Meine Geschichte

27. März 2015 14:08; Akt: 27.03.2015 14:32 Print

«Endlich bin ich, was ich immer war – ein Mann»

Leser Pasquale ist 26 Jahre alt und transsexuell. In der Serie «Meine Geschichte» erzählt er von dem langen und schwierigen Weg seiner Geschlechtsangleichung.

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Nach einer kleinen Pause geht es weiter mit den Leser-Geschichten. Diesmal möchten wir Ihre grösste Dummheit erfahren. Hauen Sie in die Tasten und verraten Sie im Formular am Ende des Textes, was Sie schon Dummes angestellt haben! Die beste Geschichte erscheint kommenden Freitag in der 20-Minuten-Printausgabe. Passend zu Halloween verfasste Leser Thomas Brunnschweiler im Oktober des vergangenen Jahres eine Grusel-Geschichte. Seine Story finden Sie im E-Paper vom 30. Oktober 2015. Im August suchten wir die beste Festivalstory. Am meisten überzeugt hat uns Thorsten mit einer wunderschönen Liebesgeschichte. Seine Story finden Sie im E-Paper vom 28. August auf Seite 20. Der grösste Zufall, den die Leser je erlebt haben, erzählten sie Ende Juli. Evelynes Geschichte eines Bewohners der Insel Réunion, den sie als Reiseführer-Sujet entdeckte, erschien am 31. Juli 2015 in der Zeitung. Im Juni suchten wir die aufregendste One-Night-Stand-Story. Was Leserin Jasmin an einem Dorffest erlebt hat, lesen Sie in der 20-Minuten-E-Paper-Ausgabe vom 26. Juni auf Seite 24. Im Mai suchten wir Leserinnen und Leser, die aus ihrem alten Leben ausgebrochen sind und ein ganz neues angefangen haben. Die Geschichte von Michael Schmid finden Sie in der 20-Minuten-E-Paper-Ausgabe vom 29. Mai auf Seite 22. Im April baten wir die Leser, Kurzgeschichten zu verfassen. Mehr als 120 Storys schickte die Community ein. Die Geschwister Hanna und Lukas Sägesser präsentierten einen Buchstaben-Krimi () und ... ... Marco Forster beeindruckte mit einer Beschreibung des Vierten Weltkriegs (). Im März bat 20 Minuten die Leserinnen und Leser, ihre Coming-out-Storys aufzuschreiben. Auch «Trans-Mann» meldete sich und erzählte die Geschichte, wie er endlich zu sich selbst fand. Im Februar brachten die Leserinnen und Leser ihre Liebesgeschichten zu Papier. Über 40 Storys erreichten die Redaktion. Die von Vanissa und Sacha hat uns am meisten berührt. Die Geschichte finden Sie

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«Mein Name ist Pasquale, ich bin 26 Jahre alt und ein Trans-Mann. Mit 18 habe ich zum ersten Mal von Transsexualität gehört. Auf einmal verstand ich, was in mir vorging und ich wusste: Ich bin transsexuell und werde den Weg gehen, komme was wolle. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, denn jetzt bin ich endlich, was ich schon immer war – ein Mann. Gäbe es die Möglichkeiten geschlechtsangleichender Operationen nicht, dann hätte ich mir wohl das Leben genommen. Ich hätte nicht die Kraft gehabt, mein ganzes Leben in einem fremden Körper leben zu müssen.

Für die Menschen in meinem persönlichen Umfeld war mein Outing keine grosse Überraschung, denn ich hatte schon immer etwas Jungenhaftes an mir. Bei der Arbeit aber wurde es schwierig. Als Transsexueller einen Job zu finden, ist nicht leicht – ihn auch zu behalten, ist fast noch schwieriger. Als ich 2006 noch am Anfang meiner Geschlechtsangleichung war, hatte ich zwar einen Job im Verkauf gefunden, die Umkleidekabine war für mich jedoch tabu. Auch auf die Toilette durfte ich nicht. Ich musste jedes Mal eine öffentliche Toilette aufsuchen. Durch diese vielen kleinen Einschränkungen wurde der Druck immer grösser, bis ich irgendwann die erforderte Leistung nicht mehr brachte – und mir gekündigt wurde.

«Wie soll das jemand ganz alleine schaffen?»

Etwa ein Jahr später habe ich glücklicherweise einen Job bei Bekannten gefunden. Sie kannten meine Situation und wollten mir helfen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Während einer Geschlechtsangleichung ist man kaum in der Lage, die volle Leistung zu bringen. Es benötigte drei Jahre Vorbereitung und verlangte einen harten Kampf mit der Krankenkasse, bis ich zu den Operationen zugelassen wurde. In den letzten vier Jahren musste ich mich achtmal unters Messer legen.

