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«City Assassin»
13. November 2008 12:28; Akt: 13.11.2008 13:08 Print
Der Nachruf: Das plötzliche Ende des Vincent Vega
von Vincent Vega - Vincent Vega ist tot. Brüstete sich unser Killer noch gestern, er ziehe schneller als sein Schatten, schreibt er heute seinen letzten Bericht aus dem City-Assassin-Himmel.
Liebe Leser, es hat mich erwischt. Anstatt mein Opfer anzuschleichen, wie ich es für heute Nachmittag geplant habe, schreibe ich aus dem Jenseits meinen eigenen Nachruf.
Sein letztes Stündchen hat geschlagen: Die Ruhestätte von Vincent Vega
«City Assassin»:
Jeder Teilnehmer kriegt die Wohn- und Arbeitsadresse eines Mitspielers, dem er auflauern und den er symbolisch (z. B. mit einer Wasserpistole) umlegen muss. Jeder Killer ist aber auch das potenzielle Opfer eines anderen Teilnehmers – aber nicht desjenigen, den er selbst jagt. Wer sein Opfer zur Strecke bringt, muss als nächstes demjenigen Teilnehmer auflauern, den das Opfer hätte umbringen sollen. Das Spiel ist erst dann zu Ende, wenn das erste Mal ein Killer sich selbst umbringen müsste.
Heute morgen habe ich nichtsahnend meine Freundin aus dem Haus geleitet. Die Blaster XM 230, meine zweitbeste Freundin, habe ich fahrlässigerweise im Hauseingang links liegen lassen. Ein grosser Fehler.
Meinen eigenen Gedanken nachhängend bin ich zurückspaziert, der Mauer des Schulhauses neben meiner Wohnung entlang. Professionell hat sich mein Mörder hinter dem Mauereck aufgestellt. Wenige Schritte, nachdem ich das Mauerende passiert habe, habe ich hinter mir einen grunzenden Laut vernommen. Ich habe mich umgedreht und in den Lauf einer Wasserpistole gestarrt. Dann habe ich in die Augen des Mannes geblickt, der mich gleich ins Nirvana spritzen würde. Zweimal hat er abgedrückt. Im Sekundenbruchteil ist mein City-Assassin-Leben nochmals an mir vorbeigegangen. Die junge Frau mit dem orangen Velo, die mir den versiegelten Brief überreicht hat; der Kauf meiner Blaster-Wasserpistole; die erste Observierung vor dem Büro meines Opfers.
Dann bin ich wieder in der realen Welt gelandet. Ich und mein Mörder, wir haben gegrinst und uns die Hand geschüttelt. «Hast du jetzt lange auf mich gewartet?» – «Ja, schon eine Weile» – «Tja, jetzt ist es aus für mich!» – «Ja. Pech. Gehen wir doch mal eins trinken, wenns fertig ist» – «Ja eh, machen wir. Meine Nummer hast du ja.» Mein Killer hat gute Arbeit geleistet. Er hat meinen Namen gewusst, er hat recherchiert, in welcher Band ich spiele. Ein Kollege von ihm kennt unseren Bassisten, vor der nächsten Probe hätte er mir aufgelauert.
Leistung ungenügend, Fazit positiv
Trotzdem: Vincent Vega weiss, dass er versagt hat. Ich habe kaum die Hälfte der Spielzeit überlebt und mein Opfer nicht erwischt. Die 20-Minuten-Online-Redaktion, die mir immerhin die Wasserpistole gesponsert hat, ist enttäuscht. Zu Recht. Mürrisch hat der Chefredaktor meine Spesenabrechung entgegengenommen. Ich habe nun genug Zeit über meine Fehler zu sinnieren und jeden Schritt nochmals durchzugehen.
Etwas, liebe Leser, spendet mir aber Trost: Die Knarre, die mich totgespritzt hat, war nicht etwa eine mickrige grüne Frauenwasserpistole aus der Migros. Nein, zur Strecke gebracht hat mich eine orange strahlende, wuchtige und würdige Blaster XM 230.
Ich ziehe ein positives Fazit aus den vergangenen Tagen, und zwar durchs Band. City Assassin ist «Räuber und Poli» für die, welche das Kind in sich noch nicht ganz getötet haben - und sicher kein direkter Vorläufer zur blutigen Massakerveranstaltung von Psychopathen. Absurd ist der Gedanke, dass dieses Spiel in Ernst umschlagen könnte. Die Begegnung mit meinem Killer war freundschaftlicher als jedes Zusammentreffen mit einem Gegner, das ich im Mannschaftssport erlebt habe. Wenn City Assassin wieder mal gespielt wird, dann ist Vincent Vega wieder dabei - mit Sicherheit. Auch wenn ihm 20 Minuten Online keine Wasserpistole mehr sponsert.
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Alle 184 Kommentare




























interssanter artikel
ich hab mich heute daran erinnert, dass 20min bei city assassin mitgemacht hat. eigentlich wollte ich dein tagebuch schon damals lesen. hab's jetzt noch nachgeholt und ich fand es spannend zu lesen! fänd's echt toll, wenn man das mehrmals im jahr bringen würde;-)
Tja
Schade aber es war ein guter Artikel hab ich gerne gelesen. Du kannst ja deinem Chef sagen das es sich gelohnt hat;)! Sowas könnte man ja öffters bringen. Immerhin ist es ein besseres Thema als andere;)!
schade...
Tut mir leid für Dich, hätte gerne noch weitere Erfahrungen von Dir gelesen. Hat echt Spass gemacht! :-) Und liebe Leute, lasst doch dieses Spiel, ist auf jeden Fall besser, als wenn sie Drogen konsumieren oder sich in echt prügeln würden!