Fast 400 Kommentare

26. Juni 2013 17:02; Akt: 27.06.2013 11:03 Print

«Ich, 59, suche seit 23 Monaten einen Job»

Dass immer mehr Angestellte über 50 Jahre entlassen werden und bereits schon 41 Prozent von ihnen zu den Langzeitarbeitslosen gehören, empört die Leserschaft von 20 Minuten.

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Die Jobsuche wird für über 50-Jährige immer schwieriger. (Bild: Martin Ruetschi)

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Viele Firmen beschäftigen lieber junge als ältere Menschen. Darüber regen sich die 20-Minuten-Leser auf. Und auch die Tatsache, dass bereits 23 Prozent der über 50-Jährigen arbeitslos sind und gar 41 Prozent von diesen wiederum zu den Langzeitarbeitslosen gehören, löste rege Diskussionen im TalkBack aus. Viele der fast 400 Kommentar-Schreiber sind sich einig, dass man mit 50 zum alten Arbeitseisen gehört. So schreibt Hans-Peter: «Ich bin 59, suche seit 23 Monaten einen Job. Null Chance! Ich erscheine nicht mal in der Arbeitslosenstatistik, weil ich einen Zwischenverdienst habe.»

Marco schreibt zuhanden der Politiker, dass es widersinnig sei, dass der Bundesrat das Rentenalter erhöhen will: «Gebt erst mal den Ü-50ern Jobmöglichkeiten, bevor ihr noch mehr Arbeitslosigkeit schafft.» Wü40 ist der Meinung, dass aber nicht den Politikern allein die Schuld in die Schuhe geschoben werden kann: «Die unzähligen Absagen, die ich in den letzten zwei Jahren bekam, wurden nicht von Politikern verfasst, sondern von den Personalchefs. Man kann über Politiker schimpfen wie man will, letztendlich sind aber die Unternehmen dafür verantwortlich, und die werden sich von der Politik – egal ob links oder rechts – sowieso nichts vorschreiben lassen, was ihren Gewinn schmälert.»

Vitamin B wichtiger als Jugend

John meint, dass es gar nicht am Alter liegt, sondern am Vitamin B: «Man muss die richtigen Leute kennen, dann findet man immer einen Job, auch mit 60.» Wer nicht die richtigen Leute kennt, könnte es mit dem Tipp von Karina versuchen: «Ich bin dafür, dass man Bewerbungen ohne Personalangaben schreibt. Nur Name, Adresse, Telefon und Mail. Es ist nicht in Ordnung, dass Mitarbeiter nach ihrem Alter ausgesucht werden und nicht nach ihren Qualifikationen!»

Eine einfach Lösung bietet Franz an: «Man sollte Firmen dazu verpflichten, dass sie eine gewisse Prozentzahl an über 50-jährigen Mitarbeitern beschäftigen müssen.» Doch so lange es diese Pflicht nicht gibt, könne man sich ja selbstständig machen. Diese Möglichkeit jedenfalls wird in den Kommentaren diskutiert, worauf User 807687 meint: «Genau das habe ich gemacht, und dafür meine Pensionskasse auf den Putz gehauen und eine kleine Firma gekauft, die runtergewirtschaftet war und habe sie existenzsichernd aufgebaut. Mein behinderter Partner ist integriert und wir – beide einiges über 50 – können nun nie mehr gekündigt werden und leben ohne jeglichen Druck, irgend jemandem genügen zu müssen. Doch Singi relativiert: «Und wer gibt einem das Geld für eine Selbständigkeit? Vielleicht haben das nicht alle. Vor allem haben heute viel mehr Mitfünfziger Kinder, die noch schulpflichtig sind, als noch vor 20 Jahren. Da haben nicht alle mal locker was auf der hohen Kante.»

Hoffnung schöpfen kann, wer den Beitrag von «Ein IT-Leiter» liest: «In meinem IT-Team (Durchschnittsalter ist 30) mit zwölf Mitarbeitern habe ich bewusst zwei Ü50er angestellt. Warum ? Wenn es etwas hitzig und hektisch wird und manchmal auch der Umgangston darunter leidet, bringen ältere Teammitglieder Ruhe und Coolness rein.»

Wie die Alten, so die Jungen

Dass aber nicht nur die «Alten» diskriminiert werden, beweist Röbis Kommentar: «Als kaufmännischer Lehrabgänger musste ich sieben Monate suchen, um eine Stelle zu finden. Sieben Monate lang wurden mir vom RAV 60 Prozent vom Lehrlingslohn bezahlt (ca. 550 CHF). Ich habe weit über 200 Bewerbungen geschrieben, die wegen meiner Jugend und mangelnder Erfahrung abgelehnt wurden.»

Den vielen Kommentatoren, die den Einwanderern die Schuld an der Job-Knappheit für Ältere geben, hält Eranda entgegen: «Ich habe ca. 200 Bewerbungen für meinen 50-jährigen Vater geschrieben. Als Kosovare ist es sowieso doppelt so schwer, eine Stelle zu finden.»

Nicht resignieren, ist Chrigels Devise: «Es hat auch einen Vorteil, wenn man weiss, dass die Firma keinen über 50 einstellt. Man stellt seine Bedürfnisse in den Vorder- und die der Firma in den Hintergrund. Ein fataler Kreislauf startet. Die Wende wird kommen, aber es wird diesen Firmen erst richtig richtig wehtun müssen.»

