Leser stellen sich vor

04. August 2015 17:59; Akt: 04.08.2015 18:23 Print

«Die Welt ist nicht so gefährlich, wie es scheint»

von G. Hummel - Claudio Sieber ist ein waschechter Weltenbummler. Mit seiner Kamera bereist er die Welt und lernt dabei vor allem sich selbst kennen.

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Nachdem Pamela und Andreas Hutter in der vergangenen Woche von ihrer Camper-Reise auf der Panamericana berichteten, erzählt nun Weltenbummler Claudio Sieber von seiner Langzeitreise. Er hat die Schweiz im Januar 2014 ohne einen Plan hinter sich gelassen. Nur eines wusste er: Er wollte das Burning Man Festival in der Wüste Nevadas erleben. Seitdem konnte er noch einiges mehr in seinen Koffer voller Erfahrungen packen. Immer mit dabei: Die Kamera, mit der er unglaublich poetische Bilder schafft.

Claudio, was ist das Wichtigste in deinem Gepäck?
Ein T-Shirt, das ich mindestens jeden zweiten Tag trage, die elefantöse Kameraausrüstung und mein gefälschter Studentenausweis.

Was hast du schon nach kurzer Zeit auf der Reise weggegeben?
Meine Uhr hat mir in Südamerika sowieso nichts genützt, die italienische Kaffeemaschine und den geregelten Tagesablauf.

Wo befindest du dich jetzt?
Ich bin seit zwei Monaten in Nepal. Mit den Fingern im abendlichen Dal Bhat manschen, einsame Bergwege abtreten, Land und Leute unterstützen und konsumieren: Der Reisebatzen ist in Nepal gerade jetzt richtig ausgegeben, denn seit dem Erdbeben und den medialen Nachwehen kommt niemand mehr, obwohl alles in Ordnung ist.

Wie hast du dich auf die Reise vorbereitet?
Sich von seiner Heimat abzumelden, birgt ekligen Bürokram. Die Visa-Fragen abzuklären, war sicher nicht verkehrt. Zusätzlich ein strenges 6-Jahres-Haushaltsbudget, Rappen spalten und aufs Land ziehen.

Warum hast du diese Route gewählt?
Sechs Monate die gleiche Sprache, verschwenderische Natur, kein Visum-Schnickschnack – Südamerika war ein optimaler Start! Sommer und Herbst waren ideal für einen Road-Trip quer durch die USA. So endet man im kanadischen Winter, fliegt dann für wenig Geld in die Ferien nach Hawaii und kommt erholt zur Kirschblütensaison nach Japan. Der Rest ergab sich irgendwie.

An welchen Ort würdest du sofort zurückkehren?
In die Lagunenlandschaft Lencois Maranhenses in Brasiliens Norden, wo ich barfuss mit dem Zelt unterwegs war.

Wer ist die aussergewöhnlichste Person, die du bis jetzt kennengelernt hast?
Mir fällt spontan John K. ein. Der 53-jährige amerikanische Aussteiger wandert seit sechs Jahren alle isolierten Pfade ab und durchforstet täglich im Gratis-Wi-Fi von McDonald’s Satellitenbilder nach nahegelegenen Wäldern. «Eine Gratis-Übernachtung ist gleich ein Tag mehr reisen», meint er. Nicht gerade mein Reisevorbild, aber ein brillanter Geschichtenerzähler.

Andere positive Erlebnisse?
Die positivsten Erlebnisse sind stets diejenigen, die direkt nach den negativen folgen. Lösungen, die sich ergeben, wenn etwas gerade aussichtslos erscheint, und natürlich die daran beteiligten Menschen.

Und wo liegt der Haken respektive das Negative?
Das stetige Gefühl, dass die Erde einfach zu gross ist, egal, wie viel Zeit man hat.

Womit beschäftigst du dich unterwegs?
Ohne Hobby oder Arbeit geht vielen unterwegs der Schnauf aus. Der ungebrochene Entdeckungs- und Wissensdurst ist mein Motivator. Aber als tüchtiger Schweizer bin auch ich nicht gefeit vor Langeweile. Schon vor der Abreise habe ich mich dazu entschieden, die Schönheiten und Kuriositäten unserer Welt bestmöglich festzuhalten. In Schrift und vor allem in Bild auf Blog und Website (siehe Steckbrief).

In deinem Blog steht: «Die wahre Kunst des Reisens besteht darin, jeden Tag, jede Sekunde zu geniessen, die Gegenwart zu leben und zu lieben.» Wie schaffst du das?
Wie der nächste Tag wird und was für Menschen ich dabei kennenlerne, ist immer eine Überraschung. Folglich auch nicht immer einfach. Also bescheiden sein und vor allem: akzeptieren. Wer schon bei 50 Grad in einem unklimatisierten Lotter-Bus durch Rajasthan gefahren ist – begraben unter der Hälfte eines dicken Inders – ahnt, was ich meine.

