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Lieber Phil Geld

19. August 2017 10:27; Akt: 19.08.2017 10:27 Print

Mein Chef stellt mir kein Zwischenzeugnis aus

Tamaras (28) Arbeitgeber verweigert die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses. Darf er das?

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Der Arbeitnehmer kann von seinem Arbeitgeber jederzeit ein Zeugnis verlangen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich bin auf Stellensuche und möchte gern von meinem jetzigen Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis. Muss ich meinem Chef den Grund sagen? Er stellt mir ansonsten kein Zeugnis aus.

Liebe Tamara

Gemäss Art. 330a Abs. 1 OR kann der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber jederzeit ein Zeugnis verlangen, das sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht.
Der Arbeitnehmer kann das Zeugnis jederzeit verlangen, das heisst, während des Arbeitsverhältnisses (sogenanntes Zwischenzeugnis), bei dessen Beendigung oder auch nachher (sogenanntes Schlusszeugnis).

Der Arbeitnehmer hat die Wahl zwischen einem qualifizierten Zeugnis (auch Vollzeugnis genannt) und einem einfachen Zeugnis (sogenannte Arbeitsbestätigung). Das qualifizierte Zeugnis hat neben Angaben über die Art und die Dauer des Arbeitsverhältnisses auch Angaben über die Tätigkeit, die Leistung sowie das Verhalten des Arbeitnehmers zu enthalten. Das qualifizierte Zeugnis hat vollständig zu sein, das heisst, es hat alle wesentlichen Tatsachen und Bewertungen zu enthalten, die für die Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung sind. Es soll künftigen Arbeitgebern ein möglichst getreues Abbild von der Tätigkeit, der Leistung und dem Verhalten des Arbeitnehmers geben. Aufgrund dessen hat der Arbeitgeber auch negative Tatsachen zu erwähnen, soweit diese für seine Gesamtbeurteilung erheblich sind.

In Bezug auf das Zwischenzeugnis wird verschiedentlich verlangt, dass der Arbeitnehmende für ein solches Zeugnis ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen muss. Ein solches Interesse sei insbesondere dann zu bejahen, wenn ein Wechsel des Vorgesetzten bevorsteht, sich die Funktion des Arbeitnehmers verändert hat, der Arbeitnehmende einen Stellenwechsel in Betracht zieht, Umstrukturierungen anstehen oder der Bedarf eines Zwischenzeugnisses für eine allfällige Aus- und/oder Weiterbildung erforderlich ist. Hat der Arbeitnehmende bereits längere Zeit oder gar noch nie ein Zwischenzeugnis verlangt, kann der Arbeitgeber ohne besonderen Grund die Ausstellung nicht verweigern. Auch ist diesfalls unerheblich aus welchem Grund der Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis verlangt.

Der Arbeitnehmer hat einen unverzichtbaren, gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Ausstellung eines Zeugnisses, welcher gemäss Art. 127 OR zehn Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses verjährt. Stellt der Arbeitgeber innert angemessener Frist kein oder ein nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Zeugnis aus, so haftet er dem Arbeitnehmer (sowie unter Umständen auch gegenüber Dritten) für den daraus entstandenen Schaden. Ein Schaden kann beispielsweise in der Erschwerung der Stellensuche für den Arbeitnehmer liegen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(phd/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aloisius Engel am 19.08.2017 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeugnis leicht gemacht

    Es gibt nix sinnentleerteres als ein Zeugnis. Bei uns in der Firma (54 Ma) kriegt jeder der ein Arbeitszeugnis verlangt ein Musterzeugnis das er nach belieben entsprechend mutieren kann. Nur wenn es zu euphorisch ausfällt wird es erst nach Korrektur unterschrieben. Denn das Motto lautet etwas Gutes steckt in jedem. Fazit: Alle happy und keine Beschwerden.

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  • Büezer am 19.08.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Deswegen...

    sollte man immer Ende Jahr ein Zwischenzeugnis verlangen. So hat man immer etwas aktuelles in der Hand, wenn man von sich aus auf Stellensuche geht. Und es ist auch nichts besonderes wenn man Ende Jahr ein Zwischenzeugniss verlangt. Einfachso mitte Jahr ist halt schon verdächtig. Da kann der Arbeitgeber 1+1 zusammenzählen. In diesem Fall rechnet der AG, dass die Dame auf Stellensuche ist. Anscheinend macht sie ihre Arbeit gut, weswegen der AG das Zwischenzeugniss verweigert (darf er natürlich nicht) in der Hoffnung die Dame findet keine neue Stelle.

