiheit ist eine Kündigung durch den Vermieter grundsätzlich ohne Angabe von Gründen zulässig. Mieter haben zwar das Recht, eine Begründung zu verlangen (Art. 271 Abs. 2 OR). Die Kündigung bleibt aber dennoch gültig. Dies auch dann, wenn die verlangte Begründung unterbleibt. Da eine Kündigung für Mieterinnen und Mieter aber eine gewisse Härte bedeuten kann, sieht das Mietrecht verschiedene Schutzbestimmungen vor.

So muss die Kündigung schriftlich und auf einem vom Kanton genehmigten Formular erfolgen. Auf diesem ist festgehalten, wie der Mieter vorzugehen hat, wenn er die Kündigung anfechten oder eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangen will. Erfolgt die Kündigung nicht mit diesem amtlichen Formular, ist sie nichtig, und das Mietverhältnis gilt als nicht gekündigt.

Weiter ist eine Kündigung nur unter Einhaltung der Kündigungsfrist und Kündigungstermine möglich. Hält der Vermieter diese Frist oder den Termin nicht ein, ist die Kündigung jedoch nicht ungültig, sondern wird auf den nächstmöglichen Kündigungstermin wirksam. Die Kündigungsfrist muss für Wohnräume mindestens drei, für Geschäftslokalitäten sechs Monate betragen. Vertraglich können allerdings längere, nicht aber kürzere Fristen vereinbart werden.

Gemäss Art. 272 OR kann der Mieter innert 30 Tagen nach Erhalt der Kündigung bei der zuständigen Schlichtungsbehörde des Wohnorts die Erstreckung des Mietverhältnisses verlangen. Dies aber nur, wenn die Beendigung des Mietverhältnisses für ihn oder seine Familie eine Härte zur Folge hat, die durch die Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist. Bei der Interessenabwägung berücksichtigt die zuständige Behörde insbesondere persönliche, familiäre und wirtschaftliche Verhältnisse der Parteien sowie die Verhältnisse auf dem lokalen Markt für Wohn- und Geschäftsräume.

Ich rate dir, auch wenn du die Kündigung anfichtst und eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangst, unverzüglich mit der Wohnungssuche zu beginnen. Die Schlichtungsbehörde wird bei der Prüfung der Erstreckung des Mietverhältnisses darauf schauen, ob du dich um eine neue Wohnung bemüht hast. Auch rate ich dir, sämtliche Beweise, wie beispielsweise ein Arztzeugnis oder einen Lohnausweis, aufzubewahren. Wer als Mieter eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangt, sollte seine Härtegründe belegen können.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • crissi am 25.03.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    messimieter

    Tja und bei einem Messimieter, der zudem noch inhaftiert ist....!!! Haus verkotet......da darf ich als Vermieter nicht einmal rein, um die Verschmutzung zu beheben. Mit Anwalt und Polizei am Verhandeln, aber das Gesetz schützt ja sogar so einen Härtefall.....und viel Zeit verstreicht.....

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  • simi am 25.03.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grund

    es gibt immer einen grund, wir kennen die ganze geschichte nicht

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  • Anne am 25.03.2017 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Wenn der Mieter einfach so kündigen darf, sollte das der Vermieter auch dürfen das ist klar. Aber im allgemeinen finde ich 3 Monate viel zu kurz in der heutigen Zeit. 6 Monate wären Ideal da es wirklich schwierig ist eine neue Wohnung zu finden mit kleinem Budget und ohne Vitamin B.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Moritz Mosmandli am 26.03.2017 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst

    Die Vermieter und Verwaltungen kündigen nicht so schnell,die sind froh wenn alle Wohnungen belegt sind,oder sogar über Vermietet ,das die andern NK zahlen müssen,so läuft das ab,bei uns wohnen in einer 4 Zi-Wohnung 5 Erwachsene 1 Kind,am Morgen kommen bis am Abend nochmals 2 Erwachsene und 1 Kind,Waschmaschine läuft den ganzen Tag,Reklamieren auf der Verwaltung ,nützt nichts

  • Ivan am 25.03.2017 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Schweiz

    Die Schweiz ein Land mit 80% Bevölkerung die zu Miete wohnt und nicht begreift das ihnen absolut nichts gehört und noch immer nehmen sie es als selbstverständlich hin.Den Nomaden gehören wenigstens die Zelter und die Ziegen.

    • peter am 26.03.2017 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ivan

      a8ch wenn du eingenheim hast gehört es nie dir. Es wird immer der Bank gehören. Was nun besser ist.

    • Immerhin am 26.03.2017 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      auf Wikipedia steht: Landesmotto

      Einer für alle, alle für einen. Und in den Ratings gehören wir zum reichsten Land der Welt. Schön, nicht. Vielleicht sollte man Wikipedia mal mitteilen, dass bei "allen" die Vermieter und die Reichen nicht dabei sind.

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  • Mieter am 25.03.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht vs Richtig

    und wenn ein Vermieter lügt u d behauptet der Eigenbedarf sei begründet nützt alles nichts. 2Wochen nachher war die Wohnung wieder öffentlich zur Miete ausgeschrieben. Schreibt ins Gesetz was ihr wollt, das Geld bekommt Recht.

    • I G O am 26.03.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      Immobilen Geier Opfer

      Genau so ist es, leider, die begreifen nicht das eine Kündigung viele Leben im spiel sind, man verliert die Liebe, zuverlässige und vertrauensvoller Nachbarn, man verliert eine ganze Mikrokosmos das im Leben so wichtig ist und muss ALLES von vorne anfangen, es ist gemein jemand das "zuhause" weg zu nehmen als Gier. Basta.

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  • Susi Müller am 25.03.2017 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht

    Das Mietrecht in der Schweiz ist Gensu so Schlecht wie das Arbeitstecht. Da kann die Schweiz Stolz Darauf sein.

    • werner am 25.03.2017 22:24 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt;-)

      Wahrscheinlich genauso schlecht wie das Bildungssystem:-)

    • tjt am 26.03.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susi Müller

      Man kann bis zu 2 J. in Mietwohnung bleiben trotz Kündigung. Mieterschutz kommt vor Eigentümerschutz. Informieren muss man sich halt schon selber.

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  • Mieter am 25.03.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vom Gesetz im Stich gelassen!

    all die Rechte die der Mieter hat um den Mietzins zu senken, kann er nicht durchführen, da er Angst haben muss, deswegen gekündigt zu werden. Vermieter nützen die Angst aus und reparieren gewissen Mängel erst nach Monate. so richtig nicht lustig wird es, wenn die Heizung sich verabschiedet und der Vermiter 1 Jahr braucht um diese zu reparieren. Nicht jeder kann sich einem Umzug leisten oder eine andere Wohnung. Es ist grausam sich vom Gesetz im stich gelassen zu fühlen. Und das in der modernen Schweiz!

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