Lieber Phil Geld

12. Oktober 2012 12:05; Akt: 12.10.2012 12:54 Print

Habe ich ein Recht auf bezahlte Überstunden?

Martin (25) macht regelmässig Überstunden. Sein Chef weigert sich, ihn dafür zu bezahlen. Bleibt Martin ohne Entschädigung auf seinen Überstunden sitzen?

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In einem gewissen Mass sind Angestellte dazu verpflichtet, Überstunden zu machen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich arbeite seit Anfang Jahr bei einem neuen Arbeitgeber. Ich stemple meine Arbeitszeit nicht, schreibe meine Überstunden jedoch manuell auf. Mein Chef hat mir jetzt mitgeteilt, dass ich meine Überstunden weder ausbezahlt noch in Ferientagen rückvergütet bekomme. Er verweist auf die fliessenden Arbeitszeiten in unserer Firma und die Tatsache, dass ich nicht stemple. Gibt es eine Möglichkeit, wie ich meine Überstunden dennoch einholen kann?

Lieber Martin

Wirf als erstes einen Blick in deinen Arbeitsvertrag. Wenn dort vereinbart wurde, dass Überstunden nicht abgegolten werden, kannst du leider keine Entschädigung einfordern.
In einem gewissen Mass sind Angestellte in der Schweiz sogar dazu verpflichtet, Überstunden zu machen, wenn es notwendig ist. Das schreibt das Obligationenrecht vor (Art. 321c).

Dein Fall ist insofern heikel, als dass du deine Arbeitszeit nicht per Stempeluhr erfasst. Wenn du stempeln würdest, könntest du deine Überstunden ohne weiteres beweisen. Dass du deine Arbeitszeiten nur von Hand aufschreibst, macht den Beweis schwieriger.

In der Praxis darf eine Überstundenforderung aber nicht ausschliesslich davon abhängig gemacht werden, dass jede einzelne Überstunde minutiös nachgewiesen werden kann. Es muss einfach unbestritten sein, dass du die Überstunden geleistet hast.

Darum ein wichtiger Tipp für die Zukunft: Du solltest deinen «Stundenzettel» ab sofort jeden Monat von deinem Chef unterschreiben lassen. Damit anerkennt er deine Überstunden.

In deinem Fall hängt vieles davon ab, ob du deinen Chef darüber informiert hast, dass du Überstunden schiebst. Wenn dem so ist und er nichts dagegen unternommen hat, hat er sich stillschweigend mit deinen Überstunden einverstanden erklärt.

Das ist die Voraussetzung für eine Entschädigung. Diese Entschädigung kann auf zwei verschiedene Arten geschehen: Entweder kannst du fordern, dass du die Überstunden durch Freizeit kompensieren kannst – und zwar in gleicher Höhe wie die Anzahl Überstunden. Das geht aber nur, wenn beide Parteien – also der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer – damit einverstanden sind.

Wenn dir dein Chef keine Kompensationstage gewährt, muss er dir für die Überstundenarbeit Lohn zahlen. Das Obligationenrecht schreibt (falls vertraglich nichts anderes vereinbart wurde) neben dem Normallohn sogar einen Zuschlag von mindestens 25 Prozent vor.

Wichtig ist auch die Frage, ob du Überstunden oder sogenannte Überzeit geleistet hast. Von Überstunden spricht man, wenn du länger arbeitest, als in deinem Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Beispiel: Dein vertragliches Pensum beträgt 40 Stunden pro Woche. Wenn du 43 Stunden gearbeitet hast, hast du 3 Überstunden gemacht. Übersteigt die Überstundenzahl zudem die arbeitsgesetzliche Höchstarbeitszeit in deiner Branche, dann ist von Überzeit die Rede.

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt beispielsweise im Büro 45 Stunden pro Woche. Hast du 48 Stunden gearbeitet, kommen zu deinen drei Überstünden auch noch drei Stunden Überzeit hinzu.

Eine gesetzliche Entschädigungspflicht besteht für Büropersonal sowie technische und andere Angestellte laut Arbeitsgesetz (Art. 13) allerdings nur, wenn die Überzeitarbeit mehr als 60 Stunden im Jahr ausmacht.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martial Callair am 15.10.2012 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es lohnt sich nicht!

    Mit Überstunden regelmässig zu leisten, wäre ich vorsichtig. Ich kenne keine Geschäfte die an Mitarbeiter etwas schenken, nicht einmal einen halben Tag!

  • Kurt am 12.10.2012 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So faul sind die jungen heute

    Ich arbeite auch jeden tag 10-13 stunden und darf die zeit nicht erfassen. Mich stört das doch nicht,habe ja freude am job und bin froh überhaupt einen zu haben

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  • El Roboto am 12.10.2012 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gewohnheit.

    Ich sehe wenig Hoffnung. Dein Chef hat sich schon an diesen Umstand gewöhnt, dass er dich Überstunden arbeiten lassen kann. Davon abrücken wird er kaum. Suche dir eine neue Stelle. Es scheint dir eh nicht besonders dort zu gefallen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Wegmann am 15.10.2012 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Burnout

    Nur mal so, ich habe mehr als 60h Überzeit im Monat geleistet, bis ich ein Burnout hatte (kompensieren lag nicht drinn, auch das HR fand, man kann nichts machen). Jetzt lande ich in der IV. Auf die Problematik angesprochen, werden die auch nichts unternehmen. Liebe Allgemeinheit, ich weiss es war ein Fehler von mir soviel mehr zu arbeiten. Leider konnte ich die Zeit auch nie kompensieren wenn es möglich war. Nun zahlen alle die Zeche für diesen Missstand, den er wird nie behoben werden und ich werde daher nie mehr wieder arbeiten können, obwohl ich gerne wollte, das Trauma sitzt zu tief.

