Dein Leben. Deine Storys.

01. Juni 2017 09:32; Akt: 06.09.2017 19:36 Print

Elli (23) atmet mit der Lunge eines anderen

von Christian Messikommer - Elli ist mit Zystischer Fibrose zur Welt gekommen. Ihre Lunge verklebte zunehmend. Seit einer Transplantation kann die Aargauerin aufatmen.

Wir haben Elli im Zürcher Niederdorf getroffen. (Video: 20 Minuten)
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Elli ist nichts anzusehen. Sie wirkt agil, dynamisch, ist vielleicht etwas sehr schlank, aber nicht so, dass man sich Sorgen machen müsste. Das war vor drei Jahren ganz anders: Damals wog sie bei 160 cm Körpergrösse gerade noch 32 Kilo, ihr Körper war kurz davor aufzugeben.

Die Aargauerin kam mit Zystischer Fibrose (CF) zur Welt, einer vererbbaren Stoffwechselstörung, von der etwa 1000 Menschen in der Schweiz betroffen sind. Die Diagnose wurde kurz nach ihrer Geburt gestellt, nachdem sie mit einem Darmverschluss, einem typischen Symptom für CF, geboren worden war.

Zermürbendes Warten

Die Krankheit verlief unauffällig bis zur Pubertät. Dann fiel Elli das Atmen schwerer, ein Husten mit klebrigem Schleim plagte sie, sie verlor zunehmend an Kraft und Energie, war immer öfter im Spital. Ihre Lunge drohte zu versagen, als man sie vom Spital nicht mehr nach Hause liess.

Elli wurde zunehmend schwächer und apathisch. Als sie auf die Transplantationsliste gesetzt wurde, sass sie bereits im Rollstuhl, weil Gehen zu anstrengend war. Bald war ihr Zustand so schlecht, dass sie bettlägerig wurde. Ihr Name stand nun ganz oben auf der Dringlichkeitsliste. Doch das Spenderorgan liess auf sich warten, was sie fast das Leben kostete. Statt der durchschnittlichen zehn wartete sie 40 zermürbende Tage auf die Lunge. Ihr Lebenswille schwand.

Keine bleibenden Schäden

Dann, als Elli trotz Sauerstoffmaske bei jedem Atemzug nach Luft ringend, schon fast nicht mehr zu hoffen wagte, ging alles sehr schnell. Ein Spenderorgan war gefunden, die Operation verlief nach Angaben der Ärzte sehr erfolgreich. Nach der Transplantation wachte Elli auf und konnte atmen «wie nie zuvor in ihrem Leben». Sie war zwar noch schwach, abgemagert und erschöpft, aber die Lebensgeister kehrten zurück.

Danach begann ihr langer Weg zurück in ein normales Leben. Wegen einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse muss sie sich noch heute vorsichtig wie eine Diabetikerin ernähren. Schnelle Gewichtszunahme ist da unmöglich. Mit viel Physiotherapie und einem strikten Ernährungsplan konnten Elli und das medizinische Fachpersonal jedoch bleibende Schäden der Unterernährung abwenden.

Tattoo für den Spender

Ihrem Spender und seinen Angehörigen ist sie unendlich dankbar. Bei einer Transplantation wird den beteiligten lebenden Personen die Identität der jeweiligen Gegenpartei nicht offenbart. Dem Empfänger wird jedoch die Möglichkeit gegeben, den Angehörigen des Spenders einen Brief zu schreiben. Das hat die tief dankbare Elli auch getan.

Die zierliche 23-Jährige hat zwar eine wage Vermutung zu Geschlecht und Statur ihres Spenders, glaubt aber nicht, dass sie je erfahren wird, wer der Mensch war, der vorher mit ihrer Lunge geatmet hat. Damit sie sich jeden Tag an diese Person erinnert, hat sie sich am Oberschenkel ein Tattoo stechen lassen.

Über Organspenden nachdenken

Heute ist Elli fast wieder normalgewichtig und deutlich fitter. Sie macht eine zweite Ausbildung und geniesst ihre Unabhängigkeit. War das Reisen für sie früher unmöglich, steht ihr heute die Welt offen. Doch ganz frei ist sie nicht. Sie benötigt «jeden Tag eine Handvoll» Medikamente. Diese sollen unter anderem verhindern, dass ihr Körper die Lunge abstösst.

Elli hat uns ihre Geschichte im Rahmen der Reihe «Dein Leben. Deine Story.» erzählt, in der die 20-Minuten-Community intime und spannende Einblicke in ihr Leben gibt. Die 23-Jährige hätte jeden Grund, eine flammende Fürsprecherin für Organspenden zu sein, trotzdem missioniert sie nicht. Sie möchte aber, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt: «Egal, ob ihr euch für oder gegen eine Organspende entscheidet; es ist wichtig, dass ihr euch entscheidet.» Elli freut sich über Besuche auf ihrem Instagram-Account, ihrer Facebook-Seite und ihrer Homepage.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 31.05.2017 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder sollte Organspender sein!

