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Lieber Phil Geld

14. April 2018 13:27; Akt: 14.04.2018 13:27 Print

Arbeitsverhältnis mit Arztzeugnis verlängern?

Renato (39) hat einem Mitarbeiter gekündigt. Seither ist dieser krankgeschrieben – vermutlich, um länger Lohn zu erhalten. Was kann Renato tun?

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Im Zweifelsfall zieht man am besten eine Vertrauensärztin bei (Bild: Grey's Anatomy / ABC).

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Lieber Phil Geld
Ich musste einem meiner Mitarbeiter kündigen. Seither legt er mir regelmässig Arztzeugnisse vor. Ich habe langsam den Eindruck, dass er einfach das Ende des Arbeitsverhältnisses hinauszögern will. Was kann ich tun?

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Was würdest du als Chefin/Chef in dieser Situation tun?

Lieber Renato

Wenn ein Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber gekündigt wird, bewirken Arbeitsverhinderungen eine Verlängerung der Kündigungsfrist. Das ist die Konsequenz der sogenannten Sperrfristen gemäss Art. 336c OR.

Werden Arbeitnehmende während laufender Kündigungsfrist wegen Krankheit arbeitsunfähig, bleibt die Kündigung zwar gültig, jedoch wird die Frist unterbrochen und um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit verlängert, höchstens aber um die vom Gesetz vorgesehene Dauer der Sperrfrist von 30, 90 oder 180 Tagen. Diese hängt von der Dauer des Anstellungsverhältnisses ab (vgl. hierzu Art. 336c Abs. 1 lit. b OR).

Gilt also beispielsweise für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein bestimmter Endtermin – wie etwa das Ende eines Monats –, und fällt dieser nicht mit dem Ende der nun verlängerten Kündigungsfrist zusammen, verlängert sich diese bis zum nächstfolgenden möglichen Endtermin. Faktisch kann sich das Arbeitsverhältnis so um einen oder gar mehrere Monate verlängern.

Grund für die Verlängerung ist, dass der gekündigte Arbeitnehmer die Möglichkeit haben soll, während der vollen Kündigungsfrist eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Das Gesetz garantiert damit dem Arbeitnehmenden eine ungekürzte Kündigungsfrist.

In der Praxis missbrauchen jedoch Arbeitnehmende diese Bestimmungen auch oft, um das Ende des Arbeitsverhältnisses hinauszuzögern und weiterhin Lohn zu kassieren. Denn der Arbeitgeber ist auch im Krankheitsfall verpflichtet, für eine gewisse Zeit weiterhin Lohn zu bezahlen.

Besteht tatsächlich der Verdacht, dass ein Arbeitnehmer Arztzeugnisse einreicht, um das Ende der Kündigungsfrist hinauszuzögern, kann der Arbeitgeber einen Vertrauensarzt beiziehen. Die Kosten dafür sind jedoch vom ihm selbst zu tragen.

Ich rate dir, vorgängig das Gespräch mit deinem Arbeitnehmer zu suchen und, vorausgesetzt er willigt ein, Kontakt mit seinem Arzt aufzunehmen. Möglicherweise lässt sich eine andere Tätigkeit finden, die mit seiner Erkrankung vereinbar ist. Ansonsten empfehle ich dir im Zweifelsfall, einen Vertrauensarzt beizuziehen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rico am 14.04.2018 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Teilweise ist sowas absolut nötig!

    Wenn man nach 15 Jahren wegen fadenscheinigen Gründen rausgeworfen wird(wirtschaftliche Gründe) und danach aber 3 neue Billigarbeitskräfte aus dem Ausland einstellt, dann bin heute sehr enttäuscht darüber es damals nicht genauso gemacht zu haben!

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  • Phil Dill am 14.04.2018 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Faule Eier

    Es gibt auch eine sogenannte arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit, diese löst keine Sperrfrist aus. Einfach dem Mitarbeiter mitteilen, dass man von so einer ausgeht und dass er zu beweisen hat, dass es nicht so ist (kann nur durch den arzt erfolgen). Das hilft meistens..

  • Black jack am 14.04.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeuter

    Und ich bin glücklicher Frührentner, mit 60 alles hingeschmissen und heute glücklicher denn je. Arbeitnehmer lässt Euch nicht alles gefallen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ano nym am 15.04.2018 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sokrates

    die kommentare hier sind ja wieder interessant... leider scheint die sonne und ich habe besseres zu tun... schönen sonntag allen :-)

  • sofia82 am 15.04.2018 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ferienkrank

    Viele Arbeiter haben in den Ferien in Italien den Arzt aufgesucht und wurden krankgeschrieben. Deshalb haben sie ihre Ferien nachträglich nochmals eingezogen. Leider ist das mir nicht eingefallen und jetzt ist es zu spät, denn ich habe nun AHV.

  • Peter am 14.04.2018 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Anliegen...

    Bitte bitte... verurteilt keine Menschen die an einer Krankheit leiden. Es ist nicht lustig die Leistung nicht mehr erfüllen zu können. Es können psychische Einschränkungen oder physische sein. das gibt es wirklich! auch wenn das immer komisch und unerklärlich aussieht, je nach Zeitpunkt... ein Doktor gibt einem kein Zeugnis sondern er Attestiert einem als "Krank" Bitte vergesst und verurteilt keine Kranken! es ist so schon schwierig im Leben. Es macht auch kein Spass Zuhause eingesperrt zu sein!

    • Gru2606 am 15.04.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Aber es ist ja schon sehr zufällig wenn diese Erkrankung erst nach der ausgesprochenen Kündigung passiert..

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  • Verantwortungsbewusster Arzt am 14.04.2018 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch

    Wenn ein Arzt ein Zeugnis ausstellt, ohne dass der Patient/die Patientin wirklich krank ist, dann ist dies eine falsche Zeugenaussage. Darauf stehen gemäass Strafgesetzbuch bis zu 3 Jahren Haft (für den Arzt!). "Ich lasse mich krankschreiben" heisst deshalb oft, dass man den Arzt für einen eigennützigen Missbrauch zu instrumentralisieren versucht. Ärzte sollten deshalb solche Arztzeugnisse immer verweigern.

  • Anne am 14.04.2018 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paranoider Arbeitgeber

    Ist nicht das Artztzeugnis bereits der Beweis, den man erbringen muss, damit man sich nicht einfach auf Kosten des Arbeitgebers krank stellen kann? Kein Arzt stellt einer gesunden Person ein Zeugnis aus. In meinen Augen sollte der Arbeitgeber sich damit zufrieden geben. Alles andere ist paranoid & respektlos gegenüber dem Arbeitnehmer.

    • MB am 15.04.2018 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anne

      Heute ist man immer irgendwie krank wenn man will

    • Dany Solothurnmann am 15.04.2018 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anne

      Wir hatten den Fall schon oft ihn der Firma, die gekündigten Arbeitnehmer machen einen auf Psychisch Krank. Klappt immer, die Ärzte ziehen ihr Zeugnisblock viel zu viel in der Schweiz. Haben mehr angst jemand nicht Krank zu schreiben und etwas passiert als von der Strafe unnötig krank zu schreiben...

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