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Lieber Phil Geld

12. Mai 2012 11:17; Akt: 23.06.2012 13:12 Print

Wann zugreifen? Wo gibts Real-Time-Kurse?

Der Börsengang von Facebook ist Tatsache: Adrian macht sich Gedanken, Aktien von Facebook zu kaufen. Wo kann er sie erwerben? Wo gibts Real-Time-Kurse? Lohnt sich dieses Investment?

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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht vor Studenten an der Harvard-Universität. Zuckerberg brach im Jahr 2004 das Harvard-Studium ab.

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Lieber Phil Geld,
Lohnt sich ein Kauf von Facebook-Aktien. Und ab wann soll man zugreifen? Was ist beim Aktienkauf zu beachten? Wo soll ich die Aktie kaufen? Wo kann man den Aktienkurs ohne Zeitverzögerung - das heisst «Real-Time» - verfolgen?

Lieber Adrian

So viel ist gewiss: Der 27-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird mit dem Börsengang zum Multimilliardär. Zumindest auf dem Papier. Er besitzt 28 Prozent der Aktien. Ebenso unbestritten ist: Facebook gilt innerhalb der Social-Media-Branche als klarer Marktführer. Die rund 850 Millionen Facebook-Nutzer sprechen für sich. Hier geht kein Nobody an die Börse. Ob allerdings der bereits im Vorfeld des «IPO» geschätzte Marktwert von 100 Milliarden Dollar gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wo wird die Aktie gehandelt?
Die Aktie wird an der Börse Nasdaq, an der New Yorker Wall Street, gehandelt (Kürzel: FB). Sie kann über alle Onlinebroker mit einem Maus-Click erworben werden. Selbstverständlich ist auch ein Kauf über deine Hausbank möglich. Dann sind die Gebühren allerdings höher. Vor allem dann, wenn du den Auftrag telefonisch oder am Schalter erteilst.

Wo kann der Kurs der Aktie ohne Zeitverzögerung mitverfolgt werden?
Der aktuelle Kurs der Facebook-Aktie kann unter anderem auf der Website von Google-Finance verfolgt werden. Am ersten Handelstag ist der Kursgewinn Punkt 17.51 Uhr (Schweizer Zeit) von anfänglich 12 Prozent auf 0 Prozent geschmolzen. Bei einem Wert von 38 Dollar pro Aktie ergibt sich eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 103,5 Milliarden Franken.

Weshalb ist die Bewertung so hoch?
Die Bewertung ist hoch - sie entspricht etwa dem 100-fachen Gewinn und dem 26-fachen Umsatz. Oder noch illustrativer: Jeder Facebook-Nutzer hat derzeit für die Investoren einen Wert von rund 100 Franken. Allerdings profitiert die Facebook-Aktie vom «Liebhaber-Effekt». Viele Investoren wollen die Aktie ungeachtet der wirtschaftlichen Erfolgschancen einfach besitzen.

Nur wohlhabende Kunden konnten im Vorfeld des Börsenganges Aktien zeichnen. Immerhin: Den schnellen Gewinn haben die Privilegierten nicht gemacht: Schliesslich wurden die Titel nicht zum Discount-Preis verscherbelt. Vor kurzem erklärte Zuckerberg den potentiellen Investoren in einer Werbetour - in der Financial Community «Roadshow» genannt - das Geschäftsmodell von Facebook.

Welche Erfolgschancen hat die FB-Aktie?
Wie schwierig das Börsenparkett gerade auch für Internetaktien ist, zeigte etwa die Publikumsöffnung des Rabatthändlers Groupon im November 2011. Seither hat die Aktie fast zwei Drittel an Wert eingebüsst. Es gibt aber auch positive Beispiele: So ist der Börsenwert des Karriereportals Linkedin innert Jahresfrist um 25 Prozent auf 12 Milliarden Dollar gestiegen. Der Wert von Google hat sich sogar seit dem Börsendebüt im Jahr 2004 vervierfacht. Der dominierende Online-Händler Amazon legte innerhalb von fünfzehn Jahren sogar über 9000 Prozent (!) zu. Viele andere Firmen wie Lycos, Fantastic Corporation oder Distefora kollabierten.

Dieses Schicksal wird Facebook nicht erleiden. Schliesslich hat das kalifornische Unternehmen nicht nur eine riesige Fangemeinde, es verdient auch viel Geld. Das vor acht Jahren gegründete Unternehmen hat 2011 ziemlich genau eine Milliarde Gewinn erzielt (40 Prozent mehr als im Vorjahr). Manche erinnern sich an die erste Internet-Euphorie vor der Jahrhundertwende, als profitable New-Economy-Firmen dünn gesät waren. Im vergangenen Jahr setzte Facebook 3,7 Milliarden Dollar um; 88 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Vier Fünftel des Umsatzes erzielt «FB» mit Werbung. Der Rest stammt aus Provisionen von Partnerfirmen. Wichtigster Partner ist der Spieleanbieter Zynga, der 12 Prozent des Umsatzes beiträgt.

Wo liegen die Risiken?
Der Name Facebook und die enorme Medienpräsenz führen dazu, dass die Aktie zu Beginn massiv überbewertet ist. Wer an den Erfolg von Facebook glaubt, sollte erst nach der ersten Ernüchterung auf tieferem Kursniveau zugreifen. Danach gilt es genau zu beobachten, wie sich die Nutzerzahlen, der Umsatz und der Gewinn entwickeln. Überall lauern Gefahren. So belastet die zunehmende mobile Nutzung den Werbeumsatz (FB plant deshalb ein App-Center). Oder Twitter könnte mittelfristig die Position von Facebook streitig machen. Der Börsengang von Twitter wird im nächsten Jahr erwartet. Nicht zu unterschätzen ist die Problematik des Datenschutzes und drohende staatliche Eingriffe.

