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Lieber Phil Geld

07. Juli 2015 11:08; Akt: 07.07.2015 13:38 Print

Muss ich für meinen Chef immer erreichbar sein?

Martas (23) Chef verlangt, dass sie am Feierabend sowie an Wochenenden jederzeit erreichbar ist. Ist das erlaubt?

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Martas Chef wünscht, dass sie ständig erreichbar ist. Darf er das? (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Lieber Phil Geld
Mein Chef verlangt, dass ich nach Arbeitsschluss sowie an Wochenenden und Ferientagen ausnahmslos erreichbar bin. Aus Angst, den Job zu verlieren, habe ich bis anhin nichts dagegen eingewandt. Nun häufen sich die Telefonanrufe vor allem spät abends. Auch ruft er mich vermehrt an den Wochenenden an, so dass ich mich meiner Freizeit nicht mehr voll und ganz widmen kann. In meinem Kopf dreht sich ständig alles um die Arbeit. Daher frage ich mich, ob das, was mein Chef verlangt, zulässig ist.

Liebe Marta

Wann und wie ein Arbeitnehmer für seinen Arbeitgeber erreichbar sein muss, hängt überwiegend vom jeweiligen Arbeitsvertrag ab. Grundsätzlich gilt allerdings, dass niemand für seinen Arbeitgeber rund um die Uhr erreichbar sein muss. Das Arbeitsgesetz (ArG) schreibt prinzipiell vor, wie viel Zeit ein Mitarbeiter maximal für seine Arbeit aufwenden muss.

Als wöchentliche Höchstarbeitszeit gilt grundsätzlich eine 45-Stunden-Woche, wobei die Höchstarbeitszeit je nach Branche und Arbeit 50 Stunden betragen kann. Weiter haben Arbeitnehmer das Recht auf ungestörte Freizeit sowie Ferien. Ferien sind dazu da, sich zu erholen. Dreht sich auch in der Freizeit alles nur noch um die Arbeit, kann sich ein Arbeitnehmer wohl kaum genügend erholen. Das Recht würde dadurch vereitelt.

Erwartet somit der Arbeitgeber von seinem Arbeitnehmer, dass er während den Ferien oder nach Feierabendschluss jederzeit erreichbar ist, kann diese Zeit nicht als Ferien beziehungsweise Freizeit angerechnet werden, sondern muss entschädigt werden.

Gemäss Art. 321c Abs. 3 OR ist für die effektiv geleistete Arbeitszeit ein Ausgleich in Form von Freizeit gleicher Dauer oder den vertraglich vereinbarten Lohn inklusive einer Überstundenentschädigung von 25 Prozent geschuldet. Für blosses «Zurverfügungstehen» ist dem Arbeitnehmer ebenfalls Ersatz zu entrichten, aber üblicherweise in einem geringeren Umfang. Allerdings können im Arbeitsvertrag auch der Verzicht auf eine Überstundenentschädigung oder anderweitige Regelungen vereinbart werden.

Zudem gibt es keine Entschädigung, wenn der Arbeitnehmer nur für betriebliche Notfälle zur Verfügung stehen muss. Ebenfalls kann kein Lohnanspruch geltend gemacht werden, wenn der Arbeitnehmer aus eigenem Antrieb in seiner Freizeit oder in den Ferien seine Geschäftsmails abruft, liest und beantwortet.

Ist vertraglich nichts anderes vereinbart worden, oder werden Überstunden durch den Arbeitgeber nicht abgegolten, ist es ratsam, in einem ersten Schritt mit dem Arbeitgeber das Gespräch zu suchen und ihn auf das Gesetz hinzuweisen. Eine dadurch erfolgte Kündigung durch den Arbeitgeber könnte sich als missbräuchlich erweisen.

