Risiko Konserven-Kost

24. November 2011 17:21; Akt: 25.11.2011 14:01 Print

Die Gefahr aus der Dose

von Viktoria Weber - Der Weichmacher Bisphenol A steht im Verdacht, Erektionsstörungen und Herzprobleme zu verursachen. Obwohl der Stoff in Konservendosen enthalten ist, sieht die Schweiz von einem Verbot ab.

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Viele Konservendosen sind mit einer Dichtungsfolie aus Epoxidharz beschichtet. Darin ist der Stoff Bisphenaol A enthalten. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Forscher in den USA haben herausgefunden, dass der Verzehr von Dosensuppen zu deutlich erhöhten Werten der Chemikalie Bisphenol A im Körper führt. Das berichtet Spiegel Online. Bisher hat der Stoff vor allem dann für Aufregung gesorgt, wenn es darum ging, ob er in Schoppenflaschen enthalten sein darf. Unterschiedliche Studien weisen darauf hin, dass der Stoff zu Unfruchtbarkeit bei Männern, Erektionsstörungen, Diabetes, Fettleibigkeit und Herz- und Kreislaufproblem führen kann. Bei Kleinkindern und Säuglingen soll die Gehirnentwicklung beeinträchtigt werden.

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Doch der Stoff befindet sich auch in vielen anderen Gegenständen, die uns Tag für Tag begegnen. So zum Beispiel in der inneren Beschichtung von Konservendosen. Bei einer Studie, welche an der Harvard School of Public Health durchgeführt und im amerikanischen Fachblatt Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, sind 75 Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Die eine Hälfte bekam mittags eine Dosensuppe zu essen, die andere Hälfte eine frisch zubereitete Suppe. Den Rest des Tages durften sich die Probanden ernähren, wie sie wollten. Am vierten Tag der Untersuchung gaben die Probanden Urinproben ab und die Ergebnisse waren eindeutig: Der BPA-Wert stieg bei den Personen, die täglich eine Dosensuppe verzehrt hatten, von 1,1 Mikrogramm pro Liter auf 20,8 an. Laut den Forschern seien dies die höchsten BPA-Konzentrationen, die bislang gemessen worden seien. Zwar würden die Werte nur momentane Spitzenwerte darstellen, jedoch könnten die Ergebnisse eine wichtige Rolle spielen für Personen, die häufiger Konservennahrung zu sich nehmen würden.

Keine Einigkeit über die tatsächliche Gefahr

Insgesamt bleibt BPA ein umstrittener Stoff. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) entschied im Juni dieses Jahres, «dass die Einnahme von Bisphenol A durch Lebensmittel kein Risiko für den Konsumenten darstellt. Dies gilt auch für Neugeborene und Säuglinge», wie man dem Faktenblatt zu diesem Thema entnehmen kann. Damit widerspricht das BAG dem Entscheid der EU, Bisphenol A in Schoppenflaschen zu verbieten.

Timo Bütler vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich Irchel erklärt, wie es zu den unterschiedlichen Entscheidungen kommt: Die Erkenntnisse rund um den Stoff BPA seien sehr unsicher, es gebe keine konkreten Beweise für die Schädlichkeit. Die EU ginge zwar vorsichtiger um, was aber nicht bedeuten würde, dass die Schweiz im Vergleich dazu unvorsichtig sei. «Bisphenol A ist ein Weichmacher, den man für die Herstellung vieler Dinge braucht. Über mögliche Alternativstoffe weiss man zum Teil noch weniger. Deswegen sieht die Schweiz von einem Verbot ab.»

«Die Dosis macht das Gift»

Auch die Ergebnisse und Interpretationen der US-Studie hält Bütler für übertrieben. Die gemessenen Werte der Probanden deuteten darauf hin, dass diese 40 Mikrogramm BPA zu sich genommen hätten. Der von verschiedenen regulatorischen Behörden ermittelte tolerierbare Wert liegt allerdings bei 50 Mikrogramm pro Kilogramm des Körpergewichts pro Tag. Umgerechnet bedeutet dies, dass ein Mensch mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm täglich 3000 Mikrogramm des Stoffes ohne Bedenken zu sich nehmen kann.

Wichtig zu erwähnen sei ausserdem, dass die bisherigen Versuche, die auf die entsprechenden Wirkungen des Stoffes hindeuteten, meist an Tieren durchgeführt wurden. Diese hätten aber einen anderen Metabolismus als Menschen. Das heisst, dass Menschen den Stoff im Gegensatz zu Tieren anders und schneller verarbeiten und wieder vollständig ausscheiden. Dennoch sei es wichtig, weiterhin an dem Stoff zu forschen, denn: «Die Dosis macht das Gift» und vor allem bei Säuglingen könne man nicht von den gleichen Faktoren ausgehen wie bei einer erwachsenen Person.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neros am 24.11.2011 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Schweiz

    Typisch Schweiz wieder mal. Was in gesunddenkenden Staaten verboten ist, ist in der Schweiz erlaubt und umgekehrt...

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  • Thomas am 24.11.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bisphenol A ist giftig und verbreitet

    Bisphenol A ist giftig und in vielen Produkten drin. Von Einpackplastik, zu Druckertinte, zu PET Flaschen. Die Auswirkungen von Bisphenol A sind zur Genüge erforscht. Unfruchtbarkeit, Diabetes usw. wurden wissenschaftlich nachgewiesen! Nur das Bundesamt für Gesundheit sieht einmal mehr keine Gefahr. Das geht mit anderen Stoffen genau so, man denke an Aspartam, Acrylamid und jetzt Bisphenol A.

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  • fredchen am 24.11.2011 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich lebe noch immer

    Was darf man dann überhaupt noch essen? Schadet ja alles dem körper.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • uwe S am 28.11.2011 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bispenol A ist kein Weichmacher

    Bisphenol A wird nicht als Weichmacher eingesetzt weil es nicht weich macht. Bisphenol A ist ein Synthesebaustein fuer einige Kunststoffprodukte wie z.B. Polycarbonat oder auch Epoxydharzen.

  • Silver am 28.11.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik - oh mein Gott!

    Also, wenn ich jeden Tag 99 Dosen mit irgendwas esse und dies während 99 Jahren, dann habei ich ein 99% Risiko an irgendwas zu erkranken und zu sterben - wahrscheinlich an einer Blutvergiftung, verursacht durch einen Schwächeanfall beim Dosen öffnen und das daraus resultierende Abrutschen des Dosenöffners!

  • Can Maker am 27.11.2011 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastic Planet

    Schon jemand den Film Plastic Planet geschaut?

  • nopanic am 25.11.2011 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in 100 Jahren

    sind wir alle Tod

  • Mic Mac... am 25.11.2011 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tomatos....

    Ist der stoff auch in Dosentomaten??

    • Dahlia am 25.11.2011 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja ja

      Ja, in allem was in Dosen verpackt ist. Einfach nicht täglich konsumieren und vorsichtig sein bei Baby's und Kleinkindern. Davon liest man auch in vielen Babyzeitschriften.

    • 807687 am 26.11.2011 22:35 Report Diesen Beitrag melden

      Mic Mac, Dosentomaten sind meines Wissen

      nicht in weiss beschichteten Dosen konserviert. Sollte also kein Problem sein. Leben ist nun mal ungesund. Ich esse kaum mal etwas aus der Dose sondern bereite alles frisch zu. Hat eben schon Vorteile.Nachteil: Man steht täglich etwa 2 Stunden in der Küche. Da muss man schon gerne kochen, um das konsequent durchzustehen.

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