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Lieber Phil Geld

16. Mai 2017 08:39; Akt: 16.05.2017 08:39 Print

Rechnung für Mängel nach dem Auszug – was tun?

Johannes (29) hat drei Wochen nach seinem Auszug aus der Mietwohnung eine Mängelrüge des Vermieters erhalten. Muss er die Rechnung bezahlen?

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Der Vermieter hat bei der Rückgabe den Zustand der Mietsache zu prüfen und Mängel, für die der ausgezogene Mieter einzustehen hat, diesem sofort zu melden. (Bild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Ich habe Ende März meine Wohnung abgegeben. Der Vermieter meinte bei der Übergabe, alles sei in Ordnung, er habe keine Mängel festgestellt. Drei Wochen später schickte mir der Vermieter eine Rechnung über 600 Franken. Er habe nachträglich einige Mängel festgestellt, die auf mein Verschulden zurückzuführen seien. Muss ich diese bezahlen?

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Lieber Johannes

Gemäss Art. 267a OR hat der Vermieter bei der Rückgabe den Zustand der Mietsache zu prüfen und Mängel, für die der ausgezogene Mieter einzustehen hat, diesem sofort zu melden. Mit Unterzeichnung eines Wohnungsabgabeprotokolls, das den Mieter zur Zahlung eines bestimmten Schadens verpflichtet, ist dieses Erfordernis erfüllt. Wird hingegen kein Protokoll ausgehändigt oder vom ausgezogenen Mieter unterschrieben, hat der Vermieter dem ausziehenden Mieter innert zwei bis drei Arbeitstagen eine sogenannte Mängelrüge zuzustellen. Die Mängelrüge ist an keine besondere Form gebunden und kann folglich auch mündlich erfolgen. Aus Gründen der Beweissicherung wird sie aber in der Regel schriftlich und eingeschrieben erhoben.

Versäumt der Vermieter die Frist von zwei bis drei Arbeitstagen, verliert er gemäss Art. 267a Abs. 2 OR seine Ansprüche. Es sei denn, es handelt sich um Mängel, die bei übungsgemässer Untersuchung nicht erkennbar waren – sogenannte versteckte Mängel. Ein solcher liegt beispielsweise bei einer vom Mieter manipulierten Steckdose vor, die vom Elektriker repariert werden muss. Gemäss Abs. 3 derselben Bestimmung hat der Vermieter solche versteckte Mängel sofort nach deren Entdeckung dem Mieter zu melden. Ansonsten verliert er wiederum seine Ansprüche und der ausgezogene Mieter ist von seiner Haftung befreit.

Folglich kann der Vermieter nach drei Wochen nur noch versteckte Mängel geltend machen – gemäss dem Mieterinnen- und Mieterverband aber auch nur dann, wenn klar ist, dass der ausgezogene Mieter für den versteckten Mangel verantwortlich ist. Wurde die Wohnung zum Zeitpunkt der Entdeckung des Mangels bereits wieder bezogen, ist das fast nie der Fall.

Grundsätzlich rate ich dir, beim Auszug aus einer Mietwohnung das Wohnungsabgabeprotokoll nicht allzu voreilig zu unterzeichnen, denn ist das Protokoll einmal unterschrieben, kommt dies einer Schuldanerkennung gleich, die ohne Wenn und Aber zur Zahlung verpflichtet. Anstatt die Unterschrift zu verweigern, kannst du auch einen Vermerk «gilt nicht als Schuldanerkennung» anbringen. Dann müssen allfällige Ansprüche des Vermieters vorerst auf dem Rechtsweg geprüft werden. Beim Mieterinnen- und Mieterverband kannst du allenfalls auch Fachpersonen anfordern, die Mieter bei der Wohnungsabgabe beraten.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mäsu am 16.05.2017 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katzenstreu in Kanalisation entsorgt

    Versteckte Mängel sind auch Katzenstreu das per Kanalisation entsorgt wurde und zu einem steinharten Klumpen wird. War leider bei unseren Mietern der Fall. Katzenstreu gehört nie in die Kanalisation

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  • Aufpassen am 16.05.2017 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ersatzpflicht für Gegenstände

    Wenn der Vermieter behauptet, Sachen wie Kühlschrank etc. müssten wegen Mieterverschulden auf Mieterkosten ersetzt werden: Vom Vermieter den schriftlichen Nachweis verlangen, wie alt der Kühlschrank genau ist! Dann rechnen, weil nur der Zeitwert ersetzt werden muss, und auch nur wenn man wirklich Schuld am Schaden ist. Also zB nach 4 J. Wohnen in Wohnung mit 8jährigem Kühlschrank: Nur 2/10 müssen an neuen Kühlschrank (maximal: Richtpreis) bezahlt werden, nicht der ganze Kühlschrankpreis. Relevant: Lebensdauertabelle vom Mieterverband.

  • Jamaika Jamal am 16.05.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor dem Einzug

    Bin erst grad in einer Wohnung eingezogen. Was wichtig ist, jeden kleinen Schaden bereits vorgängig zu melden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nina am 17.05.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versicherung

    Meldet alles eurer Haftpflichtversicherung Für Schäden gegenüber dritten (mieterschäden) ist die da!!!

  • Alfi am 17.05.2017 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sachadenexperte

    Um sicher zu sein rate ich allen, zur Abnahme einen Schadenexperten der Versicherung zu Abnahme beizuziehen. Mir hat das bei der letzten Wohnungsabnahme sehr geholfen.

  • Waldmandli am 17.05.2017 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vom Leben keine Ahnung

    Tut mir leid liebe Leser; aber was hier ab und zu gefragt wird, ist zum Mäuse melken. Ich, 57, habe Solches damals in der Berufsschule mitbekommen, mit dem Kernsatz: Schriftlich! Hand aufs Herz, ihr habt wohl schöne Bärte, gebärdet euch sehr eloquent...aber vom richtigen Leben keine Ahnung.

    • Sandrine am 17.05.2017 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Waldmandli

      es wird in der Berufsschule kaum noch sachen beigebracht, die man im echten leben braucht! im KV hatten wir kurz Erbschaftsrecht...und ein wenig über Versicherung... sonst nichts! ich finde auch man sollte in der Beeufsschule oder Oberstufe solche Fächee haben (KK, Versicherungen, Steuern etc!)

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  • Heinz am 17.05.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Übergabe

    Bei uns wollte eine Verwaltung mal einen Schimmelfleck an einer Aussenwand anhängen und auch diverse andere Mängel unterjubeln. Blöd für die Vermieterin war nur, dass sie bei der Übergabe zugab, sich nicht vorbereitet zu haben. Wir konnten alle von ihr beanstandeten Mängel per Protokoll belegen. Mit Ausnahme des Schimmelflecks, welcher auf eine feuchte Aussenwand zurückzuführen war. Meine Frau und ich haben uns geweigert das Protokoll zu unterschreiben und gemütlich 1 Jahr abgewartet, bis wir von der Bank das Depot ausbezahlt bekamen.

  • Jurist am 17.05.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super Tipp!

    Auf jedes Protokoll "gilt nicht als Schuldanerkennung" schreiben bringt nur eines: mehr Arbeit für Juristen und Schlichtigsbehörden. Toll wie hier alle Vermieter öffentlichkeit in einen Topfit geworfen und verunglimpft werden.

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