Stillen bis fünf

02. Oktober 2012 14:39; Akt: 02.10.2012 15:03 Print

«Ich gab meiner Brust einen anderen Namen»

Eine Mutter aus Zürich hat ihre Söhne vier bis fünf Jahre lang gestillt. Wie sie dabei den Unmut anderer Mütter auf sich zog und was ihr Partner dazu sagte, erzählt sie 20 Minuten Online.

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Stillen ist gesund für Babys. Immer mehr Mütter entscheiden sich aber dafür, sogar Kleinkindern die Brust zu geben. Bild: Colourbox

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Sie haben extrem lange gestillt. Wie kam es dazu?
Sarah R.: Da die beiden von klein auf nie einen Schnuller oder einen Schoppen wollten, bot sich die Brust an. Ab dem ersten Geburtstag assen sie aber vom Tisch – sie bekamen die Brust nur noch morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Insbettgehen. Ich war ein wenig planlos was das Abstillen anbelangte, und manchmal fühlte ich mich unter Druck gesetzt, endlich abzustillen, weil es halt in unseren Breitengraden nicht der Norm entspricht. Irgendwann hatte ich aber definitiv genug und sagte das auch. Die Kinder akzeptierten das und auch für sie war es dann gut.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Langzeitstillen reagiert?
Meine Freunde waren vielleicht mal erstaunt, aber die meisten kannten schon eine Mutter, die auch länger als zwei Jahre stillte und so war es nicht so fremd für sie. Negativ hat sich mir gegenüber nie jemand geäussert, aber gewisse Gesichtsausdrücke sprechen Bände. Es gibt Frauen, die meinen, es sei Selbstbefriedigung, ein Kind solange zu stillen. Da frage ich mich, ob diese Damen je gestillt haben.

Umfrage
Was halten Sie davon, dass manche Kinder lange nach dem ersten Geburtstag gestillt werden?
64 %
8 %
28 %
Insgesamt 7355 Teilnehmer

Fühlten Sie sich in der Öffentlichkeit diskriminiert?
Ich habe meine Kinder ab einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit gestillt, von daher kamen nicht so viele Reaktionen und ich gab meiner Brust einen anderen Namen, damit die Menschen nicht gleich wussten, wenn der Kleine nach der Brust schrie. Wenn ich es heute jemandem erzähle, reagieren die meisten eigentlich positiv.

Wie hat Ihr Partner diese Zeit empfunden?
Er hat mich immer wieder zum Stillen ermuntert. Für ihn war die Brust in dieser Zeit eher eine Nahrungsquelle und Nähequelle für Kleinkinder als etwas Sexuelles. Es hat ihm auch gefallen, wie zufrieden beide Kinder waren. Besonders am Anfang, wenn ein Baby frisch auf der Welt war und es nicht gleich mit dem Stillen klappen wollte, machte er mir immer wieder Mut, es weiter zu probieren.

Haben sie vor der Geburt der Kinder geplant, so lange zu stillen?
Nein, ich wollte zunächst nicht stillen, ich fand Schöppelen eigentlich auch ganz schön und habe mich nicht allzu sehr mit dem Stillen beschäftigt. Erst im Spital, als das Kind da war und es nicht so klappen wollte, begann ich mich mit dem Thema zu beschäftigen, aber nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so lange stillen würde. Dazu muss ich sagen, dass im Spital das Stillen sehr propagiert wird - manchmal etwas zu penetrant. Zu Beginn empfand ich das Stillen als sehr schwierig und anstrengend, aber mit der Zeit merkte ich, wie viel einfacher es war, als ständig Schoppen zu machen.

Hat das lange Stillen Ihre Beziehung zu den Kindern besonders geprägt?
Nein, ich habe zu allen dreien eine gute und herzliche Beziehung. Da ich ja nur zwei von drei langzeitgestillt habe, kann ich sagen, dass es keinen Unterschied gibt. Die Beziehung zu meinen Kindern ist eher von unseren Charakteren geprägt. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man nur eine enge Beziehung zur Mutter hat, weil man gestillt wurde. Stellen sie sich mal vor, dann könnten ja andere gar nie eine enge Beziehung mit dem Kind aufbauen. Mein Mann hat auch eine sehr enge und gute Beziehung zu den Kindern, ohne sie je gestillt zu haben.

Langzeitstillerinnen wird mitunter unterstellt, dass sie egoistisch handeln und das Kind von der Mutter abhängig machen.
Nun, ein Kind ist sowieso abhängig von seinen Eltern, ob es gestillt wird oder den Schoppen kriegt, von daher kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Und was ist daran egoistisch? Im Gegenteil, man hat seinen Körper ja gar nie für sich, man kann in dieser Zeit weder Alkohol trinken noch rauchen und gibt sehr viel von sich selber her. Ein Kind, das nicht mehr gestillt werden möchte, kann man nicht dazu zwingen. Und Frauen, die nicht stillen, werden auch als egoistisch angeschaut. Kann man es überhaupt jemandem recht machen?

(cat)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini, Bern am 03.10.2012 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte etwas mehr Leben und leben lassen!