  • Karli Huber am 15.10.2012 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Überstunden um dem Chef zu gefallen?

    Kader kann man es zumuten gewisse Stunden kostenlos zu arbeiten. Bei den Löhnen ist das inbegriffen, aber nicht bei einer Kassiererien im Supermarkt.

  • Martial Callair am 15.10.2012 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es lohnt sich nicht!

    Mit Überstunden regelmässig zu leisten, wäre ich vorsichtig. Ich kenne keine Geschäfte die an Mitarbeiter etwas schenken, nicht einmal einen halben Tag!

  • Andreas am 13.10.2012 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mal so und mal so!

    Das ist von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Bei meinen letzten 2 Jobs, war es sehr unterschiedlich, obwohl ich die gleiche Arbeit gemacht habe. Die Stundenliste wurde von Hand ausgefüllt. Der erste Arbeitgeber bezahlte keine Überstunden und Überzeit, auch wenn es mehr als 60h pro Jahr waren. Beim zweiten konnte ich jede einzelne Überstunde kompensieren mit Freizeit. Ratet mal, wo ich lieber gearbeitet habe? Fact ist, dass man solche Details vor Vertragsunterschrift klärt.

  • Kurt am 12.10.2012 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So faul sind die jungen heute

    Ich arbeite auch jeden tag 10-13 stunden und darf die zeit nicht erfassen. Mich stört das doch nicht,habe ja freude am job und bin froh überhaupt einen zu haben

    • Sarina Frei am 13.10.2012 00:19 Report Diesen Beitrag melden

      Faulheit?Dreiste Pauschalisierung!

      Was denken Sie sich denn? Das es als junger Mensch einfach ist einen Job zu bekommen, bei dem man nicht unterbezahlt, unterfordet und ausgenutzt wird, trotz Bildung und Fähigkeiten? Wie pauschal und unbedarft Ihr Urteil doch ist. Freuen Sie sich doch einfach für sich, dass Sie einen solchen Job haben, wie Sie ihn beschreiben. Jeder Fall ist anders und sollte auch differenziert betrachtet werden.

    • Reto Rickenbacher am 13.10.2012 00:59 Report Diesen Beitrag melden

      nicht faul, vernünftig

      vielleicht arbeitest du (@Kurt) auch dermassen ineffizient, dass du für die Arbeit, die ein anderer in 8 Stunden erledigt, 13 Stunden brauchst oder du bist nicht in der Lage, diese Arbeit zu teilen oder zu delegieren. Auf jeden Fall hat eine permanente Arbeitszeit von 13 Stunden pro Tag auch einen sozialen Aspekt, du nimmst einem andern eventuell aus Egoismus oder eventuell auch aus Unvermögen, den Job weg. An deiner Stelle würde ich über die Bücher gehen und nicht über andere wettern

    • Petra Strähler am 13.10.2012 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      Hat nicht immer mit der Faulheit zutun.

      Das hat nicht immer mit Faulheit zu tun. Wenn man jeden Tag 10-13 Stunden arbeitet, muss dies vergütet werden in Form von Geld oder kompensierten Feiertagen. Es steht meistens auch in einem Gesamtarbeitsvertrag wie die Sache zu regeln sei. Auch der Arbeitgeber hat Rechte und Pflichten gegenüber dem Arbeitnehmer zu befolgen. Klar kann man mal ein Auge zudrücken und länger arbeiten auch "goodwill". Nur sollte man die Arbeitnehmer nicht ausnützen....

    • Walter Portmann am 13.10.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch gemacht

      Hallo Wer kein Privatleben hat, lebt so. Ist aber total falsch, denn wir leben nicht zum Arbeiten, sondern sollen durch Arbeiten unseren Lebensunterhalt verdienen. Wer keine Freunde hat und keinen Hobbies nachgeht, arbeite, schläft und isst. Muss das aber toll sein !?

    • Frank am 13.10.2012 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Jedem das seine

      Tja, das nennt man dann "leben um zu arbeiten". Andere leute "arbeiten, um zu leben" und haben auch noch andere Interessen und Hobbies ausser dem Job.

    • Armin am 13.10.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Hat nichts mit faul zu tun

      Naja wer sich ausnutzen lässt, ist natürlich selber Schuld :) Gut gibt es auch solche, sonst hätte vermutlich jeder Probleme mit dem Chef und es würde viel zu viel Zeit dafür investiert werden... PS, solange du keine Frau und/oder Kinder hast, um die du dich kümmern musst, dir deine Freunde völlig egal sind und du auch auf deine Gesundheit verzichten kannst, ist es im allgemeinen einfacher, 10 - 13h zu arbeiten :)

    • Patrick Gubler am 13.10.2012 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kampf um Rechte

      Wegen Menschen wie Ihnen wären wir jetzt noch im Steinzeitalter, was das Arbeitsrecht für Arbeitnehmer angeht. Unsere Vorfahren, welche dafür kämpfen mussten, drehen sich gerade aufgrund Ihrer Aussage im Grabe um... Der Gipfel ist, dass Sie da die Jungen noch schlechtreden. Die neue Generation wird in der Summe für Ihre und die eigene Rente so lange ackern müssen, wie Sie im Leben nie gearbeitet haben -- auch nicht mit Ihren lächerlichen 13h/Tag. Aber mich beruhigt der geniale und doch einfache Mechanismus der Natur, welcher automatisch Altes gegen Neues tauscht -- ohne wenn und aber.

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