Heuschnupfen

06. Mai 2013 14:51; Akt: 06.05.2013 15:17 Print

«Zahlt die Versicherung eine Desensibilisierung?»

von Viktoria Weber - Endlich zeigt sich das Wetter von seiner guten Seite. Doch damit ist auch die Heuschnupfenzeit wieder da. Zwei Expertinnen vom Allergiezentrum Schweiz geben Antworten auf Leser-Fragen.

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Laut Expertinnen vom Allergiezentrum Schweiz spüren 80 bis 90 Prozent der Personen, die eine Desensibilisierung haben durchführen lassen, eine deutliche Linderung der Beschwerden. (Bild: colourbox.com)

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Laut einer Umfrage von 20 Minuten leiden 85 Prozent aller Allergiker unter Heuschnupfen. In diesem Zusammenhang gingen eine Menge Leser-Fragen zum Thema ein. Sereina Maibach und Karin Stalder vom Allergiezentrum Schweiz gaben darauf sowie auf einige zusätzliche Fragen der Redaktion Antworten.

Tim Weber: Was sind die Gefahren einer Cortison-Spritze? Ich kenne einige Leute, die eine solche gegen Heuschnupfen nehmen.
Kortison hat eine entzündungshemmende Wirkung und wird deshalb für eine medikamentöse Symptombehandlung als Nasenspray oder in wenigen Fällen auch als Tabletten bei einer Pollenallergie eingesetzt. Wird das Kortison nur örtlich in der Nase oder den Augen und richtig angewendet, sind Nebenwirkungen gering. Eine Cortison-Spritze wird aber nicht empfohlen.

Roman Engler: Ich habe Heuschnupfen, seit ich denken kann und kämpfe mich stets mit Zyrtec und Generika durch. Nun ziehe ich eine Desensibilisierung in Betracht. Welche Möglichkeiten gibt es und wie hoch sind die Kosten (Krankenkassenbeteiligung)?
Bei einer Desensibilisierung werden die Allergene in steigender Dosierung verabreicht. Ziel ist es, den Körper an das Allergen zu gewöhnen und so einen immunologischen Schutz aufzubauen. Bei dieser spezifischen Immuntherapie können die Allergene entweder unter die Haut gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden. Für die Therapie ist eine Abklärung beim Allergologen nötig. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Marc: Zu welchem Zeitpunkt sollte eine Desensibilisierung am besten erfolgen, um zu wirken, und wie hoch ist die Erfolgsquote?
Mit einer spezifischen Immuntherapie wird normalerweise im Herbst begonnen, wenn die Pollenbelastung in der Luft wieder sehr gering ist. Die Therapie erstreckt sich dann über einen Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren. Für die Desensibilisierung auf Pollen liegen gute Studienergebnisse vor: Eine deutliche Linderung der Beschwerden kann bei rund 80 bis 90 Prozent der behandelten Patienten erreicht werden.

Gerlinde Gubler: Ich habe seit ich mich erinnern kann Heuschnupfen und habe alles versucht: Akupunktur, Homöopathie, Schröpfen, Fussmassage, Bioresonanz usw. Nichts hat wirklich genutzt. Was kann ich tun, damit eine Linderung eintritt?
Nebst medikamentöser Behandlung gibt es auch einige Tricks, um die Beschwerden zu reduzieren: Während der Pollensaison nur stosslüften oder ein Pollengitter am Fenster montieren. Vor dem Schlafengehen die Haare waschen. Die Wäsche nicht im Freien trocknen lassen. Beim Aufenthalt im Freien Sonnenbrille tragen, auf jede Art von Indoor-Sport ausweichen. Wir empfehlen Ihnen ausserdem, bei einem Allergologen abzuklären, ob für Sie eine spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) infrage kommt.

Sarah Meier: Bisher habe ich immer nur Probleme mit Augen, Nase, Ohren. Es heisst immer, es wird gefährlich, wenn es auf die Lunge geht. Kann das auch später noch kommen?
Wenn die allergischen Reaktionen von den oberen auf die unteren Atemwege (Bronchien, Lunge) greifen, bezeichnet man dies als Etagenwechsel. Allergisches Asthma entwickelt sich vor allem dann, wenn eine Pollenallergie über längere Zeit unbehandelt bleibt.

Weitere Fragen von der Redaktion

20 Minuten: Wann sollte man in der Pollenzeit lüften?

Während der Pollensaison sollte man prinzipiell nur kurz stosslüften. Dies ist entweder früh am Morgen oder später abends zu empfehlen. Bei Regenphasen oder wenn ein Pollengitter am Fenster montiert ist, kann ausgiebiger gelüftet werden.

Gibt es Lebensmittel, die die Symptome verschlimmern können beziehungsweise irgendwie mit der Pollenallergie in Zusammenhang stehen?

Es gibt Nahrungsmittelallergien, deren Ursache eigentlich eine Pollenallergie ist. Dabei kann der Körper verwandte oder ähnliche Proteine von Nahrungsmitteln und Pollen nicht unterscheiden. Verspürt ein Pollenallergie-Betroffener beim Essen bestimmter Nahrungsmittel beispielsweise ein Kribbeln im Gaumen, ein Jucken im Mundbereich und an den Lippen, kann dies auf eine Kreuzreaktion hinweisen. Ungefähr jeder fünfte Betroffene entwickelt eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie. Am häufigsten treten Reaktionen bei Äpfeln, anderen Stein- und Kernfrüchten, Nüssen und Sellerie auf. Schwillt die Zunge beim Essen von bestimmten Nahrungsmitteln an, treten Atemnot oder Hauterscheinungen auf, kann es gefährlicher werden. In diesem Fall sollte ein Allergologe aufgesucht und das Lebensmittel vorerst gemieden werden.

Kann man vom Heuschnupfen-Nasenspray genauso abhängig werden wie von einem normalen Spray?
Einige Präparate sind für die Langzeitanwendung geeignet, andere weniger. Die Anwendung eines Nasensprays über längere Zeit sollte immer vom Arzt verschrieben und kontrolliert werden. Informationen zur Anwendung der einzelnen Präparate finden Sie auch in der Packungsbeilage.

Gibt es beim Einnehmen von Anti-Allergikum Gefahren in Verbindung mit anderen Medikamenten?
Informieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie noch andere Medikamente (auch nicht rezeptpflichtige und pflanzliche Präparate) einnehmen.

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