Der regen Diskussion schliesslich einen Schlusspunkt setzt Valnes: «Mich würde interessieren, ob schon einmal seriös und wissenschaftlich untersucht wurde, weshalb die Firmen tatsächlich keine älteren Arbeitnehmer wollen. Erst wenn die wirklichen Ursachen bekannt sind (und nicht nur blosse Vermutungen und Anschuldigungen), kann systematisch nach Lösungen gesucht werden. Bis dahin ist alles nur Stammtischgeschwätz.»

Wenn Sie davon noch nicht genug haben, können Sie sämtliche Kommentare hier nachlesen:

(lue)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ein Visionär am 27.06.2013 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz schafft sich ab....

    Erst seit Einführung der PFZ gibt es dieses Ü50- und noch weitere negative Phänomene: kaum noch Lohngespräche, nur noch Lohndiktat, hohes Verkehrschaos (Leuthard will sogar auf unsere Kosten das Strassennetz noch ausbauen anstatt die Ursache anzugehen), immer teurere Mieten, Islamisierung, Parallelgesellschaften, Kriminalität, Überfremdung, immer weniger Lehrstellen usw.. Da offensichtlich Arbeitgeber und Politiker im gleichen Golfklub spielen, wird sich nichts ändern. Also - dringend die Rücknahme der PFZ, die sowieso nur den Arbeitgebern etwas gebracht hat....

  • lisa am 27.06.2013 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das schlimmste, keine Perspektive mehr!!

    Bin auch eine Betroffene ü55 Med. Praxisassisten (35 Jahre/100% gearbeitet) . Bewerbe mich seit 2 Jahren, konnte mich in dieser Zeit NIE vorstellen gehen. Fazit, auch bei den Ärzten landet frau mit 56 sofort auf dem Absagehaufen. Verschweige nach Möglichkeit, dass ich seit 2 Jahren keine Arbeit mehr habe (schäme mich). Noch fallen wir nicht auf, landen ja bei RAV, IV, Sozialamt. Aber das ist das Schlimmste, nur Abhängigkeit und keine Perspektive. Solange wir ruhig bleiben, werden die Statistiken auf unsere Kosten geschönt und die Politik schliesst weiter die Augen (arbeiten bis 70).

  • Beatrice Trösch am 26.06.2013 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Du darfst alles - nur nicht 50 sein

    Es ist eine Frechheit und zum schämen was hier in der Schweiz diesbezüglich abgeht! Ich wünsche allen Betroffenen Ausdauer, Geduld und glaubt weiter an eure Fähigkeiten und Können!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jacky Postizzi am 28.06.2013 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Hmmm. sowieso, in einem Unternehmen, könnten ja die Älteren eine gewisse Coaching Funktion übernehmen für Lernende..Vorallem in der IT benötigt es Fachleute... z.B. auch für Quereinsteiger... Einer der 30 Jahre in der IT war und die ganze Entwicklung miterlebte, ist sehr wertvoll... Für Lernende, Quereinsteiger unerfahrene....

    • M. Mueller am 28.06.2013 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Ene mene mu

      Wem erzählen Sie das!? Wo nur Zahlen zählen, zählt nicht die Erfahrung. Ene mene mu, Alter, raus bist du!

    einklappen einklappen
  • Zu Spät am 28.06.2013 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    irgendwann merkens dann alle

    Rentenaltererhöhung + diese massive Einwanderung = versteckte Rentenreduktion; die Spezialisten aus dem Ausland (= billige Arbeitskräfte) werden nur gebraucht um die Löhne zu drücken

  • J. Meyer am 27.06.2013 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Es hapert gewaltig in der Wirtschaft

    Und die Politik spricht davon, dass man ältere Leute einstellen sollte, erhöht sie doch zudem noch das Rentenalter, was am Ende bedeutet, dass man noch länger um eine neue Stelle suchen muss. Dann werden noch die vielen IV-Fälle kommen, wo die Wenigsten unter 50 sind, die trotz Krankheiten /Behinderungen in diesen Arbeitsmarkt entlassen, wo die Chancen für sie noch geringer sind, als ohnehin schon bei den Gesunden. Ganz zu schweigen von all den Schulabgängern, welche auch unzählige Bewerbungen schreiben müssen u das oft über 2 Jahre lang, bis es vielleicht mal klappt.

  • Alex am 27.06.2013 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Weil wir mit 50 keine Arbeitsstelle mehr finden, wird jetzt paradoxer Weise das Rentenalter erhöht. Langsam Frage ich mich, ob die in Bern eigentlich noch irgend etwas auf die Reihe kriegen! Das Finanzloch wird anstatt gelöst nur von einer Stelle zur Anderen verschoben. Aus den Augen aus dem Sinn. Top diese Arbeitsweise. Bringt uns sicher weiter?????

  • Hans Ruch am 27.06.2013 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zug abgefahren

    Ich bin 56 und habe leider keine Lehre machen können. Versuchen Sie mal, eine Stelle zu finden. Unmöglich. Habe schon fast 200 Bewerbungen und ebensoviel Absagen. Wenn man überhaupt eine Antwort kriegt.....

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