Wikileaks-Umfrage

09. Dezember 2010 08:07; Akt: 13.12.2010 11:41 Print

Mehrheit würde Assange Asyl gewähren

von Olaf Kunz - Über 60 Prozent der Schweizer halten die Whistleblower-Seite für schützenswert. Hinter den Missbrauchs-Vorwürfen gegen Assange sehen viele eine Verschwörung.

Breite Zustimmung zum Wikileaks-Projekt: Insgesamt 88 Prozent der Befragten finden die Seite grundsätzlich gut.

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Die Deutschen halten nicht viel von der Internetplattform Wikileaks. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für das Magazin «Stern» vertraten 58 Prozent die Auffassung, die vertraulichen Depeschen der US-Botschaften hätten unter Verschluss bleiben sollen.

Deutlich mehr Sympathien ernten Assange und sein Internetprojekt in der Schweiz: 60 Prozent der Eidgenossen finden Wikileaks super, da die Seite «politische Diskussionen anstösst und Missstände aufdeckt». Weitere 27 Prozent finden die Idee «ganz gut», schränken aber ein, dass das «Vorgehen manchmal etwas fragwürdig» sei. Lediglich 12 Prozent halten Wikileaks für gesellschaftsschädigend. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online, an der sich 4559 Internetnutzer beteiligten.

Nach Ansicht der Schweizer handelt es sich bei den auf der Whistleblower-Seite veröffentlichten Dokumenten keinesfalls um 0815-Material. 54 Prozent bescheinigen den «Iraq War Logs» oder den «Planungsdokumenten zur Loveparade 2010» eine sehr hohe Brisanz und viel Sprengkraft. Immerhin ein knappes Drittel aller Umfrage-Teilnehmer hat gute Kenntnisse von den Inhalten. Sie geben an, in viele Dokumente auf der Seite selbst Einsicht genommen zu haben. Und 65 Prozent haben die Veröffentlichungen via Medien intensiv mitverfolgt.


Für sie spielt es auch nur eine untergeordnete Rolle, dass in einer nun öffentlich gewordenen Depesche des damaligen US-Botschafters Peter Coneway die Schweiz als «frustrierende Alpen-Demokratie» bezeichnet wurde. Lediglich sieben Prozent regen sich darüber auf. Etwas mehr als ein Viertel entdeckt in Coneways Aussage auch «ein Fünkchen Wahrheit». Die übrigen nehmen es mit Schulterzucken zur Kenntnis und wenden sich brisanteren Dokumenten zu.

Ein wahrer Web2.0-Held

Die Einfrierung des Schweizer Postkontos von Assange, über das Geldflüsse für Wikileaks abgewickelt wurden, kommt bei den Lesern nicht gut an. Vier von fünf Befragten gehen davon aus, dass die Aktion lediglich ein Vorwand war, um dem Web-Angebot zu schaden, respektive dass sich Postfinance damit nur selber aus der Schusslinie nehmen wollte. Vor allem dass das Konto des Australiers wegen fehlendem Wohnsitz in der Schweiz eingefroren wurde, stösst auf wenig Verständnis: «Das glaubt ihr doch nicht ernsthaft, dass jeder, der bei Postfinance ist, einen Wohnsitz in der Schweiz hat», glaubt Leser Robin Hood. Auch sonst hat sich der Finanzdienstleister mit der Kontoschliessung nicht nur Freunde gemacht: «Die Schurkenstaaten und deren Verbündete sind die wahren Terroristen. Sie führen rund um den Globus Kriege, Folter, Ausbeutung, Diebstahl, Verfolgungen. Und die Postfinance unterstützt mit ihrer Aktion offensichtlich diese Verbrechen», schreibt Mario G. Stevanato.

Doch Stolpersteine hin, Zwangsmassnahmen her: Immerhin 45 Prozent unterstützen Wikileaks schon heute finanziell oder haben nach eigenem Bekunden fest vor, dies nach den jüngsten Turbulenzen auf jeden Fall tun zu wollen. Für genauso viele ist Julian Assange übrigens ein Held, «der die Welt verändert und Unterstützung verdient».

Schweiz als Zufluchtsort für Assange

Mit der Forderung nach politischem Asyl für den umstrittenen Wikileaks-Chef steht die Piratenpartei Schweiz keinesfalls alleine da. Insgesamt 56 Prozent der Umfrageteilnehmer sind dafür, dass ihm hierzulande Schutz vor Verfolgung gewährt wird. 16 Prozent haben noch keine abschliessende Meinung zum Thema, während sich 28 Prozent klar gegen politisches Asyl für Assange aussprechen.


Dass es für diese Forderung handfeste Gründe gibt, daran besteht laut der Mehrheit der Befragten jedenfalls kein Zweifel. Drei von fünf sind überzeugt, dass es sich beim Vergewaltigungsvorwurf um eine Verschwörung handelt, um den Australier aus dem Verkehr zu ziehen und damit das gesamte Whistleblower-Projekt beerdigen zu können. Lediglich neun Prozent glauben, dass die Missbrauchs-Anschuldigung auf Fakten basiert.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Avalon am 09.12.2010 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wow :)

    Da bin ich doch glatt mal überrascht, dass so viele Menschen in der Schweiz mitdenken und kritisch gegenüber der US-Regierung stehen, welche versucht Wikileaks mundtot zu machen. Also, jetzt auch unterstützen und nicht nur reden! Wikileaks braucht uns!

