Imkerei-Revolution

14. März 2015 18:45; Akt: 14.03.2015 18:45 Print

Honig direkt aus dem Bienenstock-Zapfhahn

von G. Hummel - Die Honigernte ist für Tier und Mensch keine angenehme Sache. Nun haben zwei Australier eine Möglichkeit gefunden, Honig zu zapfen. Eine Revolution für die Imkerei.

Das Video zur Crowdfunding-Kampagne von den Machern des «Flow Hive». Ihr Ziel von 70'000 Dollar haben sie bereits um mehr als das Achtzigfache übertroffen. Quelle: Youtube.com
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Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Biene reicht Tausende Jahre zurück. Bereits damals wurde Honig als Energielieferant gesammelt – die älteste bekannte Darstellung stammt aus Spanien und ist etwa 9000 Jahre alt. Schon früh erkannten die Menschen, dass sich Bienenstöcke am einfachsten ausnehmen lassen, wenn man die Bienen mit Rauch sediert, sodass sie nicht allzu angriffslustig werden, wenn man ihnen die Honigwaben wegnimmt. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.

Dazu kommt, dass die Honiggewinnung mit der Entnahme der Waben noch nicht beendet ist. Heutzutage werden sie mit einer sogenannten Honigschleuder mit Hilfe von Zentrifugalkraft entleert. Nun, für den Imker bedeutet die Honigernte viel Arbeit und für das Bienenvolk viel Stress. Doch das könnte sich jetzt ändern.

6 Millionen US-Dollar für «Flow Hive»

Ein Vater und sein Sohn haben es sich zum Ziel gesetzt, die Honigernte für alle Beteiligten (vor allem für die Bienen) erträglicher zu gestalten. Jahrelang tüftelten Stuart und Cedar Anderson an der perfekten Lösung – die sie nun offensichtlich gefunden haben: der Zapfhahn für den Bienenstock. Die Imker unter Ihnen schütteln jetzt mit Sicherheit den Kopf: Das geht doch nicht. Aber das dachten 13'000 andere vor Ihnen bestimmt auch, bis sie die Crowdfunding-Kampagne für den sogenannten «Flow Hive» mit insgesamt fast 6 Millionen US-Dollar (Stand 13. März 2015) unterstützten.

Das Geheimnis liegt in den besonderen Wabenrähmchen, die die Andersons entwickelt haben. Diese bestehen aus zum Teil vorgeformten Wabenzellen. Wenn die Bienen alle Waben mit Honig befüllt haben (zum Verständnis für die Nicht-Imker: Das erkennt man daran, dass die fertigen Waben über einen sogenannten Wachsdeckel verfügen, also quasi verschlossen sind), können die Waben mit einem einfachen Drehwerkzeug geteilt werden. Infolgedessen werden sie zu Kanälen, durch die der Honig nach unten fliessen kann. Dort wartet schliesslich eine Röhre, die die Ernte in den Behälter leitet – der Honig ist bereit für den Verzehr, direkt aus dem Honighahn. Für diese Prozedur muss weder das Rähmchen entfernt, noch eine Biene gestört werden. Oben im Video können Sie genau sehen, wie das Ganze funktioniert.

Gegen das Bienensterben

Auf jeden Fall scheinen die beiden Australier einen Imker-Nerv getroffen zu haben. Mittels eines Crowdfundings wollten sie 70'000 US-Dollar sammeln, um eine erste Produktion finanzieren zu können. Nun sind bereits fast 6 Millionen zusammengekommen und die Kampagne läuft noch länger als drei Wochen. Wer die Andersons unterstützt, kann ab einem gewissen Betrag den «Flow Hive» beziehen. Der komplette Bausatz kostet 600 Dollar, knapp 1300 wurden bereits verkauft.

Sie hoffen zudem, dass sie die Imkerei mit ihrer Erfindung auch für Menschen zugänglich machen können, die sich vor der Honigernte gescheut haben. Indirekt würden sie so zu mehr Bienenvölkern beitragen, was dem aktuellen Bienensterben entgegenwirken könne.

Infografik zum Bienensterben

Wollen Sie sich auch ans Imken wagen? Oder sind Sie bereits Imker? Was halten Sie von der Erfindung? Verraten Sie es uns im Talkback.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr.honey am 14.03.2015 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumem hoch

    Genial! Die zwei haben sich was überlegt

  • M222 am 14.03.2015 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bärentritt

    Wichtig auch dass die Bären den Zapfhahn bedienen können. Die machen immer das halbe Häuschen kaputt.

  • Bürger am 14.03.2015 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht ganz ausgereift..

    Die Grundidee ist nicht schlecht....aber was passiert wenn in der Wabe noch Brut vorhanden ist.....und was ist im Winter wenn die Bienen eigentlich in der Traube ruhe brauchen aber dann im Frühling die mehr als 3 Jahre alten Waben ausgetausch werden sollten (Honig Goldsiegelimkerei?)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jung Imker am 15.03.2015 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich probiers aus

    Ja genau, ich kauf mir eine dieser Beuten und versuche es. Hier tönt es wie überall! Einige wenige wissen alles und belehren wie wenn es um die Reformation geht. Styroporbeuten wurden zuerst auch verteufelt und gehören heute bei einem grossen Teil der Imker zum Alltag. Weiterentwicklung muss auch hier möglich sein. Warum gibt es den sonst soviel verschiedene Beuten und Kästen?

  • Rauchlen-Bienchen am 15.03.2015 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unreif

    Wenn der honig flüssig herausläuft ist er noch nicht reif genug...

