Selbstständige Leser

06. April 2016 14:16; Akt: 06.04.2016 14:16 Print

«Ich hätte mir früher ein Spezialgebiet gesucht»

von G. Hummel - Leserin Tina Sturzenegger gibt im Interview einen Einblick, wie sie als Food-Fotografin den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft hat.

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Im April drehen sich die «Leser stellen sich vor»-Interviews um vier Leserinnen und Leser, die sich erfolgreich selbstständig gemacht haben. Tina Sturzenegger ist 37 Jahre alt, lebt in Zug und arbeitet seit nunmehr sieben Jahren selbstständig als Fotografin. Von den positiven Seiten und auch von den schwierigen Zeiten der Selbstständigkeit erzählt sie im Interview.

Umfrage
Können Sie sich vorstellen, sich selbstständig zu machen?
55 %
19 %
26 %
Insgesamt 2365 Teilnehmer

Tina, wieso hast du dich auf unseren Aufruf gemeldet?
Tina Sturzenegger: Ich möchte meine Geschichte und wie ich die Fotografie als Liebe meines Lebens kennengelernt habe, gern teilen. Auch, dass Selbstständigkeit nichts mit «laying around and drinking Margaritas» zu tun hat.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe ein betriebswirtschaftliches Studium gemacht und dann auf einem Beruf gearbeitet, der okay und gut bezahlt war. Dann wurde mein Vater schwer krank und war sechs Wochen auf der Intensivstation. Das war der Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt glücklich bin mit meinem Leben. In den darauffolgenden Ferien habe ich erkannt, dass mir das Fotografieren unglaublich viel gibt.

Konntest du es damals schon?
Natürlich nicht! Die Fotos von damals hatten nichts mit dem zu tun, was ich heute mache. Aber es hat mir einen Anstoss gegeben. Ich habe mir schliesslich alles autodidaktisch beigebracht.

Was waren die ersten Erkenntnisse, als du dich 2009 schliesslich selbstständig gemacht hast?
Es ist nicht alles Pommes und Disco. Die Kosten sind sehr hoch: Die ganzen Versicherungen, Fixkosten und Investitionen ins fotografische Material, die man auf einmal selbst bezahlen muss – und niemand bringt einem Kaffee ans Pult. Aber natürlich ist es das wert. Die zweite und wichtigste Erkenntnis: Wirklich niemand hat auf mich gewartet. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich meinen Stil gefunden hatte und die Kunden mich deshalb wollten.

Wie lange ging das?
Etwa drei bis vier Jahre. Damit muss man sicher rechnen. In dieser Zeit macht man auch viele Aufträge, die man vielleicht nicht allzu gern macht. Aber man lernt extrem viel daraus!

Würdest du heute etwas anders machen?
Ich würde mich wohl schon früher auf ein Spezialgebiet fokussieren. Ich mache heute hauptsächlich Corporate Portraits und Food-Fotografie. Daneben habe ich mein persönliches, verrücktes Foto-Projekt, für das ich Tiere mit Blumenkränzen fotografiere.

Wie kamst du denn darauf?
2014 habe ich sehr viel Lana del Rey gehört, die trug doch immer Blumenkränze. Ich brachte ihre Songs einfach nicht aus dem Kopf. Aus dem Wortspiel «Lama del Rey» entstand irgendwie die Idee. Ich habe schon Pferde, Schafe, Alpakas und Ponys mit Blumenkränzen fotografiert. Zurzeit bin ich auf der Suche nach sozialisierten Hirschen oder Rehen – aber das ist ziemlich schwierig. Und ich will die Tiere ja nicht zwingen.

Was gefällt dir sonst noch an deinem Job?
Gratis Essen! Nein, Spass beiseite. Es ist unheimlich abwechslungsreich. An einem Tag stehe ich im Schafstall, am anderen Tag fotografiere ich in London für eine grosse Bank. Dieser Mix ist total spannend.

Hast du einen Tipp für Menschen, die sich selbstständig machen wollen?
Wenn man es wirklich will, soll man es unbedingt versuchen. Aber es ist wichtig, sich gut vorzubereiten. Ausserdem ist es sehr hilfreich, wenn man mit finanziellen Rücklagen in die Selbstständigkeit startet, um die ersten ein bis zwei Jahre über die Runden zu kommen.

Aber du würdest es wieder tun?
Ich bin eine alte Romantikerin und würde es wieder tun. Denn jetzt ist es so erfüllend, dass es sich gelohnt hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Katja K. am 06.04.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Rosarote Brille verloren...

    Mein Mann und ich sind selbständig.Wir haben einen Handelsbetrieb. Ich würde es nie wieder machen. Klar, man ist sein eigener Chef und wir haben Ende Monat um einiges mehr Geld als damals, als wir noch angestellt waren. Aber ich sehne mich nach meinem alten Job und meinen geregelten Arbeitszeiten. Und auch etwas danach, wieder mehr Zeit für mich zu haben. Als ich angestellt war hatte ich Hobbys, konnte einfach mal frei nehmen...das geht heute leider nicht mehr. Die Work-Life-Balance stimmt für mich hinten und vorne nicht. Für meinen Mann ist das Geschäft alles, daher kein Aussteigen für mich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Katja K. am 06.04.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Rosarote Brille verloren...

    Mein Mann und ich sind selbständig.Wir haben einen Handelsbetrieb. Ich würde es nie wieder machen. Klar, man ist sein eigener Chef und wir haben Ende Monat um einiges mehr Geld als damals, als wir noch angestellt waren. Aber ich sehne mich nach meinem alten Job und meinen geregelten Arbeitszeiten. Und auch etwas danach, wieder mehr Zeit für mich zu haben. Als ich angestellt war hatte ich Hobbys, konnte einfach mal frei nehmen...das geht heute leider nicht mehr. Die Work-Life-Balance stimmt für mich hinten und vorne nicht. Für meinen Mann ist das Geschäft alles, daher kein Aussteigen für mich.

    • James2015 am 06.04.2016 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Katja K.

      Bei uns war das auch so... Der Traum meines Partners--> und ich machte mit... Das Geld stimmte, aber die Work- Life-Balance für mich nicht Bin ausgestiegen vor über 10 Jahren . Der Traum des Einen kann für den Anderen ein Alptraum sein

    • N.M am 06.04.2016 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Katja K.

      das leben muss schon ziemlich hart sein wenn man sich nur ein Porsche leisten kann.

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