Schwindeln für Profis

04. März 2012 11:18; Akt: 04.03.2012 11:19 Print

«Frauen sind die besseren Lügner»

von Lina Selmani - Wer nach oben links schaut, lügt – oder wie ging das? Zeichen, dass jemand schwindelt, gibt es viele. So deuten Sie die Signale richtig und erkennen eine Lüge.

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Wer die Unwahrheit sagt, der lässt seinen Körper (unbewusst) eine eindeutige Sprache sprechen: (Mikro-)Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme liefern handfestes Beweismaterial, ob gerade geflunkert wird oder nicht. Welches die meistverbreiteten Lügner-Posen sind, sehen Sie in den folgenden Bildern. Können Sie sich noch an Ihre erste Flunkerei erinnern? Wenn Kinder lügen, wandert ihr Händchen automatisch direkt vor den Mund, weil ihnen gerade etwas «Böses» über die Lippen gerutscht ist. Aber nicht nur bei Kindern ist dies eine übliche Geste. Die Hand wandert auch im späteren Leben nach wie vor wie ein Reflex weiter Richtung Mund. Oft wird die Geste aber intuitiv umgeleitet, um nicht offensichtlich zu wirken. Die Hand kann dann Richtung Nase, ... ... Ohr oder - vor allem bei Frauen - Richtung Nacken fassen. Auch am Kopf kratzen oder nervös an den Haaren herumspielen kann ein Zeichen dafür sein, dass man gerade nicht unbedingt die Wahrheit sagt. Empfindet man eine Frage als unangenehm, oder fühlt man sich gar angegriffen, dann krallt sich die Hand oft am nächstbesten Gegenstand fest und sucht Halt. Ob ein Wasserglas, Salz- oder Pfeffer-Spender: Das Objekt wird fest umschlossen und zwischen sich und dem Gegenüber gerückt, um eine Art Schutzwall aufzubauen. Natürlich sollen Sie jetzt nicht jedes mal «Du lügst!» rufen, wenn jemand ein Glas umklammert. Mehrere Zeichen, die vom normalen Verhalten abweichen, müssen erkennbar sein. Das setzt voraus, dass Sie wissen, wie die Person reagiert, wenn Sie die Wahrheit sagt. Bei diesem Bild sehen Sie beispielsweise eine typisch «schuldige Haltung», die mehrere Zeichen vereint: 1. Die Person sucht Halt, 2. Ihr Blick und das Kinn sind nach unten gesenkt und 3. nimmt sie eine verschlossene Körperhaltung ein, die Schultern sind nach vorne geneigt. Verschränkte Arme, verschränkte Beine und die Füsse, die weg von der Person gegenüber zeigen, präsentieren eine eindeutige Ablehnung. Der zurückgelehnte Oberkörper Distanz. Diese Haltung zeigt eine deutliche Anspannung. Die Anspannung beim Lügen kann sich durch viele Aktionen bemerkbar machen: Eine weit verbreitete Handlung und ein Zeichen für Unwohlsein ist heftiges Händekneten. Eine eindeutige Fluchthaltung, die signalisiert, dass die Person hier weg will, zeigt diese Körperhaltung auf: Obwohl die Person gegenüber noch fokussiert wird, sind die Füsse, Knie und Hüfte deutlich Richtung Ausgang gedreht. Und auch hier klammert sich die Person (am Stuhl) fest. Nebst den Handbewegungen ist auch das Lippenbeissen, bzw. Lippenbefeuchten/ablecken ein Standardelement beim Schwindeln. Sobald gelogen wird, kommt im Körper Stress auf, was dazu führt, dass der Mund trocken wird und befeuchtet werden muss. Sind Frauen nervös, oder fühlen sich unwohl, dann verlagern sie oft ihr Gewicht auf Ihren Schuhabsatz und drehen aus lauter Anspannung fast ein Loch in den Boden. Nicht nur die Körperhaltung gibt Aufschluss über Lüge oder Wahrheit, auch die Augen können eindeutige Signale senden. Es gibt das bekannte Schema, dass jemand der nach oben links schaut (von sich aus gesehen) sich erinnert und jemand der nach oben rechts schaut etwas visuell konstruiert, sich also gerade eine Lüge zusammenbaut. Aber auch hier braucht es natürlich mehr als nur einen Blick um zu wissen ob jemand die Wahrheit spricht oder nicht. Macht eine Frau hingegen diese Geste, kann man davon ausgehen, dass sie die Wahrheit sagt. Die meisten Lügner versuchen ihre Gestik soweit wie möglich zu kontrollieren, da sie Angst haben sich dadurch zu verraten. Umgekehrt: Wenn jemand im Normalfall wenig gestikuliert, wird sich dies bei einer Lüge ändern, da man mit viel Rumgefuchtle möglichst «echt» und authentisch zu wirken versucht.

