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Internet-Spionage
05. März 2009 13:39; Akt: 05.03.2009 18:13 Print
Schweizer zu leichtfertig mit Daten im Netz
von Olaf Kunz - Während der biometrische Pass höchstumstritten ist, sind im Netz weitaus sensiblere Daten vieler User auffindbar. Jeder Fünfte ist im Web schon auf ungewollt öffentlich einsehbare Daten über sich gestossen.
Von wegen anonym: 47 Prozent der Schweizer Webnutzer sind bei persönlichen Daten prinzipiell ehrlich und geben bei Portalen wie Facebook & Co Daten von sich preis, die der Wahrheit entsprechen. Doch für fast jeden Zehnten hatte die Aufrichtigkeit schon einmal schwerwiegende Folgen. Die Offenherzigkeit wird nicht selten teuer bezahlt mit unliebsamer Post, Mobbing oder gar Stalking-Attacken. Diese beunruhigenden Ergebnisse förderte jetzt eine Web-Umfrage von 20 Minuten Online zutage.
An der nicht repräsentativen Online-Umfrage haben sich insgesamt 3.048 Internetnutzer beteiligt. Davon 2.095 Männer und 953 Frauen.Wie ein offenes Buch
Die Flut an personenbezogenen Daten ist enorm. 76 Prozent aller Umfrageteilnehmer nutzen Community-Sites wie Facebook, Twitter oder Xing. Dabei werden teilweise auch sensible Daten wie Adresse, Anschrift des Arbeitgebers oder Veranstaltungen, die man in naher Zukunft plant zu besuchen, hinterlegt. Dementsprechend gross die Empörung, wenn solche Daten an die Öffentlichkeit geraten. Viele merken erst bei einer mehr oder weniger zufälligen Suchanfrage, dass ihr Leben wie ein offenes Buch im Internet nachgelesen werden kann - Beziehungsstatus, Urlaubsdestination oder sexuelle Vorlieben werden nicht selten zur Public Information.
Po-Wettbewerb als Lanzeitmakel
15 Prozent googeln regelmässig nach ihrem Namen, 63 Prozent tun dies von Zeit zu Zeit. Nicht selten staunen Internetnutzer, was der Suchgigant so alles findet. So auch die 33-jährige Mareike aus Bern: «Als ich vor einigen Tagen meinen Namen ins Suchfeld eingegeben hab, kamen viele Treffer. Darunter zu meinem Xing-Profil, einem Eintrag mit meiner Wohnadresse und eine Amazon-Liste mit Büchern, die ich gekauft habe», schüttelt sie den Kopf.
Sie hat noch Glück, im Gegensatz zu Andrea B., die für einen Po-Wettbewerb posierte. Seither kommt gleich auf dem ersten Platz der Trefferliste zu ihrer Namen-Suchanfrage eine Bildstrecke der Dame in sexy Höschen. Das ist ihr heute hochpeinlich und hat schon einmal zu einer Ablehnung bei einer Job-Bewerbung geführt.
Die Geister, die ich rief...
Sind die Daten erst einmal publik, verfolgen einen die Geister meist lange Zeit. Selbst wenn die Informationen vom Server oder die Profile auf den Community-Portalen gelöscht werden, werden sie noch über Jahre hinweg bei Suchanfragen gelistet, auch wenn die Links zu den Originalseiten nicht mehr funktionieren. Tatsächlich ist jeder Zweite, der versucht, lästige, peinliche oder sensible Daten aus dem Netz zu eliminieren, nicht erfolgreich. So ärgern sich viele Leichtgrläubige lange Zeit mit Providern herum und haben das Nachsehen.


