Das Fazit?
Facebook zu nutzen dürfte wohl auch künftig für viel angenehmere Gefühle sorgen, als die Facebook-Aktie zu besitzen. Auf dieser Newsroom-Site informiert Zuckerberg aus erster Hand.

Sehenswert:
DOK: Die Facebook-Story
Mark Zuckerberg Inside Facebook (BBC) EN
Mark Zuckerberg in einem ausführlichen Interview EN
Timeline: Die Facebook-Story


Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 12.05.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Denke nicht

    Wer regelmässig auf fb unterwegs ist, der sieht jetzt schon anhand der "Freunde im Chat" Anzeige dass der Gebrauch von Facebook tendenziell eher rückläufig ist. Falls dieser Trend anhält wird wohl auch irgendwann der Wert fallen, da Facebook für Werbekunden einfach weniger attraktiv ist. Vor einem Jahr hat das noch anders ausgesehen.

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  • phillly am 14.05.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Als Kleinanleger, was die meisten von euch ja sind, lohnt es sich nicht, da ihr, im Gegensatz zu den Grossanlegern, die Aktie erst kaufen könnt nachdem sie schon gehandelt wurde. Sprich nachdem sie wahrscheinlich bereits wieder gefallen is. Den grosen Gewinn werden nur die Grossanleger mit Erstkaufsrecht machen. Sorry Leute aber hier gibts nichts zu verdienen

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  • peter vogel am 12.05.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    keine einzige aktie.

    hahahah ardian ich habe den text nicht einmal gelesen. aber fakt ist, das 90 % der aktin in den usa veräussert werden. gerade mal die julius bär bank wird in der lage sein, einzelnen sehr vermögenden kunden einige aktien anbieten zu können. wenn überhaupt. aber ubs, cs etc werden nicht eine aktie an kunden veräussern können. da sie nie eine erhalten werden. alles andere ist stuss. keiner von uns wird je eine fb aktie besitzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • phillly am 14.05.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Als Kleinanleger, was die meisten von euch ja sind, lohnt es sich nicht, da ihr, im Gegensatz zu den Grossanlegern, die Aktie erst kaufen könnt nachdem sie schon gehandelt wurde. Sprich nachdem sie wahrscheinlich bereits wieder gefallen is. Den grosen Gewinn werden nur die Grossanleger mit Erstkaufsrecht machen. Sorry Leute aber hier gibts nichts zu verdienen

    • Supermario am 15.05.2012 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Eh zu spät

      Blödsinn, den Reibach machen vor allem die Investoren welche schon einige Zeit "dabei" sind. Ob man als Kleinanleger am IPO oder via Börse mitmacht spielt nur noch sekundär ne Rolle; die grösste Wertsteigerung fand in den letzten 5 Jahren statt.

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  • Niso am 13.05.2012 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Facebook ersatz und das Recht auf Daten

    Für 100 Milliarden Dollar könnte man jeden FB Benützer 9 Dollar bezahlen um zu einer neuen, besseren Dienst zu wechseln. Man hätte noch 10 Milliarden übrig um ein besseres Facebook zu kreieren. Nichts hält mich davon ab, zu einem anderen social network zu wechseln. Sobald man das Recht über seine eigene Daten erreicht hat wird FB es nicht verhindern können, dass Individuen ihre Konten dort verlegen werden, wo das beste Angebot ist. Yahoo und AOL waren vor wenigen Jahren noch Giganten, dasselbe kann innert kürzester Zeit wieder geschehen!

  • Bernd Kyliever am 13.05.2012 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einschätzung

    Viele Webfirmen haben eins gemeinsam: Nach hoch expansivem und enorm gewinnbringenden Wachstum kam nach ca 8 Jahren der rapide Fall bis nach ca 10-12 Jahren die Firmen nur noch ein Bruchteil dessen sind was sie mal waren. Google, Microsoft und Appel haben ein enorm breit gefächertes Angebot, während Facebook "lediglich" eine Social-Media Seite betreibt. Wenn die nun liquidisierten Mittel nicht sinnvoll eingesetzt werden und wider für Milliardenschwere käufe heisser Luft verheizt werden, sieht die FB-Zukunft bitter aus. Fazit: FB Aktien als kurzfristige Investition ok, als Wertanlage nein!

  • John Doe am 13.05.2012 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 mrd gewinn...

    .... Bei 100 mrd börsenkapital. Eine gewinnmarge von 1%... selbst wenn man mit starkem wachstum rechnet ist das eindeutig zu viel. Dann lieber nestle

    • Supermario am 15.05.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      Gut überlegt

      Gute Ueberlegung, kann da nur beipflichten. Solche hohe P/E's gabs nur bei den Japanern in den 80-ern und im Dotcom-Bereich.

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  • Martin am 13.05.2012 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Facebook ist zu riskant

    Zu beachten ist: Facebook besteht nur aus lauter Zahlen. Ein Hackergangriff und die Aktien könnt ihr euch in den Allerwertesten stecken -sry für meine Ausdrucksweise ist aber so. Die Cyberwelt mit der Wirtschaft zu verknüpfen wird immer eine riskante Investition sein...

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