Krankenkassen-Wechsel

02. November 2009 11:57; Akt: 02.11.2009 16:11 Print

So sparen Sie sich gesund!

Wer seine Krankenkasse wechseln will, hat noch bis Ende November Zeit dafür. Doch vieles scheint unklar. Darf man zum Beispiel als Schwangere die Versicherung wechseln? Wie vertrauenswürdig sind sogenannte Billigkassen? Hier werden die drängendsten Fragen der Leser beantwortet.

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(Bild: Keystone)

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Im neuen Jahr steigen die Prämien der Krankenkassen um bis zu 40 Prozent. Nicht nur deshalb ist es ratsamer denn je, die Grundversicherung zu vergleichen (hier gehts zum Prämien-Rechner) und im Bedarfsfall zu wechseln. Denn: Wie eine Erhebung von Comparis zeigt, können 90 Prozent der Versicherten durch den Umstieg auf eine andere Krankenkasse weniger zahlen als bei der alten – das krisengeschüttelte Portemonnaie wird es danken.

Doch was gilt es dabei eigentlich zu beachten, und ist es für tatsächlich jeden empfehlenswert, die Krankenkasse zu wechseln? Vor allem ältere Menschen, Schwangere und chronisch Kranke scheinen diesbezüglich verunsichert. Christoph Biveroni, Krankenkassen-Experte beim Vergleichsdienst Comparis, beantwortete die Fragen der Leser. Hier die häufigsten:

«Ich bin im 6. Monat schwanger. Kann ich trotzdem die Grundversicherung wechseln?»
Ja. Die Grundversicherung ist für alle Einwohner der Schweiz obligatorisch. Die Krankenkassen müssen von Gesetzes wegen für die gleichen Leistungen aufkommen und jeden Versicherten aufnehmen, unabhängig vom Lebensumstand.

«Ist es für Schwangere ratsam, die Höhe der Franchise zu ändern?»
Auf Leistungen bei Mutterschaft muss in der Grundversicherung weder Franchise noch Selbstbehalt bezahlt werden. In einer Risikoschwangerschaft (z.B. bei Zwillingen, bestehenden Krankheiten wie Diabetes) finden die Leistungen allerdings nach klinischem Ermessen statt, die von der Grundversicherung bezahlt werden. In diesen Fällen lohnt sich eine tiefe Franchise.

«Ich befinde mich in einer Behandlung und habe eine chronische Krankheit. Kann ich trotzdem die Grundversicherung wechseln?»
Ja. Die Grundversicherung ist für alle Einwohner der Schweiz obligatorisch. Die Krankenkassen müssen von Gesetzes wegen für die gleichen Leistungen aufkommen und jeden Versicherten aufnehmen, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand.

«Ich habe meine Grund- und Zusatzversicherung bei der gleichen Kasse. Entstehen Nachteile für mich, wenn ich zu einer anderen Grundversicherung wechsle?»
Prinzipiell ist zu sagen, dass ein Wechsel der Grundversicherung jedes Jahr vollzogen werden kann. Es gibt allerdings Fälle, wo sich eine genauere Analyse lohnt. Hat ein Versicherter Grundversicherung und Zusatzversicherung bei derselben Kasse und erhält dadurch einen Rabatt (z.B. im Fall von Kollektivverträgen des Arbeitgebers), kann dieser gestrichen werden. Gewisse Kassen gewähren einen Familienrabatt, der beim Wechsel eines einzelnen Familienmitglieds entfallen kann. Dennoch kann es in vielen Fällen günstiger sein, die Grundversicherung bei einer anderen Kasse zu haben.

«Was ist von sogenannten Billigkassen zu halten? Sind deren Angebote seriös und nehmen die überhaupt ältere Versicherte auf?»
Die Leistungen in der Grundversicherung sind bei allen Kassen gleich. Jede Kasse muss jeden Versicherten aufnehmen, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Das heisst, dass auch die sogenannten Billigkassen einen umfassenden Versicherungsschutz garantieren, für alle Versicherten. Häufig fokussieren sie auf neue, schlanke Vertriebswege (z.B. Online-Vertrieb), was ihre Kostenstruktur positiv beeinflusst und ihre Attraktivität bei jüngeren Zielgruppen erhöht.