Da steht auch, dass Reisen bildet: Was hast du gelernt?
«Du kannst ein Buch kaufen, aber nicht das Wissen», sagen sie in China. Wer aber mit offenen Augen und Ohren die Welt bereist, dem werden täglich Geschichten erzählt. Ich lerne, wieso Dinge sind, wie sie sind. Ohne meinen Blog könnte ich das kaum alles verarbeiten. Darüber hinaus lernt der Weltenbummler während der Reise auch sich selbst deutlich besser kennen.

Welchen Ratschlag gibst du Menschen, die auch gerne so eine Reise antreten wollen?
Abreisedatum nageln, ein fettes Sparschwein aufstellen und dann raus aus der Komfortzone! Es lohnt sich. Die Welt ist nicht so gefährlich, wie es scheint. Aber Achtung, die Suchtgefahr ist gross.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sille am 04.08.2015 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremdi Erde

    Hut ab. Tolle Lebenseinstellung. Viel spass noch auf der Reise. Würde nachdem ich schon zweimal auf Interrail war gerne auch mal in grösseren Dimensionen reisen gehen.

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  • tinu am 04.08.2015 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturelle Bereicherung

    ...das nenne ich pure kulturelle Bereicherung! Viel Glück dem Wanderer und ich danke bereits jetzt für die nächsten grossartigen Bilder!

  • Melone am 05.08.2015 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück weiterhin

    Herzlichen Dank für die absolut genialen Bildern. Da geht man selber virituell auf Reisen. Ein Künster mit einem Adlerauge.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.D. am 05.08.2015 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Weltenbummler

    Wünsche dem jungen Herrn weiterhin viel Spass. Die Bilder von ihm sind einfach fantastisch. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass die meisten "Weltenbummler" auch die besseren Leute sind. Müsst euch mal achten in eurem Umfeld. Sie sind meistens freundlicher, positiv und toleranter.

  • die maus am 05.08.2015 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    lovely. bilder und geschichte sind toll! sehr schön. ich war letzten oktober auch in kolumbien und habe fast die gleichen bilder gemacht :) ausser isla baru - die hat Claudio mir ganz neu gezeigt. grandios, danke! und an alle, die glauben, dass jemand der so reist wie Claudio es nur tut um aufmerksamkeit zu generieren liegt falsch - er will sein glück einfach nur mit uns teilen. Claudio, danke nochmals dafür!

    • Claudio Sieber am 06.08.2015 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      an die maus

      Danke Maus. Genau so sehe ich das auch:-) Kolumbien - einfach ein geniales Land. Leider eilt dem Land ein schlechter Ruf voraus. Wer die Seite des EDA über Kolumbien gelesen hat, wird wahrscheinlich nie dorthin reisen wollen. Zu schade. Denn die Realität sieht anders aus. Warst du auch beim "Cano Cristales"? Einer meiner Lieblingsorte in Kolumbien, von Cartagena abgesehen.

    • die maus am 06.08.2015 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      an Claudio

      hey Claudio, danke für deine antwort - nein ich war leider nicht im caño cristales - steht mir noch bevor, denn ich war sicher nicht das letzte mal in kolumbien! ein wunderbares land, in dem ich mich mehrmals wieder im paradies gefunden habe. kolumbien wird unglaublich unterschätzt. ich bin sogar eine gute woche alleine an die karabikküste gereist und hatte nicht den hauch eines problems. es kommt halt auch auf die eigene offenheit an und ob man sich auf etwas einlassen kann. es war eine unglaublich reiche erfahrung. geniesse deine reise in vollen zügen und freue dich an deinen erFAHRungen :)

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  • Raphael Siegrist am 05.08.2015 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    On the Road

    Sehr schöne Geschichte! Zum glück gehts im März auch bei mir los. Leider nur für ein Jahr aber immerhin :) Thailand --> Laos --> Vietnam --> Kambodscha --> Phillipinen --> Indonesien --> Australien wo ich mir ein Auto kaufen werde un einmal den Kontinent zu umrunden.

    • Melone am 05.08.2015 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Reise

      Ich drücke Ihnen feste die Daumen dass Sie viele schöne Erfahrungen machen und Ihr Leben damit bereichern.

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  • Alex Frisch am 05.08.2015 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Geld?

    Ich würde auch gerne nach der Lehre noch ca 4 Monate Arbeitspraxis sammeln und danach einfach in der Welt umher reisen :) Leider weiss ich nicht, wie viel Geld dazu benötigt wird. Das ganze Schlafen etc. braucht sicher viel Geld. Hast du dir da einfach im vornherein viel gespart?

  • Melone am 05.08.2015 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück weiterhin

    Herzlichen Dank für die absolut genialen Bildern. Da geht man selber virituell auf Reisen. Ein Künster mit einem Adlerauge.

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