Leserkommentare

01. Oktober 2014 07:39; Akt: 01.10.2014 07:39 Print

«Anonymous ist effektiver als Demonstrationen»

Experten sagen: Jugendliche gehen nicht mehr auf die Strasse, um zu demonstrieren und kümmern sich lieber um sich selbst. Die 20-Minuten-Leser erklären die Gründe.

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Die heutigen Teenager seien Zombies, die emotions- und willenlos nach Anerkennung und Wertschätzung gieren, sagt Oliver Jeges, Autor des Buches «Generation Maybe». Der von 20 Minuten befragte Sozialpsychologe Christian Fichter bläst ins selbe Horn. Er fügt an, dass es den Jugendlichen nicht mehr um das Gemeinwohl, sondern um das eigene Wohl gehe und sie daher kaum noch auf die Strasse gingen, um zu demonstrieren. Der vorherrschende Ton der Kommentierenden zum Artikel «Die Jugendlichen sind eine Horde von Zombies» ist ebenso eindeutig: Junge wie erwachsene Leser unterstützen die Aussagen der Experten.

Die Meinung aber, dass der Grund für die Demonstrationsmüdigkeit Gleichmut sei, teilen die Leserinnen und Leser nicht. Sie erklären diese Entwicklung mit der Resignation der sogenannten«Generation Y». So schreibt Leserin Maria: «Wir wissen alle, dass irgendwelche Demos überhaupt gar nichts nützen.» Und Leser Rafael doppelt nach: «Proteste haben so gut wie nichts gebracht! Wenn du die Welt besser machen willst, mach es im Kleinen, fang bei dir selber an.» Auch sei die Form der Demonstration heute eine andere. Soziale Medien und Hackerkollektive haben Proteste von der Strasse ins Internet geholt, so die Meinung vieler Leser, darunter auch Andreas: «Ich glaube, dass Anonymous tausendmal effizienter ist als alle Demonstrationen. Vor allem der Islamische Staat kann durch politische Einrichtungen nicht gebremst werden.»

«Ich schaue lieber, dass es mir gutgeht, anstatt mich aufzuregen»

Weiter scheinen sich die Kommentierenden machtlos gegenüber Regierungen und Organisationen zu fühlen. So auch Leserin Montsch, die den beliebtesten Kommentar absetzte: «Ob man gegen die US-Aussenpolitik oder den IS-Terror demonstriert, kommt auf das Gleiche heraus. Es bringt nichts. Die haben ihre Macht und machen was sie wollen.» Neben der Desillusionierung und dem Gefühl von Machtlosigkeit sieht ein Grossteil den Grund für die Gleichgültigkeit ebenfalls im von Experte Christian Fichter angesprochenen Katastrophensturm. «Leider werden über die Medien nur schlechte Nachrichten verbreitet, was letztendlich auch zu Abstumpfung führt», schreibt Leser Dirk.

Der von den Experten angeführte Egoismus der «Generation Maybe» spiegelt sich letztlich auch in einem Grossteil der Kommentare wider. So auch in dem von Reto: «Man hat nichts zu sagen, wenn man kein Politiker oder Unternehmer ist! Das sieht man daran, wie schleppend oder verwässert angenommene Initiativen umgesetzt werden. Darum schau ich lieber, dass es mir gutgeht, als mich aufzuregen.»

«Eine Krankenschwester, die sich vor Ort einsetzt, kann viel bewegen»

Unter den Kommentierenden gibt es aber durchaus einige, die sich engagieren. Doch auch die sehen die Demonstration nicht mehr als wirkungsvolle Form des Protestes. So schreibt Leserin «Krankenschwester»: «Ich gehe nicht an Demos. Ich will etwas bewirken! Seit ich 18 bin, will ich zu Ärzte ohne Grenzen. Und in zwei Jahren ist es so weit. Wer bewegt mehr: ein Banker, der gegen alles demonstriert, oder eine Krankenschwester, die sich vor Ort einsetzt?»

Damit ist sie eine von wenigen, wie die Kurzumfrage «Wieso demonstrieren Sie nicht auf der Strasse gegen Ungerechtigkeiten?» zeigt. Nur neun Prozent der 7'400 Teilnehmer engagieren sich demnach privat. Alle weiteren Ergebnisse der Umfrage sehen Sie hier:

Alle Leserkommentare lesen Sie im Anschluss.