Freundlich grüsst
Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Finanzchef am 07.07.2015 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unorganisierte Vorgesetzte

    Wenn ein Chef dich am Abend oder sogar am Wochenende anrufen muss, ist er schlicht und einfach schlecht organisiert und hat seine eigenen Prozesse und Abläufe und Termine nicht im Griff. Ausnahmen gibt es immer, aber es sollten Ausnahmen bleiben. In so einer Firma ist man am falschen Platz.

    einklappen einklappen
  • Querdenker am 07.07.2015 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle selber schuld

    Wer ist denn schuld an dieser 'Misere' der ständigen Erreichbarkeit? Aber nicht doch der Liebe Kunde und Konsument, welcher alles jederzeit, 7 Tage, 24 Stunden kaufen will und alles am Liebsten gestern bereits geliefert haben? Der bei einem Defekt des Modems nicht auf die normalen Oeffnungszeiten warten kann, sondern auch Sonntags um 2 Uhr morgens den Techniker will?! Da gibt es mMn den grössten Handlungsbedarf.

  • guemue am 07.07.2015 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhezeit

    es gibt noch einen guten Aspekt um Arbeitgebern diese Marotte vernünftig darzulegen. Das Arbeitsgesetz verlang 11 Stunden zusammenhängende Ruhezeit. Diese beginnt nun also nach dem letzten Telefonanruf des Chef's. Angenommen der Chef ruft um 22 Uhr nochmals an, ist der früheste erlaubte Arbeitsbeginn um 9 Uhr. Die Umsetzung ist sicher nicht so einfach, wie diesen Text hier zu schreiben ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Verstand am 08.07.2015 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    berufsabhängig...

    Sofern man nicht einen Beruf ausübt in welchem der Pikett-Dienst existiert, und man an betroffenem Tag keinen Dienst hat, sollte es einem Vorgesetzten nicht erlaubt sein dich beruflich zu kontaktieren. Notfall-/Ambulanz und Feuerwehreinsatz sind da die Ausnahme. Alles andere z.B. Angelegenheiten aus dem Büro zeugen von unorganisiertem Betrieb und ich empfehle dem AN, sofern sich so etwas häuft/regelmässig vorkommt, sich einen anderen Job zu suchen. Manche (teils überforderte) Chefs merkens erst wenns schmerzt weil sie sich zum wiederholten Male nach einem neuen Angestellten umsehen müssen...

  • Peter Müller am 08.07.2015 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Also ich, als junger Bereichsleiter in einem Grosskonzern, erwarte dies definitiv nicht von meinen MA's. Wozu auch? Die meisten Dinge die ach sooo dringend sind, kann man locker auch am nächsten Tag erledigen. Dafür sauber, freundlich und produktiv.

  • U. Müller am 08.07.2015 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann muss Schluss sein!

    Das wäre ja noch schöner! Oder will man die Rate der Burn-Out-Ausfälle drastisch steigern? Möglich wärs, es gibt ja genügend andere, die man danach auspressen kann wie eine Zitrone. Und die Pharmaindustrie etc. verdient nebenbei prächtig. Wachstum und Wirtschaft über alles, klar! Und wie es den Arbeitnehmenden geht, ist schliesslich egal, da jeder ersetzbar ist... Kranke Welt des Kapitalismus!

  • Privatleben Liebhaber am 08.07.2015 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss Privatnummer

    Hab gestern meine private Handynummer aus dem Firmen Intranet gelöscht. Der Grund ist, dass ich mehr von der Zeit in der nicht schlafe ich im Büro verbringen als in meinem Privatleben. (Geschlafen wird selbstverständlich nicht im Büro sondern zuhause in der Nacht.)

  • Gesundheitsbewusster Angestellter am 08.07.2015 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bürozeiten = Arbeitszeit

    Ich hab damit kein Problem. Ich habe ein Geschäfts- und ein Privathandy. Das Geschäftshandy bleibt am Feierabend auf dem Bürotisch liegen und die Nummer von meinem Privathandy hat keiner in der Firma. Sie ist wie meine Festnetznummer nirgends erfragbar und steht auch in keinem Telefonbuch. So habe ich in meiner Freizeit meine Ruhe. Es kann alles am nächsten Arbeitstag erledigt werden oder es hat Arbeitskollegen die meinen sie seien unersetzlich und 24h/7Tg erreichbar.

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