«Mit riesigem Gehänge»

07. Februar 2018 11:08; Akt: 07.02.2018 11:08 Print

Als Exhibitionist an die Fasnacht – echt jetzt?

Beim närrischen Treiben zur Fasnacht ist ja fast alles erlaubt. Bei dieser Exhibitionisten-Verkleidung auf Amazon hört jedoch für viele der Spass auf.

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Dieses FKK-Exhibitionist-Kostüm wird im deutschen Amazon-Shop als «frech, frivoles Kostüm» für die Fasnacht angepriesen. Für 32.30 Euro kann man das «sexy gewagte und doch sehr lustige Kostüm» bestellen. Das sorgt bei den Kunden für Kopfschütteln. Weiter heisst es in der Produktbeschreibung: «Der Gag ist natürlich das riesige Gehänge, das Frank unter dem Mantel verborgen hält! Wollt ihr Frank noch ein bisschen schlüpfriger wirken lassen? Dann komplettiert es einfach mit einer dicken Brille oder einem schiefen Scherzgebiss aus unserem Shop.» Echt jetzt? Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon mit einem Fasnachtskostüm für Aufregung sorgt. Die folgenden Verkleidungen für Kinder sorgten ebenfalls für rote Köpfe: Mit kecker Schirmmütze und praktischer Kartonbox kann man sein Kind als Evakuierungsopfer aus dem Zweiten Weltkrieg ins Getümmel schicken. Das praktische Namensschild hilft auch dabei, den Spross während des Fasnachtsumzugs wiederzufinden, sollte er abhandenkommen. Da strahlt doch jedes Kindergesicht, wenn man es in historisch total bäumige Outfits steckt, oder? Mit Reisetasche und traurigem Blick: Dein Kind wird Freude haben am Look des «evakuierten Mädchens aus dem Zweiten Wetlkrieg». Alternativ dazu gibt es auch das «Armer Bauer»-Kostüm, mit dem sich der Nachkomme stilgerecht auch noch etwas dazuverdienen kann. Oder man schickt die Tochter mit dem «Armes viktorianisches Mädchen»-Kostüm nach dem Umzug gleich noch zum Putzen zu den Nachbarn. Richtig Radau im Fasnachtsviertel gibt es, wenn sich dein Kind für das Bauernaufstandskostüm entscheidet. Die Protestrufe gegen den Feudalismus musst du deinen Kleinen aber selbst beibringen. Kein Kostüm, aber ein Pulli, der einen Shitstorm ausgelöst hat: Der Online-Store von H&M in Grossbritannien kassierte kürzlich wegen dieses Fotos heftige Kritik. Der Grund: Ein schwarzer Junge trägt einen Pulli mit der Aufschrift «Coolster Affen im Dschungel». Auf ... ... dem Pulli, den ein weisser Junge trägt, steht hingegen «Überlebensexperte». Auch Zara kennt sich bereits mit Shitstorms aus, dabei sollte es doch nur ein Sheriffstern sein! Leider erinnert dieses Kinder-Sweatshirt an die Kleidung von KZ-Häftlingen und daran, dass Juden im Dritten Reich einen Davidstern tragen mussten. Die Kleidermarke Forever 21 ist mit diesem T-Shirt für Herren in ein Fettnäpfchen getreten: «Sag nicht vielleicht, wenn du Nein sagen willst.» Der Spruch verharmlose Vergewaltigungen, so die Kritiker. Nach den unrühmlichen Schlagzeilen zog Forever 21 das T-Shirt wieder aus dem Online-Handel. Ein T-Shirt des Labels Wasted Heroes wurde auf dem Asos-Marktplatz so unvorteilhaft in Szene gesetzt, dass es Rassismus-Vorwürfe hagelte. Wasted Heroes entschuldigte sich und gab bekannt, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe. «Das T-Shirt sollte sich darauf beziehen, dass wir Sklaven von Modelabels sind, darum ist es als Slave to the Label betitelt», hiess es in einem offiziellen Tweet. Auch Luxus-Labels leisten sich ab und zu einen Fauxpas. Die «Sklaven-Sandale» war nur wenige Minuten im Online-Shop von Dolce & Gabbana zu finden. Heute heisst das gute Stück «Flat-Sandal». Auch Abercombie & Fitch ist schon in die Sexismus-Falle getappt. Nicht wegen der halbnackten Surferboys, die vor dem Eingang der Filialen stehen, sondern wegen eines T-Shirts für Damen: «Wer braucht Hirn, wenn man die hier hat», steht auf dem T-Shirt geschrieben. Frauenorganisationen waren entrüstet. In Anlehnung an einen bekannten Kinderreim bedruckte das französische Modelabel Boom Bap ein Shirt mit dem Spruch: «Twinkle, twinkle, little whore, close your legs they're not a door.» Auf Deutsch etwa: «Zwinker, zwinker, kleine Hure, schliess deine Beine, sie sind keine Türe». Auch andere Shirt-Motive der Marke können durchaus als chauvinistisch bezeichnet werden. «Gute Mädchen sitzen, böse Schlampen reiten», ist auf diesem T-Shirt zu lesen. Die Marke Urban Outfitters sorgte mit diesem T-Shirt ebenfalls für einen Shitstorm. «Esst weniger», so der Spruch, der in Zeiten von Magerwahn als besonders geschmacklos abgestempelt wurde. Die Marke Urban Outfitters ist bekannt für Provokationen. Mit einem «blutverschmierten» Pullover sorgte das Label schon einmal für Negativ-Schlagzeilen. Das Design sollte an die Antikriegsdemo von 1970 erinnern, an der in der Kent State Universität im US-Bundesstaat Ohio vier Studenten von Soldaten erschossen wurden. Auch die Marke Gap leistete sich schon einen Patzer in Sachen politische Korrektheit: Der Spruch «Manifest Destiny» («offensichtliche Bestimmung») ist eine alte Kampfansage, die bei der Eroberung von Nordamerika durch Kolonialisten zur Ermordung von Ureinwohnern benutzt wurde.

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Ein Exhibitionisten-Kostüm, das beim Online-Versandhaus Amazon für etwas mehr als 30 Euro angeboten wird, sorgt für Kopfschütteln. Neben der fragwürdigen Verkleidung stösst dem Leser besonders die Produktbeschreibung sauer auf.

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«Wer fürchtet nicht die alten Geifer, die einem am Strand so richtig die Laune verderben können? Unser FKK-Exhibitionist ist ein sexy gewagtes und doch sehr lustiges Kostüm», so die Beschreibung.

«Der Gag ist natürlich das riesige Gehänge»

Das Kostüm sei dabei genauso für einen Junggesellenabschied, wie für eine frivole Faschingsparty geeignet. Das fragwürdige Kostüm besteht aus «Mantel, hautfarbenem Anzug mit Überraschung und einer Glatzenperücke».

Das besondere Highlight der Verkleidung ist allerdings etwas ganz anderes! «Der Gag ist natürlich das riesige Gehänge», heisst es weiter.

Lustig finden das Kostüm laut Heute.at aber bei weitem nicht alle Kunden. In einer Zeit, in der fast täglich über sexuelle Belästigung berichtet wird, könnte das Kostüm wie ein schlechter Scherz auf Kosten der Opfer verstanden werden.

(wil)

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