    • Anonymous am 15.03.2015 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      Wo reifen

      Spielt es eine Rolle ob der Honig in der Wabe reift oder im Glas?

    • Nic am 15.03.2015 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wo reifen

      Ja, spielt es. Wenn der Honig noch so flüssig ist hat er noch einen zu hohen Wassergehalt, und dieser wird von den Bienen und nicht vom Honigglas gesenkt :P

    • U Uersel am 15.03.2015 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Möglich wärs in AUS vielleicht schon...

      Ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt mit der Reife. Z.B. habe ich auf KOS Thymianhonig ab Wabe kaufen können, der war einiges dünnflüssiger als unserer hier. Dasselbe in Katalonien (Umgebung Tossa de Mar). Je nach Art des Nektars ist es also möglich einen Honig zu erhalten, der dünner ist als wir gewohnt sind. Zudem ist auch möglich, dass in AUS schlicht durch höhere Temperaturen Honig flüssiger läuft als hier. Allerdings weiss ich nicht, ob die Stocktemperatur (Stockklima) in AUS sich von unseren unterscheidet...

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  • Imker meister am 15.03.2015 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bienen

    wunderbar. lasst das ausprobieren. was haben wir imker schon alles an Erfindungen gesehen. sie kamen und verschwanden. n.b. in der Schweiz hat es nicht zu wenig Bienen. das gegenteil ist wahr. die Bienendichte ist viel zu hoch. nun hat sich noch die Politik eingemischt und möchte die Bienen retten. was die Bienen retten würde, wäre eine andere landwirtschaftspolitik. aber eher fließt der Rhein aufwärts.

    • Jung Imker am 15.03.2015 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      so ein Käse

      Und so was von jemanden der sich Imker Meister nennt. Ich weiss ja nicht wie alt Sie sind aber eine Meisterleistung ist Ihr Artikel wahrlich nicht. Vor 50 Jahre, ja ich kann mich daran erinnern da ich schon 58 bin, hatten wir viel mehr Bienenvölker in der Schweiz als heute. Jeder Bauer hatte Bienenvölker. Da gab es Bienenstände in Abständen von 500 Meter. Anders war es aber mit der Globalisierung, die war noch nicht da und es wurden nicht monatlich Krankheiten in die eingeschleust. Wieviele Völker pflegen Sie?

    • Alvra am 15.03.2015 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Meister Imker?

      Meister Imker? Ich muss dem jung Imker recht geben, so ein Käse. Bin aufgewachsen auf dem Lande da hatte es im Umkreis von 500 m 5 Bienenhäuser

    • Obfrau am 15.03.2015 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zu viel

      Es sind zu viele Bienenvölker. Lieben Gruss Obfrau

    • U Uersel am 15.03.2015 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Ni cht zuviel - aber genügend - Imker.

      Wenn man die Statistiken anschaut, war bis 2004 die Anzahl Imker/Völker tatsächlich rückläufig. Durch die Medienpräsenz des Themas, die Förderung durch Bund ab 2008 und auch den Film "More than honey" wurden aber viele animiert, mit dem Imkern zu beginnen. Tatsächlich ist also seit 2004 die Anzahl Imker/Völker stark steigend. Ausserdem haben wir in der Schweiz seit je her eine im weltweiten Vergleich sehr hohe Bienendichte, was das Gerede von wegen Aussterben der Bienen obsolet macht... Zuviele Bienen haben wir meiner Meinung nicht - aber langsam aber sicher genügend. Vor allem genügend Imker.

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  • Franz Winkel am 15.03.2015 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen eines Laien

    Vielleicht kann mir ein Imker die Fragen beantworten : -hat das reifen des Honigs in den Zellen mit seiner Konsistenz einen Zusammenhang oder beeinflusst es nur den Geschmack ? -wenn ich Honig beim Imker kaufe , ist da normaler Zucker drin, für die Haltbarkeit ? Wie bei Konfi... -wie beeinflusst die Zuckerfütterung die Qualität eines Honig ? Besten Dank ...

    • rene w am 15.03.2015 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      erklärung

      Der Wassergehalt muss unter einem gewissen Prozentwert liegen wenn die Bienen mit dem Abdeckeln beginnen ist das erreicht und der Honig reif. Unreifer Honig ist nicht haltbar und würde gären. Zuckerzusatz wäre Betrug es ist auch nicht mötig. Die Zuckerfütterung erfolgt nach der Honigernte hat also keinen Einfluss auf den Honig.

    • Erich Brügger am 15.03.2015 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Antwort auf die Fragen

      - sobald der Honig in den Zellen abgedeckt ist ist er auch reif, er darf in den Zellen nicht kandieren (kristallisieren) denn sonst kann er nicht geschleudert werden. - Dem Honig darf kein fremder Zucker zugesetzt werden, der Bienengesammelte Zucker ist natürlich - der zur Fütterung eingesetzte Zucker darf nur zu einer Zeit ausserhalb der Tracht (Zeit der Honigproduktion) gegeben werden und muss rechtzeitig vor Trachtbeginn beendet sein, es dürfen in dieser Zeit auch keine Honigwaben eingesetzt sein.

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  • maya am 15.03.2015 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lasst es sein

    mit dem kauf von einem 600 dollar bienenhaus fehlt dir immer noch das bienenvolk und die sind nicht ganz billig und auch schwer zu bekommen es braucht sehr viel wissen und erfahrung um bienen zu halten also finger weg von sachen die man nicht kann

    • Damiano am 15.03.2015 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Dann gäbe es keine Imker mehr

      Oder wer hat das Wissen schon seit der Geburt? Irgendwann einmal muss man es lernen.

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