(bsg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • montsch am 30.09.2014 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Es bringt sowieso nichts

    Ob man gegen die US Aussenpolitik oder den IS Terror demonstriert kommt aufs gleiche raus. Es bringt nichts. Das ist als würde man gegen ein Gerichtsurteil demonstrieren. Die haben ihre Macht und machen was sie wollen. Das einzige was bringt ist Atomwaffen zu besitzen und auf gleicher Augenhöhe den Amis zu drohen dann geben sie vlt 1mm nach. Aber einer Demokratie die nicht mal eine Luftwaffe hat... die lachen sich krumm im Weissen Haus. Ich schau auf mein Land der Rest geht mir am.... vorbei. Globalisierung ist nicht mein Ding.

  • Nathanael am 30.09.2014 06:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen was soll man ....

    im Ukraine Konflikt protestieren? Was dort wirklich geschieht weiss kaum einer. Dann sympathisieren viele mit Russland, das ja im kalten Krieg schon die Bösen waren. In Syrien und Irak ist die Lage noch unübersichtlicher. Viele glauben den Amis gar nichts mehr, was man ihnen auch nicht wirklich verübeln kann. Die amerikanische Politik wurde in den letzten 20 Jahren von den Lobbyisten förmlich aufgefressen, ohne extreme Gesinnung gewinnt man dort keinen Blumentopf mehr.

  • Roland Kämpe am 30.09.2014 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Einsatz wo Einsatz nützlich

    Gegen die Kriege der "Grossen" auf die Strasse zu gehen, ist vergebliche Liebensmüh, das interessiert und nützt niemandem. Viel wichtiger wäre es, in den Jungen ein Interesse an der Demokratie und am Wohlergehen dieser Nation zu wecken, zu kommunizieren, dass unsere Freiheiten nicht selbstverständlich sind und aktuell auch verteidigt werden müssen. Man sollte für Dinge auf die Strasse, die man beeinflussen kann, nicht weil sog. Experten finden man müsste sich doch über Ereignisse empören, die nicht nur eine halbe Welt entfernt sind sondern sich auch vollständig unserer Kontrolle entziehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Köbi am 30.09.2014 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus

    Dass der Kapitalismus viele Menschen egozentrisch macht denke ich auch! Jedoch muss immer bedacht werden, dass die Jugend von heute von den Erwachsenen lernt. Wir haben die Lehren und Werke unserer Vorgänger und Vorjugend angenommen und verinnerlicht. Wäre es nicht absurd, in ein Zimmer zu gehen, dort alles zu verwüsten und es wieder zu verlassen. Dem nächsten der reinkommt aber vorwerfen er lebe in einem Saustall? Wieso wird dann der Jugend die eigene Schuld vorgeworfen?

  • kariny am 30.09.2014 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    ist nicht ganz so

    Sieht man ja wie einst friedliche Proteste in der Ukraine zu einem Konflikt führen. Ich habe Hoffnung in die Jungen. Sie führen schon längst Krieg! Dort, wo er sich abspielt, im Internet, an der Börse etc. Das "alte" muss irgendwann sterben, damit was neues entstehen kann.

  • Simon Hauri am 30.09.2014 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein ewiges Thema 

    Die Jugend von heute kämpft nicht mehr mit den gleichen Waffen. Das heisst jedoch nicht, dass sie nicht kämpft. Aber es ist wie immer, die Jugend von heute ist schlimmer als je zuvor, früher war alles besser und man war natürlich auch nie so schlimm.

  • Jugend am 30.09.2014 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Wieso wird die Jugend für "fehlende Demos" beschuldigt genauso gut kann jemand über 50 eine Demonstration ins leben rufen/an einer teilnehmen so wie es in den 70er geschah;)

  • Petra Chevalier am 30.09.2014 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es wachse eine Zombie-Generation heran

    Es gab und gibt immer "solche" und "solche" Menschen. Aber ich finde nur schon die Aussage oben im Bericht der sogenannten "Experten" als verachtend, respektlos und "unter allem Hund"! den Jugendlichen gegenüber. Bietet ihnen doch eine bessere Basis im Leben: Jobs, ein zu Hause, Liebe, u.s.w.

    • Babet am 30.09.2014 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Respektieren und Verstehen

      genau das ist es was den Jugendlichen fehlt, und was auch wichtig wäre ist der Respekt und Verständnis, dann sind die Jugendlichen ganz "normale" Menschen und sehr Freundlich

    • Richard Keith am 30.09.2014 18:39 Report Diesen Beitrag melden

      Zombie.Generation

      Ich setze noch einen drauf : " Viele davon kann man in der Pfeife rauchen !"

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