Drogen-Umfrage

30. November 2012 07:20; Akt: 30.11.2012 10:21 Print

Süchtig? Ich doch nicht!

von Viktoria Weber - Fast alle Schweizer trinken Alkohol, ein Drittel raucht täglich Zigaretten und ebenfalls jeder Dritte hat Erfahrungen mit illegalen Drogen. Von Sucht sprechen aber nur die wenigsten.

Quelle: Umfrage von 20 Minuten Online und gfs.bern.

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Wie regelmässig greifen Schweizer zu Glimmstängel, Bierflasche oder Weinglas? Und wie steht es um illegale Drogen? Um das herauszufinden, lancierte 20 Minuten Online zusammen mit dem Forschungsinstitut gfs.bern eine grosse Umfrage, an der 28'515 Personen teilgenommen haben.

Insgesamt zeigt sich dabei, dass die Befragten trotz regelmässigen Konsums der unterschiedlichen Suchtmittel nur sehr selten angeben, abhängig zu sein. So greift beispielsweise ein Drittel der Befragten täglich zur Zigarette, als eindeutig nikotinabhängig betiteln sich aber lediglich 16 Prozent. Weitere 12 Prozent geben an, «eher» süchtig zu sein. Ähnlich verhält es sich beim Konsum von Alkohol: 13 Prozent der Befragten greifen täglich zum Glas, weitere 27 Prozent immerhin mehrmals pro Woche. Als eindeutig süchtig oder eher süchtig outen sich aber gerade mal 7 Prozent.

Illegale Drogen hat ein Drittel der Befragten schon mindestens einmal ausprobiert – wobei Cannabis dabei die am häufigsten genannte Droge ist. Wiederum ein Drittel dieser Gruppe konsumiert bis heute mehr oder weniger regelmässig illegale Substanzen. Doch als drogenabhängig betiteln sich lediglich 2 Prozent.

Die Kategorie «nicht mehr» wurde lediglich beim Thema «Konsum von illegalen Drogen» explizit erfagt.
Quelle: 20 Minuten Online, gfs.bern

Die einen trinken häufiger, die anderen dafür mehr

Der tägliche Alkoholkonsum ist vor allem bei den Befragten im Pensionsalter überdurchschnittlich verbreitet. Fast ein Drittel dieser Altersgruppe gönnt sich jeden Tag mindestens ein alkoholisches Getränk. Bei den unter 40-Jährigen trinken dagegen lediglich 3 Prozent täglich Alkohol.

Bei der Frage nach der Intensität des jeweiligen Alkoholkonsums sieht es genau umgekehrt aus. Denn bis zum sogenannten «Filmriss» trinken vor allem die jüngeren Befragten. In der Altersgruppe der unter 40-Jährigen haben 59 Prozent schon mindestens einmal so viel Alkohol getrunken, dass es zu einer mehr oder weniger grossen Gedächtnislücke kam. Bei den Befragten im Pensionsalter liegt dieser Wert nur bei einem Drittel.

Ausserdem macht sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern bemerkbar: 52 Prozent der männlichen Befragten haben schon mindestens einmal einen «Filmriss» erlebt, bei den Frauen waren es dagegen nur 41 Prozent. Mindestens einmal pro Woche trinken 67 Prozent der Männer Alkohol – bei den Frauen tun dies lediglich 45 Prozent. Zudem weisen die Ergebnisse einen regionalen Unterschied auf: Trinken in der deutschsprachigen Schweiz 53 Prozent der Befragten mindestens einmal wöchentlich Alkohol, liegt der Wert in der Romandie bei 59 und im Tessin gar bei 63 Prozent.

Was, wenn die beliebten Suchtmittel teurer werden?

Diese Frage wurde ausschliesslich den Personen gestellt, die angaben Zigaretten bzw. Alkohol zu konsumieren.
Quelle: 20 Minuten Online, gfs.bern

Während 29 Prozent der Befragten, die mehr oder weniger regelmässig Alkohol konsumieren, sich nicht vorstellen können, wie sie handeln würden, wenn Alkohol teurer würde, gaben ganze 40 Prozent an, dass sie an ihrem Konsum nichts verändern würden. Die restlichen Befragten würden je nach Preisanstieg weniger Alkohol trinken (siehe Grafik oben).

Etwas deutlicher fallen die Reaktionen bei der Frage nach dem Zigarettenpreis aus. Über 40 Prozent der befragten Raucher würden ihren Konsum bei einer mehr oder weniger starken Preiserhöhung reduzieren. Diese höhere Bereitschaft hängt möglicherweise mit dem ohnehin zum Teil vorhandenen Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, zusammen. Denn 29 Prozent der Raucher würden aktuell gerne damit aufhören, 57 Prozent haben es bereits schon einmal probiert.

Drogenkonsum heute weiter verbreitet

Haben im Gesamtdurchschnitt aller Befragten zwei Drittel noch nie Drogen ausprobiert, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Generationen: Bei den Personen im Pensionsalter hat eine deutliche Mehrheit (88 Prozent) keinerlei Erfahrungen mit illegalen Drogen. In der Altersgruppe der 14- bis 39-Jährigen hat dafür jeder zweite schon mindestens einmal Cannabis konsumiert. Diese Droge liegt auch mit 90 Prozent der Nennungen beim Erstkonsum klar vorne.