    Tolle Story. Leider schade, dass Organspende für viele Menschen gar kein Thema ist oder sie nicht darüber nachdenken. Ich trage seit Jahren immer ein Organspenderausweis auf mir. ich kann meine Organe ja nicht mitnehmen ins Jenseits.

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  • Nora am 31.05.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Organspendeausweis

    Danke für diesen tollen Bericht! Seit dem 12. Lebensjahr habe ich einen Organspendeausweis und kann nur schlecht nachvollziehen, warum viele Menschen das nicht auch machen. Klar, es gibt Glaubensfragen, das verstehe ich. Aber viele mit denen man darüber spricht antworten auf die Frage "warum nicht" mit "einfach... will i's komisch finde". Schade.

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  • Krankheit am 31.05.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wow!

    danke für diese Geschichte. Ich kenne ein Mädchen das auch dringend eine bräuchte.. :( Instagram: artiproblems HELP

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Svenia Fausch am 02.06.2017 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Lungentransplantation erfolgreich überstanden!

    Hallo zusammen :) Ich bin seiht 3 Monaten Lungentransplantiert & bereits nach dieser kurzen Zeit geht es mir sehr gut! GENIESSE JEDEN TAG!.. es gibt viele Meinungen sich dafür oder dagegen zu entscheiden!, Mein Leben lebe ich im jetzt & denke nicht was in 5, 10 Jahre ist deshalb bin ich meinem Spender enorm dankbar!

  • Faule Sau am 01.06.2017 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Organspende als Standard

    Es sollte keinen Organspenderausweis geben, sondern einen Nicht-Organspenderausweis. Viele würden Spenden, interessieren sich aber zu wenig um aktiv zu werden. Ich bin da keine Ausnahme. Wer bewusst nicht Spenden will soll einen Ausweis beantragen.

    • Yami am 02.06.2017 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      So einen habe ich bereits

      So einen habe ich. Ist im Ausland zu empfehlen sonst....

    • Leser am 02.06.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ja genau

      Wer spenden will soll sich einen Ausweis machen, du hast niemandem vorzuschreiben was mit SEINEM Körper nach dem ableben passieren soll. Solange Milliardäre schon 7 neue Herzen bekommen haben nur weil sie sich zu gut sind zum sterben, spende ich keine Organe!!

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  • Arzt am 01.06.2017 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Risiko Organtranspl. Tion

    Beeindruckend. Nur schade ist dass sie in 30jahren an krebs sterben könnte weil sie nun ihr immunsystem zwingend abschwächen muss, damit die lunge nicht abgestossen wird

    • Blubb am 01.06.2017 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Angeblicher Arzt

      In 30 Jahren.....Das ist lange sehr lange für jemand der gerade 23 und Sterbenskrank ist.... Der Nickname Arzt ist eher FehlamPlatz

    • Kurt M am 01.06.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ungeschickt

      Ich bin auch Lungentransplantiert . Allerdings möchte ich Sie nicht als Arzt . Denn demotivieren kann ich mich auch selbst .

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  • myday am 01.06.2017 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    betroffen

    ich selbst habe eine transplantierte niere & schätze jeden öffentlichen beitrag über die organspende. ein organspenderausweiss bedeutet nicht, dasss man spender ist! jeder kann selber entscheiden wo er sein kreuzli im ausweiss ausfüllt :) danke!

  • strubeli1 am 01.06.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Warum so Egoistisch

    Sehr traurig...Sterben täglich Junge und Eltere Leute und zu 97 % wird nicht gespendet.Und der verstorbene wird mit all deren Lebenswichtigen Organe Verbrannt..dass muss nicht sein...Ein Mensch hat soviel wertvolles zu spenden auch Ältere Leute sind gemeinnt. Also ein Spendersusweis gehört ins Portemonnaie und die Familie eingeweiht dass es mein wunsch ist Leben zu retten .Jeder der dass nicht tut ist ein purer Egoist

    • MeineFreieMeinung! am 01.06.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      Toll

      Ich verstehe ihre Einstellung und finde diese super! Nur weiss ich nicht was es bei mir zu "verwehrten" gibt. Ich rauche (zum Genuss!!) und trinke ab und zu. Keine ahnung was man da noch nehmen will.

    • Leser am 02.06.2017 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      Mein Körper

      Ist kein Ersatzteillager. Krank diese Einstellung zu glauben man könne alle anderen zu etwas zwingen...

    • Leser am 02.06.2017 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      Egoistisch?

      Und wie egoistisch ist es von anderen etwas zu fordern worauf man keinerlei Anspruch hat? Wie egoistisch ist es von ihnen zu Essen, während in Afrika Kinder verhungern aber gleichzeitig Leute die keine Organe spenden als Egoisten zu bezeichnen?

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