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  • Patrick Sch. am 19.08.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Vorgesetzte hatte das von

    mir vor vielen Jahren verlangte Zwischenzeugnis immer wieder verschoben.... Die damalige Vorgesetzte - da sehr viel und oft krankheitsbedingt abwesend - nun entlassen - und hatte ein Riesen-Chaos hinterlassen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leandra am 20.08.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bosse haben alle Macht

    Firmen können sich heutzutage alles erlauben. Ich verlangte auch schon ein Zwischenzeugnis. Schon stand der oberste Boss an meinem Tisch und wollte wissen wofür. Ich meinte, um zu wissen wo ich stehe (natürlich um mich anderswo zu bewerben, sagte dies aber nicht). Er darauf, Sie wissen wir sind mit Ihnen zufrieden, da brauchen Sie kein Zwischenzeugnis, das braucht man nur um sich zu bewerben. Mit diesen Worten verliess er mein Büro. Ich fand aber auch eine Stelle ohne dieses Zwischenzeugnis.

  • Cybot am 20.08.2017 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne

    Eine Stelle suchen kann man auch ohne Zwischenzeugnis. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass jemand nur deswegen eine Stelle nicht bekommt, wenn die übrigen Zeugnisse gut sind. Ich habe mich auch schon einige Male ohne Zeugnis der letzten Stelle beworben.

  • Erika am 20.08.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlaumeier

    Habe, nach 28 Jahren Firma unter der Leitung von 13 verschiedenen Vorgesetzten letztes Jahr ein Arbeitszeugnis verlangt da man vor ca 3 Jahren 750 Leute rausgeworfen hat. Nachdem ich es beim Personalchef persoennlich verlangt habe, rief mich dass Personalbuero an um zu fragen was ich den ueberhaupt fuer eine Arbeit erledige ? Traurig wenn man mich 28 Jahre bezahlt hat und nicht weiss was ich ueberhaupt machte. Ich antworte : Natuerlich Zollpapiere und Rechnungen schreiben was man ja so in einer Exportabteilung so erledigt. Da man nicht zufrieden war musste ich die Arbeiten naeher erklaeren und siehe da man hat nicht verstanden was diese Ablaeufe genau bedeuten. Na sagte ich, nehmt halt mal dass Zeugnis von dieser oder jener Person die weg ist und mit mir gearbeitetet hat. Zwar musste ich ein paarmal nachfragen aber nach 5 Monaten bekam ich dann ein sehr gutes Zeugnis.

  • Werner Portmann am 20.08.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zwischenzeugnisse

    Leider gibt es viele Arbeitgeber, die das verlangen eines zwischenzeugnisses als vertrauensbruch werten und den Mitarbeiter entsprechend neu einstufen, z.b. bei lohnrunden. Also Vorsicht mit zwischenzeugnissen.

    • WAlter Portmann am 20.08.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Bin anderer Meinung

      Nein Falsch. Dem AG klar und deutlich verstehen zu geben, dass er juristische Folgen zu tragen hat, wenn er etwas verweigert, das er implizit ausstellen muss !! Sich zu ducken ist komplett falsch und zudem machen das nur mental schwache Personen.

    • Michi am 20.08.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @WAlter Portmann

      Ich hab bei einem Halbstaatsbetrieb acht Monate nach Austritt auf ein Zwischenzeugnis gewartet, gesamthaft 13 Monate nach dem Chef- und Stellenwechsel. Was wollen Sie machen, wenn sich ein Chef einfach weigert?

    • WalterFalter am 20.08.2017 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @WAlter Portmann

      Ganz genau! Das ist auch gleichzeitig einer der Gründe, warum Männer öfters mehr verdienen wie Frauen als umgekehrt. Das ist weder sexistisch gemeint noch abwertend, aber Männer meistern solche Situationen eher aggressiver als Frauen und das führt in dieser Situation eher zum Erfolg.

    • chucknorris71 am 20.08.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Nie wieder!

      Habe vor jahren ein Zwischenzeugnis verlangt, da ich die Stelle wechseln wollte.Mein damaliger vorgesezter, hatte mich,während meiner Stellensuche, ersetzt und gekündigt, da ich nicht schnell genug war mir eine neue Stelle zu finden.Ist ja einfacher für einen Arbeitgeber, einen neuen Arbeitnehmer zu finden, als umgekehrt.Das nennt man(n) Eigentor!

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  • C.b am 20.08.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch so handeln zu müssen

    Da ich auf Stellensuche bin verzichte ich momentan auf ein Zeugnis. Den sollte ich eins verlangen nach bald 10 Jahren weiss der Big Boss eh gleich was los ist. Was dann passiert kann ich nur erahnen. Werde nur den kleinen Boss als Referenz angeben . Der weiss es eh schon .

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