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Lieber Phil Geld

29. Juli 2017 18:31; Akt: 29.07.2017 18:31 Print

Dürfen mir die Eltern die Unterstützung streichen?

Andri (21) hat eine neue Freundin. Seinen Eltern glauben nun, dass er sich nicht mehr um sein Studium kümmert und drohen mit Unterhaltsentzug.

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Eine neue Freundin ist für Eltern kein zulässiger Grund, die Unterhaltszahlung zu verweigern. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich habe eine neue Freundin. Meinen Eltern passt das gar nicht. Sie unterstellen mir, dass ich mein Studium wegen meiner Freundin vernachlässige und drohen mir nun mit Unterhaltsentzug. Konkret wollen sie mir die finanzielle Unterstützung fürs Studium streichen. Zudem sind sie der Ansicht, dass sie mir wegen meines Alters ohnehin keinen Unterhalt mehr zahlen müssten. Was soll ich tun?

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Haben Ihre Eltern Ihnen das Unterhaltsgeld verweigert?
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Insgesamt 492 Teilnehmer

Lieber Andri

Entgegen der weit verbreiteten Meinung gibt es keine absolute Altersgrenze, bis zu der Eltern ihren Kindern die Ausbildung finanzieren müssen. Gemäss Art. 277 Abs. 1 ZGB dauert die Unterhaltspflicht der Eltern bis zur Volljährigkeit des Kindes. Hat das Kind bis dahin noch keine angemessene Ausbildung abgeschlossen, haben die Eltern für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen werden kann (Art. 277 Abs. 2 ZGB). Vorausgesetzt, den Eltern kann es zugemutet werden.

Was unter einer angemessenen Ausbildung zu verstehen ist, steht nicht im Gesetz und ist daher jeweils vom Einzelfall abhängig. Angemessen ist eine Ausbildung grundsätzlich aber dann, wenn das geplante (und realistische) Ausbildungsziel erreicht ist. Ob darin Zweit- und Zusatzausbildungen eingeschlossen sind, hängt ebenfalls von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Ist das Kind jedoch bereits ins regelmässige ordentliche Erwerbsleben eingetreten, dürfte dies eher eine vom Berufstätigen selbst zu finanzierende Weiterbildung oder ein Berufswechsel sein.

Unbestritten ist, dass die gymnasiale Matura noch keine angemessene Erstausbildung darstellt. Denn sie befähigt junge Erwachsene noch nicht, einen Beruf auszuüben. Tritt das Kind nach der Matura ein Studium an der Universität an, sind die Eltern grundsätzlich bis zum Masterabschluss verpflichtet, für den Unterhalt des Kindes aufzukommen. Die Eltern müssen dem volljährigen Kind auch dann Unterhaltszahlungen leisten, wenn sie Prüfungen nicht bestehen oder sie den Studiengang wechseln. Allerdings muss der Sprössling seine Ausbildung gewissenhaft und folglich ernsthaft und zielstrebig verfolgen.

Eltern können die Unterhaltszahlung bei Unzumutbarkeit der Leistungspflicht verweigern. Das Bundesgericht erachtet eine Leistungspflicht über die Volljährigkeit hinaus als zumutbar, wenn dem Unterhaltspflichtigen am Monatsende noch 20 Prozent mehr als der erweiterte Notbedarf des Lohns verbleibt. Ist eine Unterhaltszahlung aufgrund mangelnder finanzieller Verhältnisse unzumutbar, können Stipendien beantragt werden. Ebenfalls als unzumutbar wird die Unterhaltszahlung erachtet, wenn ein volljähriges Kind jeglichen Kontakt zu seinen Eltern verweigert. Die Rücksichts- und Zusammenwirkungspflicht in Ausbildungs- und Unterhaltsbelangen setzt ein einigermassen persönliches Verhältnis zwischen Unterhaltspflichtigen und -Berechtigten voraus. Der Unterhaltspflichtige soll nicht zur blossen «Zahlstelle» degradiert werden.

