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Unterwegs mit Interrail
19. Januar 2012 16:37; Akt: 19.01.2012 16:46 Print
Europa-Trip mit Hindernissen
Zwei Männer, eine Übernachtung auf einem Verkehrskreisel, Stierkämpfe, teure Yachten, verfrühtes Ende: Leser-Reporter Mario berichtet von seinem Schienen-Abenteuer quer durch Europa anno 1977.
Zwei Rucksack-Touristen auf Abenteuerreise mit Interrail im Jahre 1977.
Seit 40 Jahren kann man mit einem Interrail-Ticket zum Pauschalpreis ganz Europa bereisen. Von dieser Möglichkeit haben auch die User von 20 Minuten Online Gebrauch gemacht. Zahlreiche Schienen-Abenteurer erinnerten sich an ihre spannendsten, lustigsten, spektakulärsten Reisen und teilten uns diese mit. Aus den eingesandten Beiträgen werden wir regelmässig Erlebnisse veröffentlichen. Der erste, der von seiner Reise erzählt, ist Mario Kreis aus dem aargauischen Widen:
Bildstrecken Ein Bahnhof wie eine Raumstation
Wohin hat es Sie verschlagen?
Erinnern Sie sich an eine Reise mit Interrail besonders gerne zurück? Welche Abenteuer haben Sie auf Ihrer Zugfahrt durch Europa schon erlebt? Schildern Sie uns Ihr verrücktestes Erlebnis: Senden Sie Text und Bilder an community@20minuten.ch
«Ich habe mit der legendären Bahnkarte zwei Reisen unternommen: Die erste führte mich 1974 in den Norden und die zweite drei Jahre später in den Süden Europas. An zweitere kann ich mich besonders gut erinnern.
Im Jahre 1977 starteten mein Arbeitskollege Marcel und ich unsere Reise im Zug Richtung Österreich. In Innsbruck angekommen nahmen wir den Bus, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Kaum ausgestiegen kamen wir aber nicht sehr weit: Der Bus-Chaffeur fuchtelte wild mit den Armen herum und rief nach uns. Zu meiner Überraschung hatte er extra angehalten, um mir mein Portemonnaie zurückzugeben, das mir im Bus aus der Tasche gefallen war. So viel Glück hatte ich leider nicht auf der ganzen Reise.
Angenehme Nacht, feuchtes Erwachen
Von Innsbruck fuhren wir weiter nach Triest. Und da sassen wir erstmals fest. Der letzte Zug war längst abgefahren und wir brauchten einen günstigen Schlafplatz. Da der Bahnhof tabu war, irrten wir in der Dunkelheit umher, bis wir auf ein Stück Rasen stiessen. Es war schon spät und wir waren müde.
Das böse Erwachen sollte aber nur wenige Stunden später folgen: Wir hatten doch tatsächlich auf einem Verkehrskreisel übernachtet! Zu unserem Pech erhielten wir auch noch eine morgendliche Dusche von den städtischen Gärtnern. Zurück im Bahnhof stiegen wir fast in einen Zug nach Athen - doch die Aussicht auf 24 Stunden Reisezeit und die ungemütlichen Holzbänke haben uns nicht überzeugt. So entschieden wir uns für Badeferien auf der kroatischen Insel Krk.
Portommenaie weg - Reise vorbei
Erholt und braungebrannt fuhren wir weiter nach Split, Italien und Monaco. Besonders beeindruckt waren wir von den vielen, luxuriösen Yachten in Monte Carlo. Einmal ausgestaunt breiteten wir uns am Strand aus, um die Nacht am Meer zu verbringen. Diese Idee hatten wohl noch ein paar andere: Es wimmelte nur so von Rucksacktouristen. Noch bevor wir ein Auge zumachen konnten, tauchte aber schon die Polizei auf und scheuchte uns weg. So haben wir uns auf einem leeren Parkplatz einquartiert - bis wir schon wieder von der Polizei weggeschickt wurden. Ausgefuchst, wie wir waren, gingen wir wieder zurück an den Strand. Offensichtlich waren die restlichen Rucksacktouristen mindestens so schlau wie wir, denn diese trafen wir auch wieder an. Trotz Umweg konnten wir nun alle ohne weiteres Eingreifen der Polizei endlich schlafen.
Am nächsten Morgen zogen wir weiter - von Nizza über Cannes, St. Tropez nach Barcelona. In Spanien sahen wir unseren ersten Stierkampf. Der Ausflug in die Arena hatte aber seinen Preis: Mit Schrecken stellte ich fest, dass mir mein ganzes Geld und alle Ausweise gestohlen worden waren. Dieses Mal fuchtelte aber leider kein österreichischer Buschauffeur mit meinem Hab und Gut herum.
Es blieb uns also nichts anderes übrig als das Land zu verlassen und zurück nach Hause zu kehren - ohne ID kam man damals auch mit dem Zug nicht besonders weit. Der Trip hätte eigentlich noch nach Portugal und Paris führen sollen. Trotz aller Hindernisse erinnere ich mich aber immer wieder sehr gerne an diese Tage zurück. Ich habe viel gesehen und viel erlebt! Jedem Jugendlichen kann ich eine Reise mit Interrail nur empfehlen. Mein Ticket kostete damals übrigens etwa 275 Franken.»
(lis)
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