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Street-Art
30. August 2010 17:35; Akt: 30.08.2010 23:06 Print
Der Stuhl an der Langstrasse
von Franziska Voegeli - In einer Freitagnacht im August warteten auf der Zürcher Langstrasse nicht nur Prostituierte auf Besuch. Auch ein Stuhl freute sich über Laufkundschaft.
Wer sich auf den Stuhl in hellem Rampenlicht setzte, wurde abgelichtet und kann sein Porträt nun online betrachten. Hinter dem spontanen Shooting steckt Meder Kydyraliev. Der 28-Jährige hatte Anfang Jahr in San Francisco schon einmal Passanten absitzen lassen, und so zusammen mit seinem Freund Brandon Downey die Vielfältigkeit des Mission-Districts in seiner Aktion «Take a seat» verewigt.
Ein Quartier mit vielen Gesichtern
Darum ging es dem Hobby-Fotografen auch an besagtem Freitagabend in Zürich: «Ich wollte damit die verschiedenen Gesichter des Quartiers zeigen.» Um 22 Uhr gings los. Kydyraliev und Manuel Franceschini stellten an der Langstrasse Ecke Dienerstrasse einen Stuhl und eine Lampe auf und knipsten vier Stunden lang ab, wer immer sich darauf einliess. Die Leute erhielten den Link zu einer Flickr-Gruppe, wo die Portraits hochgeladen wurden. Einige der Bilder sehen Sie in der obigen Bildstrecke.
Tamara W. war ebenfalls den ganzen Abend mit von der Partie. Eine Freundin hatte sie gefragt, ob sie zum Strassen-Shooting mitkomme. Was das genau war wusste W. auch erst, als sie es sah. Und eh sie sich versah, forderte sie selbst Passanten dazu auf, sich hinzusetzten und fotografieren zu lassen: «Bei einigen brauchte es schon ein wenig Überredungskunst. Aber gelohnt hat es sich, es war ein sehr lustiger Abend.»
Da gab es zum Beispiel den Breaker, der gar nicht zufrieden war mit seinem move und es eigentlich noch besser machen wollte. Oder den Typen mit dem Dobermann, der seinen tättowierten Rücken fotografieren liess. Just als er diesen der Kamera zuwandte, sprang ein weiterer Mann mit den Worten «Wart schnell!» dazu und riss sich ebenfalls das T-Shirt vom Leib. «Manche blieben nur ganz kurz, absitzen, Foto und weg. Andere wollten gar nicht mehr gehen», so Tamara W.
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