Selbstständige Leser

20. April 2016 11:48; Akt: 20.04.2016 11:49 Print

«Ich kann mich ständig neu erfinden»

von G. Hummel - Doris Andres hat sich vor über 20 Jahren selbstständig gemacht. Im Interview erzählt sie, wie sie Forex Trading, Familie und die Finca in Spanien unter einen Hut bringt.

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Doris, worin siehst du die Vorteile der Selbstständigkeit?
Doris Andres: Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und Familie und Beruf einfacher unter einen Hut bringen. Ich arbeite, wann und wo es mir passt. Ausserdem kann ich extrem kreativ sein und mich ständig wieder neu erfinden.

Umfrage
Können Sie sich vorstellen, sich selbstständig zu machen?
55 %
19 %
26 %
Insgesamt 2365 Teilnehmer

Wie kamst du dazu, dich selbstständig zu machen?
Ich habe mich verliebt. Mit 27 habe ich meinen heutigen Mann im Geschäft kennen gelernt und er meinte, ich könne mich mit meinen Fähigkeiten doch selbstständig machen. Von selbst wäre ich nie darauf gekommen, in meiner Familie ist das zum Beispiel gar nicht typisch, sie ist sehr sicherheitsbewusst.

Und dann hast du deinen Job aufgegeben?
Ich habe einfach gekündigt und mir gar nicht gross Gedanken darüber gemacht. Ich konnte sofort als Freelancerin auf eigenen Beinen stehen, auch finanziell. Als Versicherungsmathematikerin entwickelte ich unter anderem Lernsysteme und Sozialversicherungs-Analysetools. Man muss dazu sagen: Damals hatte ich auch noch keine Verantwortung gegenüber einer Familie.

Was machst du heute beruflich?
Das sind grob gesagt zwei Dinge: Forex Trading, also Währungshandel. Ich entwickle Strategien, programmiere diese als Expert Advisor und gebe sie als Signale weiter. Ausserdem betreiben wir eine Finca in Spanien. Grundsätzlich versuche ich immer, das Technische mit Menschen zu kombinieren. Das schaffe ich ziemlich gut.

Du hast eine Finca in Spanien?
Ja, gemeinsam mit meinem Mann. Unser Leben spielt sich in der Schweiz und in Spanien ab. Auf der Finca, ein kleines Hotel mit eigener Weinproduktion, ist es uns wichtig, diese nachhaltig zu betreiben, die Gäste zu verwöhnen und nicht unbedingt die Massen zu uns zu führen. Daneben richten wir immer wieder grössere Events aus wie zum Beispiel Hochzeiten. Ausserdem sind wir dank Solarenergie und Biomasse energietechnisch Selbstversorger.

Wie muss man sich denn einen typischen Arbeitstag bei dir vorstellen?
Im Normalfall stehe ich um 7 Uhr auf und lese bereits im Bett die Wirtschaftsnachrichten. Dann gibts einen Stehzmorge mit der Familie. Danach arbeite ich an den Handelssystemen und führe Kundengespräche. Anschliessend setze ich mich mit meinem Mann zusammen und wir besprechen, was an diesem Tag und in nächster Zeit geschäftlich oder auf der Finca ansteht. Wir arbeiten fast ausschliesslich von zu Hause aus.

Gibt es auch negative Seiten der Selbstständigkeit?
Es kommt immer in Wellen. Die Hochs und Tiefs als Selbstständiger sind sicher viel intensiver als bei einem Angestellten. Wenn es mal wieder richtig mühsam oder stressig ist, denke ich mir manchmal schon: «Warum hast du nicht einen normalen Job?» Aber das geht auch immer ganz schnell vorbei. Zudem: Bezahlte Mutterschaft und Krankheit gibt es in der Selbstständigkeit nicht und daher ist es ein absolutes Muss, dass der Partner einen unterstützt.

Was empfiehlst du Menschen, die sich selbstständig machen wollen?
Zuerst ein Brainstorming machen: Was kann ich gut und was mache ich gern? Wichtig dabei ist, dass einen die Idee ernähren kann und dass das Umfeld mitmacht. Für mich war die Vereinbarkeit mit der Familie immer sehr wichtig. Dann eine Marktstudie machen: Was gibt es schon? Wie machen die es? Wie könnte ich es besser machen? Dann einen Businessplan erstellen und finanziell nicht zu grosse Risiken eingehen. Ich setze immer einen «Stop Loss»-Punkt fest – beim Trading und bei Projekten: Wenn ich zu viel Geld verliere oder Projekte nicht die gewünschten Resultate hervorbringen, höre ich noch im richtigen Moment auf damit.

Würdest du gewisse Dinge rückblickend auf die letzten 20 Jahre anders machen?

Nicht wirklich. Denn jeder Weg führte mich immer irgendwie weiter, ich sah nie etwas als Scheitern an. Ausserdem ist es mir wichtig, Ideen nicht zu zerstören, nur weil sie gerade aus irgendeinem Grund nicht umsetzbar sind. Dann ist der Weg falsch, aber nicht die Idee selbst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sibylle Finger am 20.04.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Achtung!

    Was fuer eine interessante, vielseitige Frau! Alle Achtung, wie sie Karriere und Familienleben unter einen Hut bringt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sibylle Finger am 20.04.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Achtung!

    Was fuer eine interessante, vielseitige Frau! Alle Achtung, wie sie Karriere und Familienleben unter einen Hut bringt!

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