Chaos im SBB-Netz

17. Januar 2012 15:34; Akt: 18.01.2012 02:46 Print

Dem Notbremser droht eine Anzeige

Ein Passagier brachte am Dienstagmorgen die Hauptachse Olten - Zürich fast vollständig zum Erliegen. Die SBB prüfen nun rechtliche Schritte - doch vom Täter fehlt jede Spur.

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Tausende Pendler fahren jeden Werktag die Strecke Zürich – Olten. Doch ein einzelner Passagier sorgte am Dienstagmorgen für das grosse Zugchaos auf dem SBB-Schienennetz.

Der Passagier hatte vermutlich seinen Zielbahnhof verpennt und bemerkte zwischen Schlieren und Dietikon, dass er auf dem Holzweg war. Also zog er kurzerhand die Notbremse. Die Folgen waren verheerend: Der Zug geriet auf einem so genannten Streckentrenner zum Stillstand. Dort führten unterschiedliche Stromspannungen schliesslich dazu, dass 200 Meter der Fahrleitung auf den Boden fielen.

«Der Lokführer sah ihn davonrennen»

Wer die Notbremse gezogen hat, ist unklar. Der Fehlbare haute nach seinem Notstopp ab. «Der Lokführer sah die Person über die Gleise davonrennen», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli zu 20 Minuten Online. Eine Täterbeschreibung konnte der Lokführer allerdings nicht geben, weil er die Person nur ungenau gesehen habe. Auch sonst seien bislang keinerlei Hinweise über die Person eingegangen.

Für den Notbremse-Passagier könnte sein abrupter Stopp allerdings noch ungemütlich werden. Die SBB prüfen derzeit, ob sie eine Anzeige gegen Unbekannt einreichen wollen. Der Passagier könnte im Falle einer Verurteilung nicht nur wegen Missbrauchs der Notbremse, sondern auch wegen Störung des Bahnverkehrs bestraft werden, sagt Schärli. Was die SBB konkret unternehmen werden, werde derzeit von der Rechtsabteilung geprüft und dürfte noch mehrere Tage dauern.

Streckenbetrieb hat sich fast normalisiert

Im Laufe des Nachmittags war das dritte Gleis im betroffenen Bereich wieder befahrbar. Damit konnte man den Ansturm der abendlichen Rush-Hour bewältigen, teilte die SBB mit. Die Inbetriebsetzung des vierten Gleises verzögerte sich bis um 20 Uhr. Insgesamt waren laut SBB- Sprecher Reto Kormann 465 Züge von der Behinderung betroffen, die Verspätungen summierten sich auf 3764 Minuten. Bei der Reparatur der Fahrleitung wurde auch ein Schienenbruch festgestellt. Ob dieser eine Folge des Vorfalls vom Dienstag ist, sei nicht klar.

Noch ungewiss war am späten Nachmittag das Ende der Behinderung auf der Strecke Zürich HB - Schaffhausen. Diese Störung in der Stromversorgung macht seit Tagen Probleme. Laut Kormann ist im Neuhauser Tunnel eine Stromschiene auf einer Länge von 100 Metern defekt.

Solange die Beeinträchtigung dauert, sind zwischen Neuhausen am Rheinfall und Jestetten Busse im Einsatz. Die internationalen Züge Zürich HB - Stuttgart werden umgeleitet, was eine rund 10 Minuten längere Reisezeit zur Folge hat. Die Fernverkehrszüge Zürich HB - Schaffhausen fallen zwischen Schaffhausen und Bülach aus. Die Reisenden können aber via Winterthur fahren.

(meg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Egon am 17.01.2012 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich

    ist es doch ganz einfach...Anzeige gegen Unbekannt. 24 Stunden Zeit, sich selbst anzuzeigen. Dann eine Belohnung ausschreiben. Irgend jemand hat den schon gesehen und erkannt...

  • M. Graf am 17.01.2012 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gelassenheit und Verwöhnheit

    Natürlich ist es ärgerlich wen der Zug zuspät kommt. Aber was ich nicht verstehen kann ist wen Leute schon nach 2 Minuten beginnen zu Fluchen und der SBB den Weltuntergang zuschreiben. Auch nach 20 Minuten Verspätung soll man mit Gelassenheit dem Ganzen entgegen sehen, denn bei solch einer Verspätung handelt es sich immer um was Schwerwiegendem und da darf man doch froh sein, hat man es selbst doch gut und ist gesund.

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  • Janosh Kempf am 18.01.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Eigenbrötler

    Es sind bestimmt noch viel mehr Pendler die in diesem Zug Wagon sassen und wussten dass dies die letzte Station war wo der Zug hält. Warum hat ihn dann niemand geweckt!!! Wie wäre es ein wenig sozialer zu denken, als immer nur für sich zu sorgen. Wenn man nicht nur zu sich schauen würde und einander ein wenig mehr hilft, würden solche Probleme viel weniger passieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian am 18.01.2012 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Technisches Meisterwerk

    "Der Zug geriet auf einem so genannten Streckentrenner zum Stillstand. Dort führten unterschiedliche Stromspannungen schliesslich dazu, dass 200 Meter der Fahrleitung auf den Boden fielen" Okay, also heisst das, wenn in einem Echten Notfall die Notbremse am falschen Ort gezogen wird, dann fallen also schon mal Starkstromleitungen runter die dann Familien mit Kindern treffen können??

    • Fone am 18.01.2012 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja

      Eine Notbremse bringt immer kleine Risiken mit. Entweder kann die Fahrleitung im Dümmsten Moment herunterfallen (das nächste Mal in 100 Jahren) oder es kann zu einer Zugtrennung kommen. Beide Fälle sind für Dich als Reisenden absolut keine Gefahr, wenn Du im Zug sitzen bleibst! Sonst kann es böse enden...

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  • Silvan Widmer am 18.01.2012 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schuldige

    Wer glaubt der Schuldige würde nicht gefunden werden, täuscht sich gewaltig. Spätestens dann, wenn die Aufnahmen der Kameras ausgewertet sind, könnte er gefunden werden. Have fun!

  • the Rock am 18.01.2012 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    GA mit Weckdienst...

    Für das Aufdecken einer grösseren Schwachstelle,sollte die SBB dieser "Penn-Düse"dankbar sein und Ihm/Ihr ein GA mit Weckdienst zur Verfügung stellen!

  • Peter Steiner am 18.01.2012 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Als es noch Personal auf den Zügen gab..

    ... wurde der Zug kontrolliert bevor er aufs Abstellgleis kam. Fazit: Selbst Schuld liebe SBB

  • Janosh Kempf am 18.01.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Eigenbrötler

    Es sind bestimmt noch viel mehr Pendler die in diesem Zug Wagon sassen und wussten dass dies die letzte Station war wo der Zug hält. Warum hat ihn dann niemand geweckt!!! Wie wäre es ein wenig sozialer zu denken, als immer nur für sich zu sorgen. Wenn man nicht nur zu sich schauen würde und einander ein wenig mehr hilft, würden solche Probleme viel weniger passieren.