Kurzum, lieber Andri: Die Altersgrenze ist also kein Argument, dass du kein Geld mehr erhältst. Auch das genannte Argument deiner Eltern bezüglich deiner Freundin ist – soweit hier beurteilbar – wohl kein ausreichender Grund, um die Unterhaltszahlung zu verweigern.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(phd/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rudi Hediger am 29.07.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs mit arbeiten?

    Es gibt so viele Studenten die ihr studium mit nebenjobs finanziere. Also geh arbeiten.

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  • Nala am 29.07.2017 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Reden?

    Haben Deine Eltern denn Recht, dass Du das Studium wegen der Freundin vernachlässigst? Dann kann ich die Eltern auch verstehen, dass sie nicht weiterzahlen wollen. Sprich doch in Ruhe mit ihnen und zeig auch, dass Du Dich weiterhin im Studium bemühst und vorwärts machst. Trotz der Freundin. Die Eltern müssen zwar zahlen, aber natürlich nur Studiengebühren, dazugehörige Bücher und ganz wenig Unterhalt (wohnen zuhause, Essen zuhause). Ausgang? Bitte? Selber verdienen, wenn Du mal weg willst.

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  • TheLegend24 am 29.07.2017 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbständig

    Pro Semester etwa 800-900 CHF + Kosten für Unterlagen. Geh einer Teilzeitarbeit nach. Sollte dich etwas finanziell unabhängig machen. Du bekommst sicher ein Job an der Kasse, wo du 800-1000 Franken im Monat bekommen könntest.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jason Q am 30.07.2017 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Burnout

    Hallo? Ich soll ein Studium machen, welches hart genug ist und dann noch am Wochenende arbeiten? Kein Wunder das immer mehr Menschen ein Burnout haben.

  • pat am 30.07.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pat

    Ich kenne einen Fall, bei welchem das Gericht entschieden hat, dass die Eltern bis zum 'nominal Abschluss-Alter' an der Uni von 27 Jahren die Eltern zur Käse gebeten werden können; das Gericht legte aber auch fest, dass spätestens nach dem ersten Ändern des Ausbildungsziel dies nicht mehr als 'a Fond perdu' verstanden werden muss, sondern als Darlehen bzw. Erb-Vorbezug verstanden werden kann... Wie auch immer: das Verhältnis zwischen Eltern und Nachkommen muss wohl ziemlich im Argen zu liegen, wenn ein solches Thena überhaupt zur Diskussion steht.

  • Astetix am 30.07.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Eltern müssen?

    Entweder der Junge macht eine gescheite Ausbildung oder es ist aus die Maus. Das bestimmt ganz sicher kein Richter.

  • Adrian am 30.07.2017 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Die besten Eltern

    Meine Eltern sind die besten. Die wollten, dass ich während der Lehre von meinem Lehrlingslohn, der war 1997 400.--/Monat, zuhause etwas abgebe. Das Bahnabo für den Arbeitsweg, das ich selbst bezahlt habe hat alleine 150.-- pro Monat gekostet. Und: Hätten meine Eltern nicht so viel Einkommen und Vermögen gehabt, hätte ich gemäss dem damaligen Antrag für Ausbildungsbeiträge pro Monat 675.-- vom Kanton erhalten, rückzahlungsfrei. Danke, liebe Eltern, vielen vielen Dank!

    • Mike Wunderlin am 30.07.2017 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian

      Ein schönes Beispiel von dankbarem Kind, welches keine Ahnung hat was Elternsein, abgesehen von Geld an Aufwendungen und Verzicht bedeuten.

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  • mary rose am 30.07.2017 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    polen

    beim Gemüsebauer gibt es viel zu tun, wie wärs, nicht besonders gut bezahlt Std. ca. 14.00 .-- aber was solls, die Portugiesen und Polen schaffen es auch. also los.

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