Doktor Sex

09. August 2017 08:51; Akt: 09.08.2017 11:07 Print

«Sobald ich verliebt bin, habe ich Panikattacken»

Immer wieder kommt Sabine ihre Vergangenheit in die Quere. Lässt sie sich richtig auf einen Mann ein, quälen sie bald Weinkrämpfe und Atemnot.

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(Bild: Mixmike)

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Frage von Sabine (27) an Doktor Sex: Ich hatte noch nie einen Freund – und auch keinen Sex. Dies bereitet mir Kummer. Wenn ich einen Mann kennen lerne, kann ich mich auch nicht leicht öffnen. Bin ich jedoch verliebt, spielen meine Gefühle verrückt. Im ersten Moment empfinde ich dann alles als schön, wenn ich an die Person denke. Doch dann kommen Ängste auf, ich kriege kaum noch Luft und muss ständig weinen. Mein Gegenüber bemerkt das natürlich alles und hält es schnell nicht mehr aus mit mir.

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Ich habe einige schlimme Dinge erlebt in der Vergangenheit. Hängen meine Reaktionen vielleicht damit zusammen? Ich wünsche mir halt schon sehr, endlich jemanden richtig kennen lernen zu können und einen festen Freund zu finden. Aber so lange ich immer wieder in diese Not gerate, wird das nie was. Kannst du mir sagen, warum bei mir Verliebtsein eine solche Angst auslöst? Fürchte ich mich vor der Liebe? Und kann ich diese Panikattacken irgendwie in den Griff bekommen und beenden?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sabine

Verdrängte Missbrauchs- und Gewalterfahrungen – und ich vermute, darum handelt es sich bei dem, was du als «schlimme Dinge» beschreibst – können sich auf mehreren Ebenen der physischen und psychischen Existenz eines Menschen und unterschiedlich intensiv einprägen. Je nach Alter, in dem jemand eine solche Erfahrung macht, und abhängig von den Möglichkeiten und Ressourcen, die jemand hat, um damit umzugehen, ist das Erlebte dem Bewusstsein des oder der Betroffenen mehr oder weniger zugänglich.

Wenn jemand diese traumatischen Erfahrungen komplett von seinem Bewusstsein abspaltet, zeigen sich – manchmal erst Jahre später – in Momenten, die von fern an den Vorfall erinnern oder damit in Zusammenhang stehen, unerklärliche Phänomene, die das Erleben und Verhalten der traumatisierten Person beeinflussen. Diese können sich beispielsweise in Form von heftigen körperlichen und emotionalen Reaktionen zeigen und zur Folge haben, dass eine Beziehung be- oder gar verhindert wird oder Sex nicht möglich ist.

Von einem Trauma spricht man, wenn bei einer Überreizung des Nervensystems – also dann, wenn die Tat geschieht – der natürliche Zyklus von Orientierung, Flucht, Kampf und Immobilitäts-Reaktion nicht vollständig durchlaufen werden oder zustande kommen kann. Dies kann dazu führen, dass die vom Körper bereitgestellte Überlebensenergie nur unvollständig, verzögert oder gar nicht aufgelöst wird und der Organismus darum später weiterhin auf eine Bedrohung reagiert, die real schon lange nicht mehr existiert.

Gib nicht auf! Die Möglichkeit, trotz der Dinge, die du erlebt hast, einen Mann kennenzulernen und mit ihm körperliche Intimität und eine erfüllende Sexualität leben zu können, besteht auch für dich. Der Weg dorthin erfordert aber die Auseinandersetzung mit deiner Vergangenheit und könnte deshalb nicht ganz einfach werden. Ich empfehle dir deshalb, dich in diesem Prozess von einer Fachperson begleiten zu lassen. Auf der Webseite der Opferhilfe Schweiz findest du entsprechende Links. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S DJ am 09.08.2017 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Miterlebt

    Hi Sabine Als ich meine jetzige Freundin kennenlernen durfte, spielte sich bei ihr ähnliches ab. Wenn du aber einen Partner findest der sich dafür Zeit nimmt und dich auf diesem Weg unterstützen will, dann hast du auch den richtigen. Auch meine Freundin war in deinem Alter und hatte weder eine Beziehung noch Sex. Dies sollte dir aber keine Sorgen machen. Auf deinem weiteren Weg wünsche ich dir alles gute und viel Erfolg. Auch du kannst es schaffen!

  • Purple Butterfly am 09.08.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Therapie  

    Auch wenn du vielleicht im Moment denkst, dass es doch alleine geht, du brauchst fachliche Unterstützung. Es wird nicht einfach, aber es ist der einzige Weg zu einer glücklichen Partnerschaft. Und vor allem zu deiner eigenen Seele. Sie kann so vieles verdrängen, für einige Zeit (bei mir warens 20 Jahre), aber sie meldet sich immer wieder in gewissen Situationen. Solange, bis du alles Schlimme aufgearbeitet hast. Mir hat meine Therapie zu einem freieren Leben verholfen. Das Geschehene wird nicht ungeschehen. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Und der Missbrauch macht mir nicht mehr mein Leben kaputt. Auch wenn es noch ab und zu ein Kampf ist. Lass dich begleiten - ich wünsche dir viel Kraft und Mut.

  • Huui am 09.08.2017 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bist nicht alleine

    Es gibt sicherlich auch für dich den richtigen, der dich so nehmen kann wie du bist. Lernte meinen freund mit 25 kennen und hatte die ersten dates auch absolute panik- musste mich jedes mal übergeben weil mein körper verrückt spielte. Aber zum glück hat sich mit der zeit die panik verflüchtigr und er steht zu mir.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dingo am 09.08.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Traumas und das Leben

    Habe auch einige Traumas erlitten und leide noch immer darunter. Aber bei meiner Frau wusste ich vom ersten Tag an, wie sicher ich bei ihr bin. Bei ihr kann ich einfach nur ich sein, offen, ehrlich, und das konnte ich noch nie vorher, weder bei Freunden noch Familie, und teilweise nicht mal mir selbst gegenüber. Das ist zwar sehr individuell zu betrachten, da jeder anders Emotionen wahrnimmt und erlebtes anderes verarbeitet, aber meiner Meinung nach wird alles gut, wenn du den richtigen Partner gefunden hast.

  • chic am 09.08.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles zu seiner zeit

    in den ersten monaten musste mich mein partner ganz oft festhalten, weil ich heulattacken hatte. ich glaube er hat bis heute nicht genau verstanden, was mit mir passiert. aber er ist immer für mich da. ich glaube wenn der richtige kommt, überwiegt der drang bei ihm sein zu wollen deiner panik. bis dahin hilft nur eins.. sich gutes tun und spass haben. das glück kann man nicht finden, es kommt zu einem.

  • Aspi am 09.08.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Anerkannte Traumata und andere

    Ich wünsche dir, dass die schlimmen Erlebnisse wenigstens als solche anerkannt werden. Auch ich hatte viel zu leiden, aber leider wurde dies nie anerkannt, da "man das nicht als schlimm empfindet". Als ob das Empfinden der Anderen dabei überhaupt relevant wäre!

  • Edgar Wolf am 09.08.2017 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ich habe selber Schwierigkeiten eine Frau zu finden ich wünsche dir viel Kraft und Gott vor Augen

  • Araber am 09.08.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht den Kopf hängen lassen

    Es wird der Mann kommen, der über das alles hinwegsieht weil er weiss, dass er es aushalten kann. Deine Panikattacken werden auch dann zu 100% irgendwann verschwinden. Einfach nicht aufgeben und versuchen, so gut wie möglich deine Ruhe zu bewahren!

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