Leser stellen sich vor

12. August 2015 13:41; Akt: 08.09.2015 10:56 Print

Familienferien entlang der Seidenstrasse

von G. Hummel - Wie ist es, mit kleinen Kindern Länder wie Kasachstan oder den Iran zu bereisen? Claudio und Martina Arnold berichten von ihrem Trip.

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In Teil drei der Serie über Langzeitreisende erzählt Familie Arnold von ihrer Zeit unterwegs auf der Seidenstrasse. Durch das Interview wollen sie andere Menschen ermuntern, auch in weniger bekannte Länder zu reisen und wunderbare neue Ecken zu entdecken.

Claudio Arnold, wo befinden Sie sich jetzt?
Wir sind seit Kurzem zurück in der Schweiz. Die letzten zehn Tage waren wir in Griechenland am Strand und haben uns prächtig erholt.

Beginnen wir von vorn: Warum haben Sie diese Reise angetreten?
Es war schon lange mein Traum, einmal die sagenumwobene Seidenstrasse zu bereisen. Weiter hegten meine Frau und ich den Wunsch, einmal eine lange Reise gemeinsam mit den Kindern zu machen.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Wir haben vor rund eineinhalb Jahren mit der Planung der Reise begonnen (Geschäft, Stellvertretungen in Projekten, Bewilligung der Schulpflege für Andri, Visa etc.). Für die Reiseplanung haben wir die Route genau vorbereitet, im Wissen, dass wir für den Schulanfang, die Arbeit und den Kindergarten wieder retour sein müssen.

Sie waren drei Monate unterwegs. Gingen die Kinder während dieser Zeit nicht zur Schule?
Für Andri (9) haben wir mit seiner Lehrerin den Stoff, welcher in der Klasse behandelt wird, besprochen und mitgenommen. Einer der Erwachsenen hat jeweils am Vormittag mit ihm Aufgaben gemacht, der andere erledigte sonstige Arbeiten mit den zwei Kleinen wie einkaufen, waschen oder spielen. Ein wesentlicher Teil war das Schreiben des Tagebuchs.

Worauf muss man auf dieser Route besonders achten?
Man bereist diverse Klimazonen: Wüste mit über 50 Grad im Schatten, Meer, Gebirge mit Schnee deutlich über 4000 Meter über Meer. Da hat man sich – und das Fahrzeug – entsprechend auszurüsten. Die politische Situation der Region und der einzelnen Länder ist regelmässig zu studieren und abzuwägen, allenfalls muss man die Route anpassen. Die lange Vorbereitungszeit und die Auseinandersetzung mit den Ländern hat uns dabei geholfen.

Was ist das Positivste, das Sie erlebt haben?
Der Iran leidet unter dem Embargo, es gibt keine/kaum westliche Waren zu kaufen. Trotz allem, die Menschen sind uns ohne Ausnahme sehr freundlich, unheimlich offen und hilfsbereit begegnet. Sie sind sehr interessiert, stellen Fragen und wollen wissen, wie der Iran im Westen wahrgenommen wird. Wir haben im Bazar einen älteren Herrn nach dem Weg gefragt. Ohne zu zögern hat er uns den Rest des Tages begleitet. Ob im Museum oder beim Nachtessen, überall wollte er uns einladen. Er war einfach nur stolz, uns sein Land zu zeigen.

Haben Sie auch negative Erfahrungen gemacht?
Glücklicherweise hatten wir überhaupt keine Probleme. Martina hat mal die Kaffeemaschine überhitzt. So mussten wir drei Wochen auf Espresso verzichten (lacht).

Welchen Ort würden Sie sofort wieder besuchen?
Den Iran! Kulturell bietet das Land Fantastisches. Landschaftlich hat uns besonders das gebirgige und wilde Tadschikistan begeistert. Als wir nachts um 22 Uhr die Grenze von Usbekistan her überquert haben, haben uns die Zöllner von Tadschikistan freudig begrüsst und vor irgendwelchen Formalitäten zuerst zu einer Wassermelone eingeladen.

