Doktor Sex

13. November 2017 08:14; Akt: 13.11.2017 08:16 Print

«Wegen ihres Verhaltens habe ich einen Schaden»

Matthias wurde von seiner Frau enttäuscht. Um sich zu schützen, zeigt er sich ihr gegenüber seither oft kalt und gefühllos. Aber eigentlich will er das gar nicht.

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Abkapselung kann das Familienleben auf eine harte Probe stellen. Foto: iStock (Bild: Chameleonseye)

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Frage von Matthias (35) an Doktor Sex: Ich bin seit fünf Jahren mit meiner Frau zusammen. Vier davon sind wir verheiratet. Durch unsere Liebe sind zwei wundervolle Kinder entstanden. Ich weiss ja eigentlich schon, dass sie mich über alles liebt. Nur tue ich mich manchmal echt schwer damit, ihr zu vertrauen, da ich schon einmal enttäuscht wurde und davon ein bisschen einen Schaden davongetragen habe.

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Jetzt bin ich oft ziemlich kalt und gefühllos zu ihr, um mich so selbst zu schützen. Ich habe mit ihr sogar schon über mein Verhalten gesprochen und ihr dabei klargemacht, dass ich einfach nur Schiss davor habe, sie zu verlieren. Sie kann das nachvollziehen. Es schmerzt mich ja selbst jedes Mal, wenn ich merke, dass ich mich wieder hinter meinem Panzer verstecke. Wie kann ich besser mit der Angst umgehen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Matthias

Für Menschen, die an Verlustängsten leiden, ist eine Beziehung eine Quelle von Leid. Alles, was der Partner oder die Partnerin macht, wird auf die Möglichkeit hin geprüft, ihn oder sie zu verlieren. Und da Menschen ständig jemandem begegnen, in den oder die sie sich theoretisch auch verlieben könnten, stehen Betroffene im Alltag unter Dauerstress.

Auch Eifersucht entsteht aus Verlustangst, ist aber nur ein Symptom davon. Es macht daher auch keinen Sinn, sie unterdrücken oder mittels Regeln für den Partner oder die Partnerin in den Griff kriegen zu wollen. Und deshalb kann es für dich auch kein Ziel sein, besser mit deiner Angst umzugehen. Erstrebenswert wäre, dich davon zu befreien.

Dies setzt aber voraus, dich mit dem zu konfrontieren, was Sache ist. Dazu gehört auch die Tatsache, dass alles, was in dieser Welt einen Anfang hat, irgendwann auch zu Ende gehen wird. Dir bewusst zu werden, dass alles immer zu verlieren ist, gehört zum Prozess, an dessen Ende die Freiheit steht – auch von deiner Verlustangst.

Eine der Hauptursachen der Angst liegt darin, dass wir uns nicht so sehen wollen, wie wir sind. Wir vermeiden es, zu erkennen, dass wir nach bestimmten Konzepten leben und in Schablonen denken. Schon die Vorstellung, dies aufzugeben oder auch nur in Ansätzen zu verändern, ruft einen Zustand der Unsicherheit hervor.

Sofort kommt das Denken und will Sicherheit schaffen. Aber das Denken ist das Vergangene, die Erinnerung. Und das, wovor wir Angst haben, ist die Wiederholung dessen, was wir bereits erlebt haben. Darum ist das Denken für die Furcht verantwortlich: Es erschafft sie, indem es das Vergangene in die Gegenwart holt beziehungsweise in die Zukunft projiziert.

Erkenne, dass du das Problem erschaffst, indem du dich mit Gedanken – also der Vergangenheit – identifizierst und dann versuchst, dich durch dein Verhalten vor etwas zu schützen, das zurzeit nicht der Fall ist und nur in deinem Kopf existiert. Sei im Hier und Jetzt; gestalte das Leben – und zwar an dem Ort, wo deine Füsse auf der Erde stehen, statt dich um etwas zu sorgen, das zwar sein könnte, aber in der Art, wie du es dir vorstellst, bestimmt niemals sein wird. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.C am 13.11.2017 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ??? 

    Du hattest vielleicht einfach nur Pech und hast dir die falsche Partnerin ausgesucht. Es gibt aber auch Frauen und Männer, die charakterlich gefestigt sind und deshalb treu sein können. Aber man will uns einreden, Fremdgehen sei normal und sollte verziehen werden. Ich bin lieber allein als mit der falschen Frau einsam.

  • Freigeist am 13.11.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Spruch hat was

    Was zu dir gehört kannst du nicht verlieren, was nicht zu dir gehört kannst du nicht festhalten.

  • Fab am 13.11.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbewusste Dynamik

    Ihm ist sicher bewusst, dass es zum normalen Leben dazu gehört, verlassen zu werden. Verlustängste gehen normalerweise nicht weg, indem man sich vornimmt, einfach mal anders darüber zu denken. Klar: Gedanken beeinflussen die Emotionen, aber nicht alle Gedanken sind uns bewusst. Alle Menschen haben einen Bindungsstil, der sehr früh im Leben entwickelt wird und bis ins Erwachsenenalter unbewusst wirkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvia D am 13.11.2017 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beziehung

    An einer Beziehung muss immer gearbeitet werden. Kommunikation ist das wichtigste. Egal, wie sie dich enttäuscht hat, vergib ihr oder zieh die Konsequenzen. So wie du sie strafst, zeugt auch nicht von Liebe. Ausserdem hast du sicher auch schon enttäuscht. " Vor jeder Enttäuschung steht eine Erwartung"

  • G. Liebt am 13.11.2017 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paartherapie

    Dein Verhalten ist nachvollziehbar. Was mich jedoch wundert, ist, dass du nach und nach nicht mehr Vertrauen zu deiner Partnerin aufbauen kannst. Vielleicht wäre eine Paartherapie sinnvoll. Manchmal redet es sich einfacher, wenn jemand das Gespräch moderiert. Ich fand es jedenfalls nützlich. Viel Glück!

  • Per Sephone am 13.11.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsterfüllende Prophezeiung

    Wenn du dich mehr und mehr zurückziehst weil du Angst vor Enttäuschung hast, wird sie sich einsam und im Stich gelassen fühlen, und dadurch Nähe und Geborgenheit an einem anderen Ort suchen - eine Selbsterfüllende Prophezeiung! Du kannst diesen Teufelskreis durchbrechen, es ist nicht aussichtslos. Google mal den Begriff, lies darüber...baue Stein um Stein die Mauer ab. Kannst du dir vorstellen mit einem Therapeuten daran zu arbeiten?

  • Heidi am 13.11.2017 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestätigung

    Eigentlich sollte Deine Partnerin Dir helfen, dass Du wieder besser vertrauen kannst und Deinen Panzer ablegen kannst. Dass Du hilfe von Aussen holst ist gut und recht, aber es sagt auch viel über Deine Partnerin aus. Du brauchst Bestätigung.

  • StimmefürsVOLK am 13.11.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Enttäuschung??

    Spuck doch aus, um welche Enttäuschung es sich handelt. Da wird wieder mal nicht mit offenen Karten gespielt. Wenn sie ihm Hörner aufsetzte, entweder vergeben oder verlassen, und von vorne anfangen. Ganz einfach!

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