Im Durchschnitt waren die Befragten 16 Jahre alt, als sie das erste Mal illegale Substanzen ausprobierten, ein knappes Drittel war jünger als 16 Jahre. Stehen beim Erstkonsum vor allem Neugierde und Gruppendruck im Vordergrund, liegen die Gründe für späteren regelmässigen Konsum klar woanders: Entspannung, Glücksgefühl, Feierlaune und der Wunsch danach, die Probleme des Alltags zu vergessen, führen die Liste der Gründe an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moralapostelin am 30.11.2012 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Sterben

    Sucht erkennt man daran, wenn man sie negiert oder heimlich auslebt. Ausserdem wäre es doch schlimm, wenn man auch noch gesund sterben müsste....?

  • Regi am 30.11.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Genuss muss sein!

    Ich unterscheide zwischen Geniessen und Brauchen. Mein Mann und ich trinken jeden Abend zum feinen Nachtessen eine Flasche Wein, weil wir das mögen und eben geniessen. Ist mir eigentlich egal, ob ich nun als süchtig gelte oder nicht. Stehe jeden Tag frühmorgens auf und bin pünktlich auf Arbeit und habe auch keine Probleme, diese zu erledigen. Sollte ich mal als erstes am Morgen Alk brauchen, dann stimmt wohl etwas nicht mehr. Diese Studien vermiesen einen nur das bisschen (Genuss-)Leben, das uns noch bleibt nebst all den Verboten.

  • Nick Cound am 30.11.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird wieder pauschalisiert.

    Man sollte die regelmässigen Alkoholtrinker nun nicht vorschnell als süchtig abstempeln. Ich sehe bei uns: Gehen wird in den Ausgang, wird meist auch reichlich Alkohol konsumiert. Es hebt einfach die Stimmung. Die meisten haben ihren Konsum, anders als z.B. bei Zigaretten, jedoch absolut im Griff. Es wird vor einem Transalp auch gerne einmal wochenlang absolut nichts getrunken. Keiner hat ein Problem damit. Bloss weil einige auf Alkohol verzichten, da dieser sie sonst im Griff hat, muss man den Leuten, welche anders mit Alkohol umgehen können, bestimmt keine unbewusste Sucht nachsagen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Olav Talger am 03.12.2012 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    "Räpresentative" Umfrage

    Wieder eine dieser so "zuverlässigen räpresentativen" 20-Umfragen...als ob die User die Sache ernst nehmen würden...

  • lala am 03.12.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alles eine Frage des Masses

    Also ich würde meinen so lange es in Massen konsumiert wird, spielt es keine Rolle wer, was oder wie konsumiert!

  • Felix am 03.12.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es nunmal

    In der heutigen Zeit kann man es doch auch ohne Alkohol lustig haben... da ich aber 6 tage in der Woche nicht in den Ausgang kann gehe ich dann doch lieber auf Nummer sicher ^^

  • Andre am 03.12.2012 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wen interessierts ?

    An alle die jetzt schreiben was Legal sein soll und was nicht, seit mal bitte STILL für IMMER ! Betrinkt und bekifft euch ABER macht das zuhause und gefährdet nicht andere Leute, von den 8 Milionen Menschen in der Schweiz interessiert keinen eure Meinung was legalisiert werden soll oder was nicht ! Schliesst euch ein und lasst die Tür 24h später erst öffnen, wen ihr wieder ok seit.

    • Jolly rog am 03.12.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      Was bist denn Du für einer?

      Sehr differenzierter Beitrag! Auch schön, dass Du weisst was die 8 Millionen Schweizer interessiert... Sorry! Aber das ist einfach nur billig!

    • Erich Rayser am 03.12.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Jolly-weisst Du denn alles?

      Jeder der Suchtkranke in der Familie hat, kann das verstehen. Alle haben immer alles im Griff, es ist ja ihr eigenes Leben, aber am Ende dürfen sich leider vielen andere um die Auswirkungen kümmern. Zudem frisst einem der Anblick eines süchtigen Familienmitglied ein Lock in die Seele ohne dass man ihnen wirklich helfen kann - denn wie in der Grafik beschrieben, die betroffenen gestehen sich selber die Sucht nur sehr sehr selten ein.

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  • Stranger am 03.12.2012 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie

    Ich habe einmal Alkohol probiert und da war ich 12 Jahre alt, einmal eine Zigarette mit 14 und heute bin ich Antiraucher und Antitrinker, ich bin nicht stolz darauf, es ist eine Selbstverständlichkeit, bereits in einem sehr altem und bekanntem Buch stand: Schütze dich so wird dich auch Gott schützen.

    • Othmar Schwitzgeld am 03.12.2012 10:12 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Hahaha- na dann viel Glück (oder Gottes Schutz?!)

    • Gottfried Stutz am 03.12.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Oh da sind sie wieder...

      Oh da sind sie wieder die Superheiligen! Das hast du wirklich gut gemacht... Antiraucher und Antitrinker, etwas im dicken Buch lesen und schon wäre unsere Welt geheilt... endlich fertig mit den Süchten, ohne Alkohol, ohne Rauchen, ohne Drogen, ohne LEBEN! Schon vergessen, dass dein Gott auch den Alkohol und die Drogen erschaffen hat? Jesus trank dauernd Wein (war also nicht gerade ein gutes Beispiel) und die eiligen drei Könige rauchten Mürre und Weihrauch ;-)

    • hans am 03.12.2012 10:24 Report Diesen Beitrag melden

      schutz vor was?

      dem leben?

    • not too strange am 03.12.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      ab und an

      und wie alt bist du denn jetzt? 15 :-)

    • Markus am 03.12.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      Gratuliere

      Anstatt darüber zu spekulieren, was Gott von Dir erwartet - falls es ihn gibt - würdest Du lieber anfangen Dein Leben zu leben. Wer weiss, ob danach noch etwas kommt...

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