«Welche Franchise ist für mich die richtige? Wenn ich nur selten zum Arzt gehe, ist dann eine hohe Franchise sinnvoll?»
Bei Erwachsenen stehen 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 Franken pro Jahr zur Wahl. Das gesetzliche Minimum beträgt 300 Franken. Bei Kindern besteht kein gesetzliches Minimum («0er-Franchise»), und es werden andere Wahlfranchisen angeboten. Je höher die Franchise, desto höher der Prämienrabatt. Die Jahresfranchise kann jeweils auf Ende Jahr geändert werden. Der Nachteil ist, dass eine höhere Franchise auch eine höhere Kostenbeteiligung bedeutet; hohe Franchisen eignen sich deshalb vor allem für gesunde Erwachsene. Für Kinder und werdende Mütter sollte die Jahresfranchise nicht erhöht werden, da regelmässig Kosten anfallen.

«Ich möchte meine Grundversicherung auf nächstes Jahr hin wechseln. Kann ich dann in ein paar Jahren wieder zurückwechseln?»
Ein Wechsel kann jedes Jahr bis Ende November vollzogen werden. Die Grundversicherung ist gesetzlich dazu verpflichtet, jede Person aufzunehmen – ausser sie hat noch Prämien bei der alten Kasse offen.

«Ich bin seit 50 Jahren bei meiner Krankenkasse privat versichert. Bisher habe ich kaum Leistungen bezogen. Trotzdem ist die Prämie auf über 3000 Franken pro Jahr gestiegen. Was kann ich jetzt machen?»
Leider nimmt kaum eine Krankenkasse Zusatzversicherte über 50 neu auf. Und die Prämien steigen gewöhnlich mit zunehmendem Alter umso stärker. Falls man also auf den erweiterten Versicherungsschutz einer Zusatzversicherung angewiesen ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als die stark ansteigenden Prämien zu akzeptieren. Es lohnt sich allenfalls, bei derselben Kasse die Versicherungsdeckung zu reduzieren, z.B. von Privat auf Halbprivat umzusteigen. Ein solcher Wechsel von einer «höheren» in eine «tiefere» Kategorie ist in der Regel ohne Gesundheitsprüfung möglich.

«Ich bin seit Jahren wegen einer chronischen Erkrankung bei einem Spezialisten in Behandlung. Wenn ich zum Hausarztmodell wechsle, muss ich dann erst zum Hausarzt oder kann ich weiterhin meinen Spezialisten aufsuchen?»
Wer zum Hausarztmodell wechselt, muss zuerst seinen Hausarzt aufsuchen, um mit ihm das weitere Vorgehen zu vereinbaren. Dieser wird aber im Normalfall dem Versicherten
ermöglichen, anschliessend immer direkt zum Spezialisten gehen zu können, da sonst das Hausarzt-System (Kosten sparen) ja regelrecht ausgehebelt würde.

«Was ist das Hotellerie-Modell?»
Hotellerie-Modelle beinhalten einen Anspruch auf Ein- oder Zweibettzimmer, jedoch ohne die freie Arztwahl. Dies ist für diejenigen Versicherten interessant, die Wert auf Spital-Komfort legen, ohne dass sie die (teure) Arztwahl bezahlen wollen.

Was sind Flexmodelle?
Bei Flexmodellen erfolgt die Wahl der Spitalabteilung erst beim Spitaleintritt. Für die allgemeine Abteilung ganze Schweiz wird volle Kostendeckung gewährt, für die Halbprivat- oder Privatabteilung eine Beteiligung im Umfang eines zuvor festgelegten Betrags oder Anteils. Dies ist für diejenigen Versicherten interessant, welche sich die Entscheidung pro/kontra Spital-Komfort und freie Arztwahl für den Krankheitsfall vorbehalten wollen, ohne a priori eine teure Halbprivat- oder Privatversicherung bezahlen zu müssen.

«Ich habe den Versicherungsantrag der neuen Krankenkasse unterschrieben. Als ich den Versicherungsausweis erhielt, stimmte weder die mit dem Agenten vereinbarte Prämie noch der vereinbarte Hausarzt. Zu diesen Bedingungen möchte ich nicht wechseln. Wie komme ich wieder aus dem Vertrag heraus?»
Falls Sie noch nicht gekündigt haben, brauchen Sie nichts zu unternehmen, denn Sie bleiben automatisch bei der bisherigen Krankenversicherung. Falls die Kündigung schon abgeschickt ist: Am besten mit der neuen Krankenkasse, gegebenenfalls mit dem Ombudsmann der Grundversicherung Kontakt aufnehmen.

(hes)

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