Ende 2016 sollte ich nach zehn langen Jahren endlich am Ziel sein. Dann möchte ich die Ausbildung zum Pfleger in einem Spital machen. Nebenbei möchte ich auch anderen Transsexuellen helfen, sie beraten und auf diesem schwierigen Weg begleiten. Denn leider hat nicht jeder das Glück wie ich, dass er eine Familie hat, die hinter ihm steht. Ohne meine Familie hätte ich es nicht geschafft. Sie tragen mich in schwierigen Zeiten, bis sie selbst an ihre Grenzen kommen. Wie soll das jemand ganz alleine schaffen?

«Ich bin froh, lebe ich in der Schweiz»

Natürlich gibt es auch in der Schweiz noch Diskriminierungen. Aber ich bin trotzdem froh, lebe ich hier, denn in diesem Land haben wir die Möglichkeit, uns zu helfen. In anderen Ländern bekommt man die Todesstrafe oder wird als Gotteslästerer beleidigt. Auch hat man lange nicht überall die medizinischen Möglichkeiten, die wir hier geniessen dürfen.»

(kam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FrauX am 27.03.2015 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo für diesen mutigen Schritt! Ich gratuliere Ihnen, dass Sie auf Ihr Innerstes gehört haben und sich nicht abschrecken liessen. Eine Familie zu haben, die einen unterstützt ist sehr viel Wert! Ich habe das während meiner Krankheit (Depression - wird noch lange nicht von allen Menschen als ernsthafte Krankheit angeschaut) auch spüren dürfen. Alles Gute auf dem weiteren Weg!

  • Gonzo am 27.03.2015 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab !

    Wir sind wahnsinnig stolz auf dich und deinen Weg Pasci !!!! Gruss von den Piri- Hängers ;)

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  • Big A am 27.03.2015 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Lieber Pasquale. Ich finde es super von dir so viele Herausforderungen auf dich zu nehmen, um das zu werden, was du immer warst - ein Mann. Du machst anderen Mut und zeigst ihnen einen möglichen Weg auf. Du darfst dabei wirklich stolz auf dich sein. Für deine Ausbildung drücke ich dir Daumen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • human nr 2'355'225 am 28.03.2015 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    respektiere transmenschen

    Ich kann sehr viel verstehen ob man sich wie ein mann kleiden will und seine männlichkeit oder weiblichkeit nach aussen präsentieren will (verständlich und schön!)hormone nehmen oder stimme ändern. Aber genitalien verändern?? etwas machen was unwiderruflich ist? sicher? bevor ich so etwas machen würde würde ich erst ins tiefste unterbewusstsein reisen meine inneren konflikte lösen und sehen ob ich noch gleicher meinung bin. ist es nicht auch intolrant die vielfalt der natur nicht zu akzeptieren? das man auch als mann mit einem frauenkörper geboren werden kann oder umgekehrt? will man sich seinem wahren selbst anpassen oder den geschlechterbilder Mann/Frau die die gesellschafft bestimmt? kann man sich nicht als ein gänzlich neues geschlecht betrachten oder fühlt man sich dan einsam? ich würde viele fragen stellen wenn ich den gleichen konflikt hätte und würde auch nie etwas unwiederrufliches machen. man hat ja gelernt das sich horizont und ansicht verändern woher will ich wissen das ich gleich denke in 10 jahren????

  • Rahel B am 28.03.2015 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ganz ganz viel Glück auf Ihrem weiteren Weg... Schön das Sie es geteilt haben.. Das es Mut gibt für andere das es in der Öffentlichkeit endlich unterstützt wird! Alles Gute

  • Denis am 28.03.2015 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Danke das du dies gepostet hast

    Leider ist hier bei uns transsexualidad bis heute etwas abnormales und die Akzeptanz gegenüber den Transsexuellen doch eher gering. Ich verstehe sehr gut was du durchmachen musstest/musst denn meine liebe ist auch eine Transsexuelle auf dem Weg zur Frau.... Danke für deinen Bericht

    • V. Christen am 28.03.2015 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      Macht'so gut

      Viel Mut, Kraft und Erfolg,euch beiden!

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  • Transmann am 28.03.2015 02:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere Pasquale

    Hoi pasquale Ich wünsche dir auf deinem Weg alles gute, Kraft und viel Erfolg! Lieber Gruss

  • Cesca Kraft am 27.03.2015 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Transfrauen??

    Ich kann mich noch gut erinnern, was hier geschrieben wurde, als bekannt wurde, dass mir die IV eine Perücke/Zweithaare zahlen muss! Es war unterirdisch!! Eine heute glückliche Transfrau und seit 4 Monaten wieder mit einem Job. Nach über 5 Jahren.

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