Facebook-Falle

17. August 2009 17:00; Akt: 17.08.2009 17:00 Print

Die längste Zeit Freunde gewesen

von Olaf Kunz - Wer auf Facebook über Arbeitskollegen oder den Chef herzieht, sollte auf der Hut sein. Immerhin mehr als jeder Dritte Facebookler hat seinen Vorgesetzen in der Freundesliste – und in den meisten Fällen können sie alles mitlesen.

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Fehler gesehen?

Dass der Schuss schnell nach hinten losgehen kann, dies bekam eine Britin vor wenigen Tagen am eigenen Leib zu spüren. Auf Facebook lästerte sie unverblümt über ihren Chef. Dabei vergass sie aber, dass er zu ihrem «Freunde»-Netzwerk zählt. Ergebnis: Fristlose Kündigung. In eine solche Falle könnte – theoretisch – auch viele Arbeitnehmer in der Schweiz stolpern. 35 Prozent der 2294 Teilnehmer einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online haben laut aktueller Umfrage einen Freunde-Link zu diesem.

Loses Mundwerk

Besonders gefährlich: Lediglich 21 Prozent nutzen eine Filterfunktion, mit der sie grundsätzlich festlegen können, wer welche persönliche Mitteilung mitlesen darf. Genug Potenzial also, Preinlichkeiten gleich noch an die grosse Glocke zu hängen. Tatsächlich erging es rund 3 Prozent der Facebookler schon so. Sie haben sich mit einem verbalen Seitenhieb oder einem Tiefschlag schon einmal unbeliebt gemacht.

Übrigens: Frauen haben im Schnitt weniger häufiger Arbeitskollegen und Vorgesetzte in ihrer Friendlist. Bestimmt kein Fehler. Denn trotz der relativ geringern Dichte an Freunden im Arbeitsumfeld, ist es ihnen im Vergleich zu männlichen Facebookern häufiger passiert, dass sie Arbeitskollegen oder Vorgesetzte verbal in die Pfanne gehauen haben. Dafür haben sie sich bei diesen aber auch häufiger für den verbalen Fauxpas entschuldigt.

«Einfach peinlich»

Wer selber Mitglied einer Social Community im Netz ist, weiss: Freundesanfragen von Bekannten abzulehnen ist peinlich. Vielleicht mit ein Grund, warum man in Social Communities nach vielen Top-Managern vergeblich sucht. Ob Nestle-Chef Paul Bulcke, Swatch-CEO Nicolas G. Hayek oder den erst 35-Jährigen Julius-Bär-Kapitän Boris Collardi – bei ihnen allen liefert die Facebook-Suche maximal Treffer auf Gruppen. Persönliche Profilseiten dieser Personen sind im Netzwerk sind nicht auffindbar.

Beruflich? So, so!

Wer aber denkt, Facebook sei deshalb eine Chef-frei Zone, der irrt. Während mehr und mehr Unternehmen den Zugang auf Community-Plattformen wie Facebook sperren, surfen die Schweizer Kader länger im Netz, wie eine aktuelle Studie von MeettheBoss.com zeigt. Daran nahmen auch 2000 Schweizer Führungskräfte teil. Über 80 Prozent beurteilen ihre Zeit im Netz als «sehr wertvoll». Marcel Eckstein von der Human-Resources-Abteilung bei Siemens Schweiz weiss: «Vorgesetzte in grösseren Unternehmen erhalten mitunter sehr viele Freundesanfragen. Damit sich keiner der Anfragenden bei einer möglichen Ablehnung auf Schlips getreten fühlt, ist es wichtig, die persönliche Policy in Sachen Freunde-Liste klar zu kommunizieren.»

Filter, so gehts

Zwei Drittel aller Befragten haben mehr als 100 Freunde in ihrem Netzwerk. Bei einer derartigen Nutzerzahl gelangen nicht ganz ernst gemeinte Statements, Lästerreien oder auch private Bilder schnell man auf den Schirm von Personen, für die sie eigentlich nicht unbedingt bestimmt sind – selbst wenn sie «Freunde» sind. Private Desaster sind allerdings mit Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre vermeidbar. So lassen sich Freunde anhand von Listen zu Gruppen ordnen. Via Einstellungen/Privatsphäre/Profil kann dann definiert werden, auf welche persönlichen Daten die jeweilige Gruppe Zugriff hat.

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