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  • ursus am 11.12.2010 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Robin Hood oder Brandstifter

    Ich kann Danny Boy nur Recht geben , nur es geht nicht darum "von denen der "Normalo" besser nichts weiss "sondern Wikileak steht auch in der Verantwortung zu dem was sie veröffentlichen . Steht Assange für die folgen seiner Taten grade ( das können auch Tote sein ) , kann er die Echtheit garatieren ? Zum Titel " Mehrheit würde Asyl gewähren " , diese Umfrage ist jawohl nicht ganz Representative oder !!

  • M. Müller am 09.12.2010 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr Kinderlein kommet...

    Ja klar lässt jeden rein, Diebe, Gewalttätige, Drogendealers und alle die andere anschwärzen, wenn sie ein Sugus am Kiosk klauen... Es gibt nunmal Sachen, die nicht grad immer die ganze Weltbevölkerung interessieren muss und sollte. Auch die Hacker sind nicht besser. Sie kämfen ja für eine Welt ohne Geheimnisse, aber wieso verstecken sie sich und machen ihre Angriffe aus dem Hinterhalt? Sind einfach nur Feiglinge....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • IronMan156 am 11.12.2010 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Stellt euch vor

    Es hätte 1944 bereits ein WWW und Wikileaks gegeben. Was wäre geschehen, wenn die Invasionspläne der Westalliierten in der Normandie veröffentlicht worden wäre? Was wäre, wenn die Konstruktionspläne der ersten Atombombe veröffentlicht worden wäre? Manche Dinge sind aus gutem Grund geheim!

    • C. Würsch am 16.01.2011 06:05 Report Diesen Beitrag melden

      Da muss ich dir Recht geben,

      nur dass wir uns im Moment nicht im Krieg befinden. Selbstverständlich gelten in Kriegszeiten andere Massstäbe, die man nicht aufs zivile Leben übertragen kann. Unsere jetztige Zeit mit dem WWII zu vergleichen halte ich für ziemlich dumm.

    • C. Würsch am 16.01.2011 06:05 Report Diesen Beitrag melden

      Da muss ich dir Recht geben,

      nur dass wir uns im Moment nicht im Krieg befinden. Selbstverständlich gelten in Kriegszeiten andere Massstäbe, die man nicht aufs zivile Leben übertragen kann. Unsere jetztige Zeit mit dem WWII zu vergleichen halte ich für ziemlich dumm.

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  • IronMan156 am 11.12.2010 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Stellt euch vor

    Es hätte 1944 bereits ein WWW und Wikileaks gegeben. Was wäre geschehen, wenn die Invasionspläne der Westalliierten in der Normandie veröffentlicht worden wäre? Was wäre, wenn die Konstruktionspläne der ersten Atombombe veröffentlicht worden wäre? Manche Dinge sind aus gutem Grund geheim!

  • ursus am 11.12.2010 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Robin Hood oder Brandstifter

    Ich kann Danny Boy nur Recht geben , nur es geht nicht darum "von denen der "Normalo" besser nichts weiss "sondern Wikileak steht auch in der Verantwortung zu dem was sie veröffentlichen . Steht Assange für die folgen seiner Taten grade ( das können auch Tote sein ) , kann er die Echtheit garatieren ? Zum Titel " Mehrheit würde Asyl gewähren " , diese Umfrage ist jawohl nicht ganz Representative oder !!

  • Danny Boy am 10.12.2010 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Robin Hood?

    Es gibt sie noch die Träumer, welche glauben die Menschen können friedlich miteinander und nebeneinander leben. Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass das völlig unrealistisch ist. Dieser Mensch hat Dinge ans Licht gebracht, von denen der "Normalo" besser nichts weiss. Ausserdem - warum einem mutmasslichen Vergewaltiger Asyl geben, nur weil ihn manche als Robin Hood der Datenfreiheit hochjubeln?

  • Christian Staub am 10.12.2010 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Assange und Wikileaks für Schockierte

    ...wenn die "Vierte Gewalt", die Medien, auf wenige Gefässe und Kopf-Blatter reduziert, praktisch nur noch durch linke Wort-Zensoren, von elitären Juristen, gemeinsam und in Tat-Einheit mit egoistischen Wirtschaft-Diktatoren kontrolliert werde, dann ist es bitter nötig angezeigt, dass sich weltweit der kleine Rest an mutigen und bekennenden Non-Profit-Demokraten, auf einer neurtalen und verifizierten, allgemein zugänglichen Plattform über die welweiten Untaten der Neo-Sklavenhändler informieren können ! Wer sich gegen "Assange und Wikileaks" ausspricht, muss sich die Fragen gefallen lassen, ob er Demokratie, Meinungs-Freiheit mit den grundlegenden Menschen-Rechte abschaffen will ?

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