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Lieber Phil Geld

05. April 2014 22:03; Akt: 04.04.2014 18:31 Print

Meine Chefin verschlampt mein Zwischenzeugnis

Ariane (19) braucht von ihrem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis. Vor vier Wochen hat sie dieses verlangt und bisher noch nicht erhalten. Was kann sie tun?

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Gemäss Gesetz ist es die Plicht eines Arbeitgebers auf Wunsch des Arbeitnehmers jederzeit ein Arbeitszeugnis zu verfassen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld,
Ich arbeite als Praktikantin 50 Prozent in einer Kinderkrippe und möchte die restlichen 50 Prozent als Nanny arbeiten. Damit ich bei der Nanny-Agentur Arbeitserfahrung ausweisen kann, brauche ich ein Zwischenzeugnis. Ich habe meine Chefin vor vier Wochen darum gebeten. Sie hat mir seither zweimal versprochen, dass ich das Zwischenzeugnis erhalten werde, aber ich habe es immer noch nicht. Die Nanny-Agentur wartet schon ungeduldig auf das Zwischenzeugnis. Soll ich die Arbeit verweigern, bis ich das Zwischenzeugnis erhalte?

Liebe Ariane

Es ist eine schlechte Idee, die Arbeit zu verweigern. Mit einem solchen Vorgehen würdest du die Kündigung riskieren. Eine Arbeitsverweigerung ist nur zulässig, wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist. Und selbst hier muss ein Arbeitnehmer korrekt vorgehen: Der Arbeitgeber muss bei ausgebliebener Lohnzahlung erst gemahnt werden. Eine Arbeitsverweigerung darf dabei erst angedroht werden. Erst nach Ablauf dieser Nachfrist darf der betroffene Arbeitnehmer die Arbeit ohne Lohneinbusse bis zum Eintreffen der Zahlung verweigern.

Was Dich betrifft: Du kannst trotzdem auf dein Recht pochen, ein Zwischenzeugnis innerhalb weniger Tage zu erhalten. Gemäss Gesetz (Artikel 330a OR) ist es die Plicht eines Arbeitgebers auf Wunsch des Arbeitnehmers jederzeit ein Arbeitszeugnis zu verfassen.

Das Zeugnis muss nicht nur die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses beinhalten, sondern auch die Leistungen und das Verhalten des Arbeitnehmers. Zudem muss es wahr und wohlwollend sein. In einem Zwischenzeugnis muss auch zwingend stehen, dass du in ungekündigtem Arbeitsverhältnis stehst und das Zwischenzeugnis auf deinen Wunsch hin ausgestellt wird.

Es kommt immer wieder vor, dass Arbeitnehmer lange auf ihr Zeugnis warten müssen. Laut Jobexperten sollten Chefs aber nicht länger als drei Wochen für ein Arbeitszeugnis brauchen. Da diese Zeit in deinem Fall bereits verstrichen ist und du wiederholt das Zeugnis eingefordert hast, kannst du deiner Chefin mit einem eingeschriebenen Brief eine Frist von ungefähr 14 Tagen setzen.

Da deine Chefin sich nicht grundsätzlich weigert, sondern für das Verfassen des Zeugnisses keine Zeit zu finden scheint, könnte ein solcher Brief zum Ziel führen. Nützt der eingeschriebene Brief hingegen nichts, bleibt dir nur, vor Gericht zu klagen. Dann musst du aber mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zimo am 06.04.2014 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    selber schreiben

    Ganz einfach, schreiben sie ihr Zeugnis selber und lassen es unterschreiben. So viel Zeit hat ihre Chefin wohl. Ist wohl etwas einfacher und schneller als die Idee von Phil Geld.

    einklappen einklappen
  • CHer am 06.04.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    sicher nicht klagen wegen sowas

    Bevor gleich geklagt wird, kann man sich das Zeugnis auch selber schreiben und dann der gestressten Chefin zur Unterschrift (oder Ergänzung) unter die Nase legen.

    einklappen einklappen
  • Olga Molotov am 06.04.2014 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Sklaverei:

    Vor Gericht klagen, damit ich endlich mein Zwischenarbeitszeugnis bekomme? Nach so einem Verfahren kann ich mir sowieso gleich einen neuen Job suchen, denn die Kündigung seitens Arbeitgeber wird danach nicht lange auf sich warten lassen ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erfahrener Angestellter am 07.04.2014 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klagen? Sicher nicht

    Der Ratschlag zu klagen ist wohl ein Witz, dann kann sie ja gleich kündigen. nein, der bessere Weg ist, nach Absprache, das Zeugnis als Entwurf selbst zu schreiben. die Chefin kann es dann ändern oder unterschreiben. ps: bei grossen Firmen kann es gut 4 Monate dauern, bis man ein Zeugnis erhält - das ist war inakzeptabel, aber leider Realität.

  • Ekelengel am 07.04.2014 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundlich/bestimmt/nervig

    Ich werde in solchen Dingen richtig mühsam. Klar warte ich nach der ersten Anfrage um ein Zwischenzeugnis 1-2 Wochen. Dann erwähne ich es nochmals höflich und freundlich. Wenn ich merke dass nichts passiert frage ich täglich nach. Wenn sich echt gar nichts tut erinnere ich den Chef mehrmals täglich daran. Immer feundlich aber bestimmt und wenn möglich mit einem Lächeln. Das nervt und der Chef kann trotz dem nichs schlechtes über mich sagen. So bekomme ich immer recht schnell was ich will.

  • Paula am 06.04.2014 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Du hast Anrecht auf ein Zwischenzeugnis

    Würde deiner Chefin eine Frist ansetzen, verstreicht diese ungenutzt, dann vor Schlichtungsstelle / Arbeitsgericht gehen! Erwähne das in deinem Schreiben mit der Fristansetzung.

  • Don John am 06.04.2014 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HR-PPL

    Ist halt gut wen man die Kollegen vom HR kennt! Ich habe ein Zwischengespräch gehabt bedingt durch einen Vorgesetzen Wechsel, das Zwischenzeugnis kam ohne Anforderung 1-2 Woche direkt eingeschrieben nach Hause. Ich hatte bis jetzt noch nie so ein SUPER Zeugnis gelesen, voller Freude so eine Anerkennung! #stolzbin

  • allan am 06.04.2014 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    aufgaben des chefs übernehmen?

    niemals würde ich auf die idee kommen, mein zeugnis selber zu schreiben. dafür werde ich nicht bezahlt und im gesetz steht ganz klar, dass es die aufgabe des arbeitgebers ist. selber zeit und allenfalls geld aufwenden für etwas, wozu der chef in der lage sein sollte und gesetzlich verpflichtet ist, ja klar.

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