Eine Lüge zu verheimlichen ist gar nicht so leicht. Wie Sie sich unbewusst verraten, sehen Sie in der Bildstrecke.

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Wer behauptet noch nie geschwindelt zu haben, der lügt. Rufen Sie sich nur mal all die kleinen Alltagslügen in Erinnerung, die Ihnen regelmässig über die Lippen gehuscht sind, ohne dass Sie dabei auch nur mit der Wimper gezuckt haben. Die sogenannten «White Lies» gehören mittlerweile zum guten Ton und werden nicht nur geduldet, sondern schon fast erwartet - oder wie oft haben Sie auf ein «Wie gehts?» mit einer ausführlichen und vor allem ehrlichen Antwort reagiert? Eben.

Mal abgesehen von kleinen Notlügen und Schwindlereien: Wissen Sie, wann Ihnen jemand die Wahrheit erzählt und wann man Ihnen schamlos ins Gesicht lügt? Wie sieht man ob jemand flunkert? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns Tipps und Tricks beim langjährigen Kommunikations-Trainer Stephan Lendi, der unter anderem den Kurs «menschlicher Lügendetektor» anbietet (siehe Infobox), geholt.

Eine Geste sagt mehr als tausend Worte

«Damit man erkennen kann ob jemand lügt oder nicht, muss man als erstes wissen wie sich die Person verhält, wenn sie die Wahrheit spricht», sagt Lendi. Es geht im Prinzip nur darum, «dass man die Merkmale, die auf Nervosität hindeuten, genauer anschaut und die Veränderungen von der Wahrheit zur Lüge erkennt». Diese Veränderungen können ganz unterschiedlicher Natur sein: «Wohin schaut der Körper? Bedeckt man mit seiner Hand den Mund oder kratzt sich an der Nase, am Kopf? Gibt es eine Abwehrhaltung? Verändert sich die Stimme, das Sprachtempo während dem Gespräch? Wohin schauen die Augen? Das sind alles Aspekte, die vom ‹normalen› Verhalten abweichen können».

Eine Millisekunde verrät Bill Clinton

Nebst dieser offensichtlichen Körpersprache (siehe obige Bildstrecke) gibt es auch noch die sogenannten Mikro-Ausdrücke, die für eine Millisekunde zu sehen sind. Das können zusammengekniffene Augen sein oder ein kurzes, schelmisches Lächeln. Ein gutes Exempel für eine verräterische Mikro-Mimik liefert Bill Clinton. Öffentlich dementiert er den Vorwurf, jemals sexuellen Kontakt zu der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky gehabt zu haben und klopft eindrucksvoll nach jedem Wort auf sein Redner-Pult um seine Aussage zu verstärken. Blöd nur, dass ihm bei Sekunde acht für einen winzigen Augenblick ein spitzbübisches Lächeln übers Gesicht huscht. An was er wohl gerade gedacht hat?

Schauen Sie bei 0:08 ganz genau hin:


(Quelle: YouTube.com)

«Frauen lügen besser als Männer»

Dass Clinton nicht unbedingt der geborene Lügner ist, hat aber teilweise ganz einfach damit zu tun, dass er ein Mann ist: «Frauen lügen besser, ganz klar. Sie haben einfach eine besser Wahrnehmung», so Lendi. Aber warum? «Das geht zurück bis in die Steinzeit: Frauen waren für die Kinder zuständig und bei der Nahrungsbeschaffung die Sammler. Sie mussten sich schon sehr früh auf ihre Intuition verlassen, um zu wissen was das schreiende Baby will und eine ausgeprägte Wahrnehmung haben um bei der Nahrungssuche die guten Beeren von den schlechten zu unterscheiden.» Der Mann hingegen musste nur ein Tier erlegen – viel Intuition brauchte es da nicht.

