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Lieber Phil Geld

16. September 2017 10:07; Akt: 16.09.2017 10:07 Print

Darf mir mein Chef das Pensum reduzieren?

Florents (37) Chef möchte ihm sein Arbeitspensum per sofort von 100 auf 60 Prozent reduzieren. Ist das erlaubt?

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Bei einer Anpassung des Arbeitspensums muss auch der Arbeitnehmer einverstanden sein. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite seit bald vier Jahren beim selben Arbeitgeber. Ich bin 100 Prozent angestellt. Nun will mein Chef mein Arbeitspensum per sofort von 100 Prozent auf 60 Prozent reduzieren. Kann er das? Ich will weiterhin 100 Prozent arbeiten.

Umfrage
Hat der Chef Ihr Arbeitspensum schon einmal sofort reduziert?
6 %
12 %
82 %
Insgesamt 708 Teilnehmer

Lieber Florent

Arbeitsverträge sind verbindlich – sowohl für dich als Arbeitnehmer als auch für deinen Arbeitgeber. Als Dauerschuldverträge können sie jedoch im Laufe der Zeit an veränderte Umstände angepasst werden.

Eine Anpassung beziehungsweise Änderung des Arbeitsvertrags ist allerdings nur dann möglich, wenn beide Vertragsparteien der Vertragsänderung zustimmen. Unproblematisch ist eine Vertragsänderung regelmässig dann, wenn der Arbeitnehmende durch die Vertragsänderung bessergestellt wird. Wird der Arbeitnehmende durch die Vertragsänderung jedoch schlechtergestellt, kommt es nur selten zu einer einvernehmlichen Lösung. Der Arbeitgeber muss diesfalls eine Änderungskündigung aussprechen, möchte er die Vertragsänderung dennoch durchsetzen.

Bei einer Änderungskündigung wird der bestehende Arbeitsvertrag ordentlich unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten oder gesetzlich vorgesehenen Kündigungsfrist (vgl. hierzu Art. 335c OR) gekündigt. Gleichzeitig wird dem Arbeitnehmenden ein neuer Arbeitsvertrag mit geänderten Bedingungen angeboten.

Dir als Arbeitnehmendem steht es frei, den neuen Vertrag anzunehmen oder nicht. Bist du mit dem neuen Arbeitsvertrag nicht einverstanden, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung. Dein Arbeitsverhältnis wird dann nach Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst. Du verlierst deine Stelle. Erklärst du dich mit der Änderungskündigung einverstanden, dauert das Arbeitsverhältnis ununterbrochen fort. Die Vertragsänderung tritt allerdings erst nach Ablauf der Kündigungsfrist ein.

Deinem Arbeitgeber, lieber Florent, ist es folglich nicht möglich, deinen Arbeitsvertrag zu ändern beziehungsweise dein Arbeitspensum einseitig von heute auf morgen zu reduzieren. Ich rate dir, deinem Chef schriftlich mitzuteilen, dass du mit der Reduktion deines Arbeitspensums nicht einverstanden bist und eine einseitige Änderung erst nach Ablauf der Kündigungsfrist möglich ist. Lehnst du sein Angebot beziehungsweise die Vertragsänderung ab, musst du mit einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechnen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(phd/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steffi am 16.09.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Und weiter

    Interessant wäre noch zu wissen, was sind allfällige rechtliche Folgen, wenn man bei einer Änderungskündigung den neuen Vertrag nicht akzeptiert und während der Kündigungsfrist keine neue Stelle findet. Stichwort selbstverschuldete Kündigung. Kann das zur Kürzung oder sogar zeitweiliger Einstellung der Arbeitslosengelder führen.

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  • CD am 16.09.2017 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch erlebt

    Ich habe das bei meinen letzten Arbeitgeber in großem Tagen miterlebt, sei es in der einkaufszentrale oder in den Filialen. Und oft per sofort, ohne einhalten der Kündigungsfrist, mit kündigungsandrohung und rücksichtslos... Angstmacherei im großen Stile, da gerade im Detailhandel es nicht einfach ist etwas Neues zu finden. Es herrscht ein Klima von Unsicherheit, Angst und Misstrauen.

  • Personaler am 16.09.2017 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    60% Pensum kann abgelehnt werden

    Eine weitere Anstellung mit 60% Pensum anstatt zuvor 100% wie in diesem Fall beschrieben muss ein Arbeitnehmer nicht akzeptieren und kann Leistungen der Arbeitslosenkasse ohne Einschränkungen beziehen. Wichtig ist allerdings mit dem Erhalt der Kündigung sofort mit der Stellensuche zu beginnen und die Arbeitsbemühungen (mindestens 12-16 Bewerbungen pro Monat) allenfalls bereits fristgemäss bis spätestens 5. des Folgemonats beim RAV einzureichen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi O am 17.09.2017 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Garantie auf Lebensstil

    Wenn mir der Arbeitsplatz lieb und teuer wäre, würde ich versuchen, mit dem Arbeitgeber eine einvernehmliche Lösung auszuhandeln (z.B. betreffend Einsatzzeiten, Befristung der Kürzung) und die freiwerdende Zeit nutzen, um neue berufliche/ nichtberufliche Möglichkeiten zu erkunden, vorausgesetzt, die Sache bringt mich nicht in eine finanzielle Notlage, z.B. wegen familiären Verpflichtungen. Sonst könnte man vielleicht auch vorübergehend mit etwas weniger auskommen, wenn man ein wenig an seinem Lebensstil schraubte. Auch einen Nebenjob suchen wäre eine Möglichkeit - in vielen Ländern Normalität.

  • Irin am 17.09.2017 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Weiss nicht

    Aber sicher nicht per sofort.

  • Zäsi am 17.09.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Der hat sie ja nicht mehr alle

    Dann soll er dir den 100% Lohn für 60% Arbeit zahlen.

    • Anynomous2 am 17.09.2017 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      So ein schönes Leben ;-) ;-)

      Wäre auch eine Option!:-) Bekommst Lohn zu 100% und arbeitest nur für 60%..Na,da würden wohl alle zustimmen...

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  • vladidmir am 17.09.2017 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Du entscheidest

    Selbstverständlich kann der Chef im Kapitalismus dies machen. Du kannst lediglich gesetzlich vorgesehene Kündigungsfrist für alte 100% Stelle verlangen und danach entscheiden, ob du den neuen Vertrag über 60% akzeptierst oder eine neue Stelle aufsuchst.

  • Ralph am 16.09.2017 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn zu 100%

    Ich würde denn Vorschlag machen 60% Arbeitspensum zu 100% Lohn mal schauen wie der Chef reagiert

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