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Lieber Phil Geld

03. Juli 2016 08:38; Akt: 03.07.2016 08:38 Print

Minusstunden mit Überstunden ausgleichen?

Luanas (29) Chefin verrechnet die angefallenen Minusstunden gleich mit den Überstunden. Ist das erlaubt?

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Sind Minusstunden unfreiwillig zustande gekommen, so darf der Chef diese in keiner Weise verrechnen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite in einer Kinderkrippe. Da wir im letzten Monat weniger Kinder hatten, mussten wir die Minusstunden gleich mit unseren Überstunden kompensieren. Ich hätte die Überstunden allerdings lieber tageweise statt stundenweise abgebaut. Darf mir meine Chefin vorschreiben, wann ich zu kompensieren habe? Ich kann schliesslich nichts dafür, dass wir zurzeit weniger Kinder in der Krippe haben.

Liebe Luana

Für eine abschliessende Beurteilung wäre die genaue Ausgestaltung deines Arbeitsvertrags relevant. Auch für die von dir geschuldete Arbeitszeit ist grundsätzlich dein Arbeitsvertrag massgebend.

Allgemein kann Folgendes festgehalten werden: Kann der Arbeitgeber die Arbeitsleistung in einer Woche nicht vollumfänglich abnehmen und fallen folglich scheinbare Minusstunden an, heisst das nicht automatisch, dass du zur Nacharbeit dieser Arbeitszeit verpflichtet bist beziehungsweise deine Chefin sie automatisch mit Überstunden kompensieren kann. Sind deine Minusstunden unfreiwillig zustande gekommen, so darf deine Chefin sie dir in keiner Weise verrechnen, denn gemäss Art. 324 Abs. 1 OR bleibt der Arbeitgeber zur Entrichtung des Lohnes verpflichtet, ohne dass der Arbeitnehmer zur Nachleistung verpflichtet ist, wenn die Arbeit infolge Verschuldens des Arbeitgebers nicht geleistet werden kann oder der Arbeitgeber aus anderen Gründen mit der Annahme der Arbeitsleistung in Verzug gerät. Diese Bestimmung kann selbst deine Chefin in deinem Arbeitsvertrag nicht zu deinen Ungunsten abändern.

Folglich gehört es zum Risiko eines Arbeitgebers, seine Arbeitnehmer tatsächlich jederzeit voll beschäftigen zu können. Wird somit einem Arbeitnehmer nicht genügend Arbeit zugewiesen, gerät der Arbeitgeber in den sogenannten Annahmeverzug und kann den Arbeitnehmer nicht für Minusstunden zur Verantwortung ziehen.

Deine Chefin kann also die vermeintlich angefallenen Minusstunden nicht mit den Überstunden verrechnen, da Überstunden grundsätzlich durch Freizeit oder mit einem Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent zum Normallohn entschädigt werden (vgl. dazu Art. 321c Abs. 2 und 3 OR), unverschuldete Minusstunden hingegen verpflichten zur Entrichtung des üblichen Lohns.

Ich rate dir, deine Chefin weiterhin regelmässig und vor allem auch schriftlich darauf hinzuweisen, dass du unterfordert bist, da du zu wenig Arbeit erhältst und du gern mehr arbeiten würdest. Denn sollte es in einer strittigen Situation vor Gericht kommen, so liegt es an dir als Arbeitnehmer, zu beweisen, dass du hättest arbeiten wollen, dir aber nicht genügend Arbeit zugeteilt wurde.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ambrosius am 03.07.2016 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betriebsklima

    lieber Phil Geld anhand deines Ratschlags muss ich annehmen, dass du nicht viel Ahnung davon hasst, wie es in so einem KMU aussieht. Es ist doch immer ein Geben und Nehmen. Bei einem guten Betriebsklima stellt sich diese Frage auch nicht, sondern ist selbstverständlich, dass Überstunden mit Minus Stunden verrechnet werden.