Übung macht den Meister

Aber keine Sorge, liebe Männer: Die menschliche Intuition lässt sich schulen. Laut Lendi sollten wir sowieso «viel mehr auf unser Bauchgefühl hören und auf unsere Menschenkenntnisse vertrauen». Durch viel Beobachten lassen sich diese verbessern, stärken, schärfen. Lendis Tipp: «Ein Sendung wie ‹Zischtigsclub› eignet sich sehr gut um die Körpersprache und die Mikro-Ausdrücke von anderen zu erkennen und richtig zu deuten. Einfach mal einschalten und sehen was man so alles an Mikro-Mimik, Körperhaltung, Stimmveränderungen und so weiter sieht».

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Ausgewählte Leser-Kommentare

An solchen Körpersignalen kann man zwar gut erkennen, dass jemand angespannt ist, aber nicht warum. Kann sein, dass die Person lügt, kann aber auch sein, dass ihr bloss die Situation unangenehm ist, dass sie aus externen Gründen angespannt ist oder Angst hat, dass man ihr die Wahrheit nicht glaubt. Allenfalls erhält man einen Hinweis darauf, wo es sich lohnen könnte, die Angaben näher zu überprüfen. Gerade bei Lügendetektortests werden viele Unschuldige irrtümlich als Lügner identifiziert. Ein bekannter Experte auf dem Gebiet ist Paul Ekman. – Peschä

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peschä am 06.03.2012 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    An solchen Körpersignalen kann man zwar gut erkennen, dass jemand angespannt ist, aber nicht warum. Kann sein, dass die Person lügt, kann aber auch sein, dass ihr bloss die Situation unangenehm ist, dass sie aus externen Gründen angespannt ist oder Angst hat, dass man ihr die Wahrheit nicht glaubt. Allenfalls erhält man einen Hinweis darauf, wo es sich lohnen könnte, die Angaben näher zu überprüfen. Gerade bei Lügendetektortests werden viele Unschuldige irrtümlich als Lügner identifiziert. Ein bekannter Experte auf dem Gebiet ist Paul Ekman.

  • Torsten Betschart am 05.03.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartige Anschauung

    Wenn man bei wichtigen Themen weniger Lügen würde, hätte man sich diese ganze Diskussion eigentlich gespart. Ich finde es teilweise befremdlich, dass es als normaler empfunden wird, über die Fähigkeit des Lügens nachzudenken und diese sogar aktiv zu verbessern, als darüber, ob es nicht besser und förderlicher wäre, der Wahrheit die Ehre zu geben, auch wenns teilweise sicher nicht schön ist und vor allem an der eigenen Lack kratzen kann - aber da liegt das Problem ja sowieso.

  • hugo am 05.03.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    kkuckuckskinder

    wenn frauen nicht besser lügen würden als männer, gäbe es weniger kuckuckskinder.

  • naja am 04.03.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Witz zieht nicht ganz....

    Gesten können auch einfach heissen, dass jemand nervös ist oder gerade schwitzt, bzw. aufs Klo muss oder einen anderen Termin hat. Und das letzte Bild ist sowieso am fadenscheinigsten. Eine Person auch könnte gerade an Sex o.ä. denken, sich zum Gesprächspartner hingezogen fühlen oder gelangweilt sein und desshalb schnell wegträumen. Wirkliche Lügen merkt man eher durch Logik, Tonhöhe und Menschenkenntnis, Gesten können auch antrainiert werden, zb. Schauspieler oder Politiker, welche ja oft Lügen können "müssen" um ihren Job auszuüben. Kurz um die Bilder sagen praktisch nix. :)

  • Mathias am 04.03.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Männliche Intution

    Der Steinzeitmann hatte sehr wohl Intution, denn sonst wäre er bei der Jagd schnell einmahl die Mahlzeit eines Raubtiers gewesen. Im Gegensatz zu heute konnte man damals nicht einfach in den Wald, um ein Tierlein zu erlegen; da hatte der Mensch noch echte Konkurrenz um seine Nahrung, und war wie erwähnt jederzeit in Gefahr, selbst als solche zu enden. Ausserdem halte ich die These, wonach die Steinzeitfrau die gesundheitsbewusste Beerensammlerin und der Steinzeitmann der plumpe Fleischfresser war, doch für sehr gesucht. Wohl die Legende einer modernen, blätterfressenden Genderwissenschafterin.

    • Bibi am 05.03.2012 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Dito

      Sehe ich absolut genauso. Ich finde es immer wieder überaus schwachsinnig, Verhaltensweisen auf die Steinzeit zurück zu führen. In meinen Augen völliger Nonsens. Frauen sollen sich innerhalb von wenigen Jahren emanzipiert haben, Männer hingegen immer noch von der Steinzeit geprägt sein. Humbug!

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