Sie reisen durch Länder, die viele für gefährlich halten würden. Was antworten Sie diesen Leuten?
Uns war klar, dass wir als Familie mit drei kleinen Kindern keine unnötigen Risiken eingehen wollen. Es lohnt sich, vorgängig auf «einfacheren Reisen» Erfahrungen zu sammeln. Dann ist eine gute Vorbereitung wichtig. Im Internet kursieren viele wilde Geschichten. Die Realität ist häufig nicht ganz so wild. Dennoch ist es eine gute Informationsquelle, die es abzuwägen gilt. Die besten und aktuellsten Informationen erhält man unterwegs von anderen Reisenden. Vor Ort ist dann die Erfahrung und das Bauchgefühl ausschlaggebend.

Welchen Ratschlag geben Sie Menschen, die auch gerne so eine Reise machen wollen?
Je besser man sich vorgängig mit den Ländern und Kulturen auseinandersetzt, umso mehr kann man schlussendlich geniessen und erleben. Offenheit für Neues, Begeisterungsfähigkeit und Respekt vor fremden Kulturen bilden die beste Voraussetzung für ein fantastisches Reiseerlebnis.

Und welchen Ratschlag geben Sie Familien, die mit kleinen Kindern auf eine Langzeitreise wollen?
Die Reiseplanung und Route ist auf die Kinder abzustimmen. Mit gegenseitigem Verständnis, Respekt und Geduld funktionierts. Oft sind es nicht die Kinder, welche Schwierigkeiten machen, sondern vielmehr die Eltern. Kinder sind sehr anpassungsfähig und immer interessiert an Neuem, was teilweise die Nerven der Eltern strapaziert, aber auch oft zu neuen Begegnungen führt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau W. am 12.08.2015 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reise

    Einfach mega Schöne Bilder, so eine Reise muss wunderschön sein.

  • Sebastian am 12.08.2015 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Braucht allerdings Planung und Geld

    Ich kann mir vorstellen, dass das dann aber ganz schön ins Geld geht mit der Planung, den Visa, den Bewilligungen, Proviant, usw. Ich zweifle daran, dass eine Durchschnittsfamilie sich das leisten könnte. Aber ich kann die Länder selbst nur empfehlen.

    einklappen einklappen
  • Melone am 12.08.2015 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Titelfrei

    Herzlichen Dank für Ihren Beitrag, sehr genial Eure Reise. Wollte eh noch 20min. danken dass Ihr "Leser stellen sich vor", ins Leben gerufen habt. Sehr interessant zum Verfolgen und natürlich auch die Bilder. Weiter so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jelena Kufaas am 13.08.2015 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Ihr macht das genau richtig! Für die Kinder ist diese Reise auch eine Art Schule! sie sehen und erleben die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Keine eingeschlossenen Resorts in denen man Ferien verbringt wie zu Hause... Ich bin froh, dass es noch solche Eltern wie euch gibt. Und ich habe den Iran auch so erlebt wie ihr in beschreibt. Unglaublich liebe, intelligente Menschen. Taxifahrer die keine Bezahlung wollten und uns überall hinführten. Fremde Menschen die uns immer wieder zu sich nach Hause einluden. Mit üppigen Mahlzeiten und wunderbarem Tee. Einfach schön solche Begegnungen! Macht weiter so!

  • Vital Burger am 13.08.2015 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der Iran ist gastfreundlich

    Schön dass immer mehr Schweizer den Iran entdecken. Es gibt dort noch sehr viel mehr zu sehen. Wussten Sie, dass der Iran zu jeder Jahreszeit im Land eine Temperaturdifferenz von min. 40 Grad hat ? Mehr auf Mit einem herzlichen Khodahafez ! Freundeskreis Schweiz - Iran Vital Burger

  • Klara am 12.08.2015 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundervoll

    Die Länder sind so schön und vorallem unberührt, wie skandinavien auch!

  • nini am 12.08.2015 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schule

    schöne reise.. tolle bilder.. wir wollten mit unserem sohn für 8 wochen australien (5 wären in den ferien gewesen) berreisen und wurden von der schule prompt abgeblitz und hätten für die 3w folgen gehabt /busse falls wir doch 8 wochen gehen würden da frag ich mich nun wie ist dies möglich

  • Melone am 12.08.2015 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Titelfrei

    Herzlichen Dank für Ihren Beitrag, sehr genial Eure Reise. Wollte eh noch 20min. danken dass Ihr "Leser stellen sich vor", ins Leben gerufen habt. Sehr interessant zum Verfolgen und natürlich auch die Bilder. Weiter so.

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