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  • Pam am 03.07.2016 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gutes Arbeitsklima

    Darum stelle ich nur Leute ein die das ganze Prinzip schnallen....Es ist ja normal das bei einem Kmu mal mehr mal weniger Arbeit vorhanden ist. Es ist ein geben und nehmen wo jeder den gesunden Menschenverstand miteinbringt. Ich mache kein Drama wenn jemand früher gehen muss oder sonst was Privates erledigen muss, umgekehrt macht der Mitarbeiter kein Drama wenn ich was außergewöhnliches von ihm will.... das nennt man gutes Arbeitsklima das spiegelt sich auch bei der Jahrelange treue

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  • Monica am 03.07.2016 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mung

    Wie soll man Überstunden denn kompensieren? logisch mit Minusstunden. Tagsweise wäre sie ja zufrieden, das Leben ist kein Wunschkonzert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeiter am 04.07.2016 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach...

    wenn ich sehe, dass ich viel Arbeit habe dann mache ich Mehrstunden ohne dass man mir was sagen muss. Dafür kompensiere ich sie auch, wann ich will! Weder lasse ich mir aber Überstunden vorschreiben auf Befehl. Noch kompensiere ich wann die Firma es will! Ein Leibeigender bin ich nicht! Denn niemand kann zu Überzeit oder Minusstunden gezwungen werden.

    • Armin am 06.07.2016 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      nicht viel Ahnung, oder?

      Kauf dir mal ein Buch über Arbeitsrecht.... "Niemand kann mir Überstunden vorschreiben".... tststs... you dream!

    • Arbeiter am 06.07.2016 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Theorie und Praxis

      Theorie ist: Der Arbeitnehmer ist zur Leistung von Überstunden verpflichtet, soweit er sie zu leisten vermag. Praxis ist: Wenn der Arbeitgeber den Bogen überspannt, dann könnte es passieren, dass der Arbeiter die Überstunden einfach nicht mehr zu leisten "vermag"...

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  • tja am 04.07.2016 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    ich hatte 3 stunden überzeit und musste sie in 4 tagen abbauen, damit ich schnell bei 0 bin. aber nicht 4 tag am stuck, sondern jede woche einen tag. montag regnete es dienstag nicht, also fragte ich ob die dienstag zu hause bleiben kann.. die Antwort war: nein sie gehen dann wenn ich es sage... so habe ich 4 tage "geschlafen" weil dann immer schlechtes wetter war.... so ist das leben, kannst froh sein das du sie überhaupt bekommst, in meiner lehrzeit wurden die überzunden nie beachtet, minusstunden gab es nicht..

  • IR am 04.07.2016 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theorie vs praxis

    Ganz ehrlich, wenn ich so eine diskussion führen müsste, dann wüsste ich bereits auf welche mitarbeiterin ich im fall der fälle verzichten könnte. Natürlich würde ich diese tatsache mit anderen begründungen darlegen. Besonders bei kmus finde ich sollte es ein gesundes geben und nehmen sein. Bei mir wird es so gehandhabt, wenn ei mitarbeiter einen ganzen tag mehr arbeitet, dann wird dieser tag als ganzes kompensiert. Wenn es allerdings stindenweise angehäuft wird, dann wird stundenweise kompensiert.

  • Unnutz am 04.07.2016 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Take it or leave it...

    Ich denke es ist ein Nehmen und Geben. Wenn ich alles immer hinterfragen würde... warum hat mein Bruder mehr liebe bekommen, warum sollte ich jetzt noch den Brief für die Firma einwerfen etc. Es gibt Vorschriften und Gesetzte zum Schutz, wenn es unzumutbar ist. Aber eben es gibt Menschen, die vertragen gar nichts und flippen gleich aus wenn die Post nicht pünktlich kommt. Und wenn sie den Job dann verloren haben, weil sie in schweren Zeiten nicht flexibel genug waren... sonder noch alles blockieren (den anderen Mitarbeitern das Leben erschweren). Sorry about it but help yourself...

  • Sandro am 04.07.2016 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach, oder?

    Wer immer genau nach Vorschrift handelt wird früher oder später vor die Tür gesetzt. Das Arbeitsleben ist ein Geben und ein Nehmen.

    • Yves am 05.07.2016 17:56 Report Diesen Beitrag melden

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      Und ein Chef der nie nach Vorschrift handelt wird irgendwann angezeigt und landet mit Schande in den Medien.

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