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Totes Orakel
26. Oktober 2010 12:39; Akt: 26.10.2010 13:02 Print
Die Fussball-Welt verliert ihren Top-Prognostiker
von Olaf Kunz - Mit seinen Vorhersagen zu den WM-Partien mit deutscher Beteiligung lag er hundertprozentig richtig. Jetzt hat Krake Paul das Deckelchen zugemacht. Ein Nachruf.
Eine Fussball-Legende ist tot: Paul die Krake wird nie wieder den Ausgang eines Matches orakeln.
Ohne ihn wäre die Fussball-WM in Südafrika um ein Vielfaches ärmer gewesen. Von Spiel zu Spiel, bei dem die Mannschaft von Jogi Löw mit von der Partie war, tippte er sich mehr in die Herzen der Fussball-Fans. Bis zuletzt hatte er eine Treffer-Quote von 100 Prozent. Und selbst das Endspiel zwischen Spanien und Holland sagte er richtig voraus. Krake Paul war der Star unter den Fussball-Experten – selbst Günter Netzer und Co. zogen den Hut vor seinem Fussball-Sachverstand.
Bei Paul handelte es sich um einen Gewöhnlichen Kraken (Octopus vulgaris). Aber nur im wissenschaftlichen Sinn. Denn in vielfacher Hinsicht war der Krake einzigartig. Paul erblickte am 26. Januar 2008 im Atlantischen Ozean bei Weymouth das Licht des Meeres und wurde in das dortige Sea Life Centre umgesiedelt. Im Alter von drei Monaten kam das Tier nach Oberhausen in das dortige Grossaquarium desselben Betreibers. Schon früh erkannten und förderten die Betreiber seine Leidenschaft für den Fussball. So wurde er bereits bei der Euro 2008 als Tipp-Experte viel beachtet. Dass er dann bei der WM 2010 nochmals zum Einsatz kam, grenzte fast schon an ein Wunder: «Oktopoden werden meist nicht älter als zwei Jahre, auch bei idealen Haltungsbedingungen sind es nicht mehr als drei Jahre», so Sea-Life-Geschäftsführer Stefan Porwoll.
Ein Oktopus in Gefahr
Paul gewann aufgrund seiner Vorhersagen beim «Tier-Orakel» nicht nur Fans, auch zahlreiche Hassvereinigungen wurden gegründet: Im sozialen Netzwerk Facebook skandierten etliche enttäuschte Fussball-Anhänger: «Wir machen Calamari aus Tintenfisch Paul.» Und Rezept-Ideen für Tintenfisch Paul machten die Runde.
Auch in Experten-Kreisen hatte Paul immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen. Viele versuchten seine Verdienste zu schmälern. «Ein Tintenfisch kann abstrakte Begriffe wie Deutschland und Spanien nicht begreifen, das liegt jenseits seines Horizonts», erklärte zum Beispiel Mathematiker Pieter Moree vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Paul liess sich dadurch nicht beeindrucken und wählte immer wieder zwischen zwei Gefässen mit den jeweiligen Landesflaggen der nächsten Begegnung zielgerichtet den künftigen Sieger und strafte damit alle Kritiker Lügen.
Das letzte Orakel
Für seine wohl letzte Prophezeiung beim WM-Finale Spanien gegen die Niederlande begab sich Paul sogar auf Neuland, denn bislang hatte er immer nur bei Spielen mit deutscher Beteiligung den Sieger getippt. Doch auch hier lag der Tintenfisch richtig und brauchte nur wenige Sekunden, um sich für die Iberer zu entscheiden. Danach war klar, dass er sich zur Ruhe setzen und keine Spiele mehr orakeln würde. Fortan liess er sich die Muschelstücke direkt am Boden des Aquariums schmecken. Auch als Analyst und Kommentator wollte er sich nicht mehr betätigen: «Blubbblubbelblubb («Meine Stärke liegt nicht in der Analyse, sondern in der Voraussage»), sagte er während eines Interviews gegenüber 20 Minuten Online.
In den Herzen der Fussball-Fans wird er weiter leben und ein Ehrenplatz in einem Fussball-Gefäss ist ihm in Oberhausen sicher.
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Alle 55 Kommentare





























Danke Paul!
Wenn jemand die WM interessant gemacht hast, dann du Paul! Vor deinen Orakelsprüchen fürchteten sich ganze Nationen und du hattest immer recht. Etwas hätte ich dich gerne gefragt: Verteidigt der SCB seinen Titel?
Good bye and farewell
Lieber Paul, als Tintenfisch Fussballexperte hast Du der WM einen heiteren Anstrich verpasst. Ruhe in Frieden und vielen Dank für die heiteren Momente, die Du uns geben konntest. Vielen Dank auch an das 20min Team für den schön geschriebenen Artikel.
Adios Paulino
Jetzt sollten die Spanier als Dank dem armen Paul ein Staatsbegräbnis gewähren mit Zapatero an der Spitze.