    Immer diese Stilldiskussionen...! Meine 2 Kinder wurden auch gestillt, nur 3 Monate, da es leider nicht länger ging. Ich hätte gerne länger gestillt. Doch LZS bis ins Kiga-Alter hätte ich mir nie vorstellen können. Doch jedem das seine! Wer LZS bevorzugt, soll es ohne Anfeindungen tun, die anderen ohne Anfeindungen eben lassen dürfen. Mit etwas mehr gegenseitigem Leben und leben lassen, etwas mehr Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Rücksicht, Verständnis, Anstand, Lockerheit und gesundem Menschenverstand sehe die Welt - gerade auch die von uns Mütter - noch etwas friedlicher und harmonischer aus :)

  • Nadine am 03.10.2012 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das

    Interessant finde ich die Untersuchungen der amerikanischen Anthropologin Dr. K. Dettwyler. Sie kam zum Schluss, dass das 'natürliche' menschliche Abstillalter, nicht unter 2.3 Jahre, bis hin zu 7 Jahre reicht! Ich selber habe meine beiden Ältesten 4.5 und 2.5 Jahre gestillt, bin gerade schwanger und stille das dritte Kind mit über 2 Jahren noch. Aus dem einfachen Grund, da sie solange stillen dürfen, wie sie das Bedürfnis danach haben. Für uns etwas ganz Normales und Natürliches.

  • xerox am 03.10.2012 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Babyled Weaning

    Hier wird gross geschrieben von wegen wieder der Natur. Hat hier irgendjemand seine Kinder ohne Brei gross gezogen? Ob selbstpüriert oder gekauft? Jeder der BWL (Babyled Weaning) gemacht hat, sollte wissen, dass Kinder mit zwei drei Zähnchen NICHT in der Lage sind alle Nährstoffe über die Nahrung natürlich aufzunehmen. Aber unsere am Baum wachsenden Gläschen und Pülverchen machen schon wett, was wir der Natur nicht überlassen wollen, oder gar pervers finden. (P.s. welches Tier sorgt 18 Jahre für seine Kinder?)

  • FB am 03.10.2012 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Experten...-

    Unzählige Kommentare hier gleichen keinem Austausch über die Sache sondern hier wird mal wieder gleich gerichtet und mit dem Finger gezeigt. Unzählige Experten die genau wissen wie es am besten ist weil sie es bei ihrem Kind so gemacht haben. Dabei weiss doch eben jeder der eigene Kinder hat, dass es bei allen anders läuft. Lange stillen hat viele Vorteile....- . Die Stoffe in der Muttermilch, Geborgenheit etc. Unsere Tochter hatte kein einziges mal einen Nuggi im Maul, auch die Daumen waren nie im Maul. Sie hat von alleine aufgehört und etnwickelt sich prächtig schnell und ist sehr clever.

    • Verallgemeinerung am 03.10.2012 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      Verallgemeinerungen sind super

      Ich wurde 6 Monate gestillt und hatte nie einen Nuggi und hab auch nie "düümelet". Meine Mutter hat auch viel mit mir geschmust. Dafür brauchte sie mir nicht ihre Brust in den Mund stecken.

    • what am 04.10.2012 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      wo bleibt das Kind noch Kind..?

      Guter Kommentar von FB!Traurig das auch hier der Mensch richten muss wie an allen Orten...Von Natur aus würde jedes Kind die Muttermilch bevorzugen,alles andere ist von Menschenhand gemacht.Schade für alle Mütter die nicht stillen können,jene die nicht wollen frage ich warum sie dann Kinder haben..?Jedes Kind hat ein Anrecht auf Muttermilch,dafür ist sie da..Aber auch hier wird von den Industrien alles dargestellt als eine Wahl..willst Du stillen,mach es bis zum 6.Monat,willst Du nicht ist der Markt an Babynahrung kompeltt übersättigt..an einer stillenden Mutter verdient halt keiner..

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  • Hans Müller am 03.10.2012 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwertig

    Sorry aber das Stillen dient einzig und allein der Nahrungsaufnahme. Dies erübrigt sich, sobald das Kind feste Nahrung zu sich nehmen kann. Es weiter zu stillen bis es 4,5,6,7 Jahre alt ist, nackt mit Kindern im Bett zu schlafen und dass ganze unter dem Deckmantel "Kuscheln" das ist schon sehr sehr grenzwertig. Wenn ein Mann sowas machen würde, wäre der Fall schnell klar, aber bei Frauen ist es ja undenkbar, obwohl es täglich vor kommt, dass mütter sich auf diese Art eine grenzwertige art von befriedigung hohlen.

    • xerox am 03.10.2012 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      gar nicht Grenzwertig

      Das stillen bis 4 oder 5 Jahren ist gar nicht Grenzwertig. 4 Jahre ist sogar das weltweite Durchschnittsalter des Abstillens. Es ist weitläufig bekannt, dass Naturvölker ihre Kinder häufig auch noch mit 5 oder 6 Jahren an die Brust lassen. Aber bei uns ist es natürlich gleiche in sexueller Übergriff.

    • Dr. Gabber am 03.10.2012 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Haben wir keine größeren Probleme?

      Stimme Xerox absolut zu. Solange es für beide ok ist, wo ist das Problem? Ach ja, richtig. Wir schaffen uns ja am liebsten selbst Probleme, wenn man die größeren nicht lösen kann. Und das ganze nennt man Politik. Vielleicht sollten sich gewisse Leute mal informieren. Es gibt nicht wirklich mehr Missbrauchsfälle, es wird nur mehr und intensiver darüber berichtet, für die die Auflage.

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